Exporte der Lebensmittelindustrie: Über einem Containerhafen fliegt ein Flugzeug.

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Industrie

Aufschwung bringt neue Chancen

Die Lebensmittelindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Trotz vieler Herausforderungen ergeben sich neue Chancen für die Branche. Wachstumstreiber ist einmal mehr der Export. Das zeigen die Wirtschaftsdaten für 2017 und 2018.

Die österreichische Lebensmittelindustrie ist international ausgerichtet und eine der größten Branchen Österreichs. Sie sichert im Interesse der Konsumentinnen und Konsumenten tagtäglich die Versorgung mit sicheren, qualitativen und leistbaren Lebensmitteln. Die Branche blickt auf ein gutes Jahr zurück: Die rund 200 Unternehmen mit ihren 26.000 Beschäftigten erwirtschafteten 2017 rund 8,3 Mrd. Euro Produktionsvolumen.

Export bringt Plus für die Lebensmittelindustrie

Wachstumstreiber war einmal mehr der Export heimischer Lebensmittel: Er legte deutlich zu – um 8,5 Prozent auf 6.719 Mio. Euro. Dieses Ergebnis zeigt, dass österreichische Lebensmittel und Getränke weltweit punkten – und das trotz angespannter Märkte im In- und Ausland. Hauptverantwortlich für die Entwicklung im Lebensmittelexport sind die Märkte außerhalb der EU. Der bedeutendste Drittlandsmarkt sind die USA mit 878 Mio. Euro Exportvolumen. Sie liegen hinter Deutschland (2.240 Mio. Euro Exportvolumen) weiterhin an der zweiten Stelle im Ranking der wichtigsten Exportländer der österreichischen Lebensmittelhersteller.

Der Export bleibt Wachstumstreiber und Jobgarant für die Branche. Zwei von drei in Österreich produzierten Lebensmitteln und Getränken werden auf mehr als 180 internationalen Märkten verkauft. Die Lebensmittelindustrie leistet bereits deutlich über 60 Prozent der gesamten Agrarexporte Österreichs und ist somit das Zugpferd für den heimischen Agrarexporterfolg. Der seit Jahren angespannte Inlandsmarkt hat die Hersteller schon früh bewogen, ihre Chance im Export zu suchen. Das zeigt beeindruckend ein Vergleich mit Deutschland: Der Exportanteil der österreichischen Lebensmittelindustrie ist im Ergebnis doppelt so hoch wie der ihrer deutschen Mitbewerber. Ein gesättigter und hart umkämpfter Inlandsmarkt macht den Export zum wichtigsten Standbein für die Branche.

Die Lebensmittelindustrie leistet bereits deutlich über 60 Prozent der gesamten Agrarexporte Österreichs und ist somit das Zugpferd für den heimischen Agrarexporterfolg.

Verfügbarkeit von heimischen Rohstoffen ist nicht gewährleistet

Mit Sorge wird die aktuelle Entwicklung bei wichtigen heimischen Rohstoffen für die Lebensmittelindustrie verfolgt. Der späte Frost, große Niederschlagsdefizite im Osten Österreichs sowie Unwetterschäden führten im Jahr 2017 zu deutlichen Ernteeinbußen in der österreichischen Landwirtschaft, etwa bei Obst, Feldfrüchten oder Getreide. Auch 2018 müssen wieder Rohstoffe für die Weiterverarbeitung importiert werden. Denn: Eine Versorgung in Österreich mit einheimischen Rohwaren ist regelmäßig nicht möglich.

Dieser Umstand zwingt die österreichischen Weiterverarbeiter, sowohl fehlende Mengen an Agrarwaren wie Getreide, Fleisch, Eier, Butter, Obst oder Gemüse als auch Agrarrohstoffe, die in Österreich nicht wachsen, weltweit zu beschaffen. Dazu zählen zum Beispiel Gewürze, exotische Früchte und Gemüse, Kaffee, Tee oder Kakao. Das zeigt auch die Statistik: Die österreichische Agraraußenhandelsbilanz ist seit Jahrzehnten negativ und liegt aktuell bei einem Wert von knapp unter 1 Mrd. Euro. Unterschiedlichste Vorgaben von Kunden oder Ausfälle von Rohwaren durch Missernten erfordern einen raschen Wechsel der Lieferanten und somit des Herkunftsorts der Agrarwaren. Um eine inländische Produktion tagtäglich mit gleichbleibender Qualität garantieren zu können, muss die Lebensmittelwirtschaft seit Jahrzehnten Rohstoffe und Halbfabrikate aus 182 Ländern der Welt importieren.

Inlandsmarkt ist umkämpft

Der heimische Lebensmittelmarkt bleibt auch 2018 heiß umkämpft. Wettbewerb findet auf allen Ebenen entlang der Wertschöpfungskette statt. Der tägliche Kampf um Marktanteile im Lebensmitteleinzelhandel und der Zielpunkt-Konkurs Ende 2015 führten dazu, dass die drei Großen im Lebensmitteleinzelhandel (Rewe, Spar und Hofer) zusammen 87,6 Prozent Marktanteil haben. Dauerhafte Preissenkungen bei vielen Markenartikeln, Aktionen und die Positionierung von Eigenmarken in allen wichtigen Produkt- und Preissegmenten wurden forciert.

Die Eigenmarken des Handels gewinnen weiter an Bedeutung. Sie machten bei einigen Handelsketten 2017 bereits rund 40 Prozent des Jahresumsatzes aus. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft KPMG bescheinigen neun von zehn Konsumentinnen und Konsumenten den Handelsmarken ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Mehr als 80 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher sehen keine großen Unterschiede mehr zwischen der Qualität von Markenprodukten und Handelsmarken. Dadurch haben es heimische Hersteller immer schwerer, sich gegen die Eigenmarken im Regal durchzusetzen.

Auch 2018 müssen wieder Rohstoffe für die Weiterverarbeitung importiert werden. Denn: Eine Versorgung in Österreich mit einheimischen Rohwaren ist regelmäßig nicht möglich.

Außenhandel sichert Arbeitsplätze in der Lebensmittelindustrie

Die Situation am Inlandsmarkt bestätigt einmal mehr: Der Export sichert die Jobs und das Wachstum in der heimischen Lebensmittelindustrie. Beachtliche sechs von zehn Euro des österreichischen BIP werden durch den Export verdient, 1 Prozent mehr Exportleistung bedeutet rund 10.000 neue Jobs im Inland.

Über Josef Domschitz

Josef Domschitz ist seit 1983 im Fachverband der Lebensmittelindustrie tätig, seit 2013 ist er stellvertretender Geschäftsführer des Verbands. Sein Arbeitsschwerpunkt ist der Bereich „Wirtschaft, Handelspolitik und Zollrecht“. Zusätzlich ist er im Branchenmanagement für die Betreuung der Branchen im tierischen und pflanzlichen Erzeugnisbereich hauptverantwortlich.

  • Dieser Beitrag ist die gekürzte Version eines Beitrags aus der Zeitschrift „Die Ernährung“, Volume 42, 2/2018. Die sechs Mal jährlich erscheinende Fachzeitschrift informiert über aktuelle Entwicklungen bei Lebensmitteln in den Bereichen Wissenschaft, Recht, Technologie und Wirtschaft. Den gesamten Artikel sowie Informationen zum Abo finden Sie hier: ernaehrung-nutrition.at.