Handschlag vor Lebensmittelregal: Die österreichische Lebensmittelindustrie versorgt unser Land mit Lebensmitteln.

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Industrie

Wie geht es der Lebensmittel­industrie zurzeit?

Die österreichische Lebensmittel­industrie sichert die Lebensmittel­versorgung auch in Krisen­zeiten. Doch wie geht es der Branche zurzeit? Wir haben mit einigen Ver­tretern gesprochen.

Walter Scherb Junior, MA

Geschäftsführer der S. Spitz GmbH
 

Walter Scherb Junior, Geschäftsführer von Spitz, im Porträt.

Foto: Robert Maybach

Herr Scherb, was bedeutet die Coronakrise für Spitz? Was waren und sind die größten Herausforderungen?

Walter Scherb: Spitz operiert seit 160 Jahren als erfolgreicher Lebensmittelproduzent – und so zählen wir zu den systemkritischen Betrieben, die einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung der heimischen Bevölkerung leisten. In der Coronakrise ist es unsere oberste Priorität, die Produktion aufrecht zu erhalten und gleichzeitig die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen – denn diese arbeiten derzeit auf Hochtouren.

Als die Regierung Mitte März erste Maßnahmen ergriffen hat und die Konsumentinnen und Konsumenten sich vermehrt mit Nahrungsmitteln eingedeckt haben, hat sich bei uns eine stark erhöhte Nachfrage bemerkbar gemacht. Jetzt, mehr als vier Wochen später, hat sich dies wieder etwas eingependelt. Wir erwarten aber generell, dass die Nachfrage nach Lebensmitteln volatil und auf einem überdurchschnittlichen Niveau bleiben wird.


Wie haben Sie die Krise bisher gemeistert? Worauf sind Sie besonders stolz?

Walter Scherb: Aufgrund unserer frühen, proaktiven Maßnahmen hat sich bislang gezeigt, dass wir für eine solche Krise, und aus heutiger Sicht auch für die Zeit danach, sehr gut gewappnet sind. Besonders stolz sind wir auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in diesen Zeiten Großartiges leisten und die jeden Tag aufs Neue in die Arbeit kommen, um die Lebensmittelversorgung aufrechtzuerhalten.

Besonders hervorzuheben ist auch die gute Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten und unseren Kunden – vor allem in Hinblick darauf, welche Waren in welchen Mengen benötigt werden, erfolgt die Abstimmung sehr detailliert und effizient. Um entsprechend planen und produzieren zu können, ist das für uns derzeit absolut unabdingbar. Um die Logistikkette sicherstellen zu können, sind wir in kontinuierlichem Kontakt mit unseren Lieferanten – mit Erfolg, denn Lieferprobleme waren für uns bis dato kaum ein Thema. Lediglich bei den Schutzartikeln für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auch wir zum Teil von den Engpässen betroffen, kümmern uns aber derzeit sukzessive und vorausschauend um die Beschaffung von Schutzmasken, sollte eine Maskenpflicht in den Betrieben implementiert werden.

Alles in allem ist zu sagen: Wir bei Spitz haben bereits sehr früh präventive Maßnahmen gesetzt, unser Ernstfallstab tagt von Anbeginn der Krise – und so wurden bereits vor zwei Monaten Dienstreisen eingestellt, erhöhte Hygienemaßnahmen implementiert und Vorbereitungen zu einer ausgedehnten Homeoffice-Tätigkeit getroffen. Unser oberstes Ziel ist es, unser Unternehmen, aber vor allem auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicher durch diese Krise zu bringen – und wir sind überzeugt, dass wir das schaffen.


Wie ist Ihr persönlicher Ausblick für die Zeit nach COVID-19?

Walter Scherb: Die konkreten Auswirkungen des Coronavirus auf die Wirtschaft sind zu diesem Zeitpunkt nur schwer abschätzbar. Wir haben jedoch bereits jetzt einiges gelernt: Zum Beispiel, wie enorm wichtig eine klare, regelmäßige Kommunikation, intern sowie extern, ist. Zudem bin ich überzeugt davon, dass sich der vermehrte Einsatz von Telearbeit langfristig positiv auf unsere Meetingkultur und die Notwendigkeit von Dienstreisen auswirken wird.

Es ist außerdem damit zu rechnen, dass manche Teile der globalen Supply Chain überdacht werden und es vermehrt zu einem Aufbau der lokalen Wertschöpfung kommen wird. Die Lebensmittelindustrie in Österreich spielt hier eine zentrale Rolle und sollte weiterhin gestärkt werden. Außerdem hoffe ich, dass die Wertschätzung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der systemkritischen Branchen auch zukünftig aufrechterhalten wird – dank ihnen kann die Versorgung mit den wichtigsten Gütern und Dienstleistungen in Österreich sichergestellt werden und es wäre schön, wenn wir uns auch nach der Krise noch daran erinnern.

Mag. Martin Darbo

Vorstandsvorsitzender der Adolf Darbo AG
 

Foto: Darbo / Kux-Zanella

Herr Darbo, was bedeutet die Coronakrise für das Haus Darbo? Was waren und sind die größten Herausforderungen?

Martin Darbo: Auch für die Lebensmittelindustrie bedeutet die aktuelle Situation eine schwere Krise: Hamsterkäufe zu Beginn der gesetzlichen Maßnahmen haben sich längst nivelliert und es zeigt sich, dass jene Produkte, die von den Haushalten vorausschauend gelagert wurden, eine Zeit lang nicht nachgekauft werden. Insgesamt werden die Ausgaben für Lebensmittel heuer nicht höher liegen als in der Vergangenheit. Zusätzlich fällt für uns, so wie für viele Betriebe, auch der Absatz in der Gastronomie großteils weg, Gästenächtigungen aus dem Ausland fehlen gänzlich. Der Absatz im Einzelhandel kann davon nur einen Teil kompensieren.

Eine weitere Herausforderung für Darbo, die jedoch meisterhaft bewältigt wird, ist die Einhaltung aller Maßnahmen, die für ein den neuen Umständen angepasstes, sicheres Arbeiten nötig sind. Und letztlich ist die Ungewissheit über die Dauer der Pandemie und ihre langfristigen Auswirkungen ein Umstand, der die Planung erschwert.


Wie haben Sie die Krise bisher gemeistert? Worauf sind Sie besonders stolz?

Martin Darbo: Persönlich stolz bin ich auf die vorbildliche Einhaltung aller notwendigen Maßnahmen durch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ob in Produktion oder Verwaltung: Die Bewältigung körperlicher Arbeiten mit Mundschutz, strenges Einhalten von Mindestabständen oder die Flexibilität, auch im Homeoffice die gleiche Leistung zu bringen, sind beeindruckend. Das alles stimmt mich zuversichtlich, dass wir auch weiterhin sicher und zuverlässig unsere österreichischen und internationalen Abnehmer versorgen können. Diese Zuverlässigkeit und die Qualität der Arbeit der Menschen, die bei uns arbeiten, haben sich in sicheren wie in unberechenbaren Zeiten bewährt.


Wie ist Ihr persönlicher Ausblick für die Zeit nach COVID-19?

Martin Darbo: Auch hier gilt: Das Wichtigste ist die Gesundheit. Es ist zu hoffen, dass die Pandemie bis zu ihrer Überwindung möglichst wenige zusätzliche Opfer fordert. Weiters hoffe ich auf eine möglichst rasche Überwindung der stark gestiegenen Arbeitslosigkeit und einen allgemeinen Wirtschaftsaufschwung, wovon viele Experten auch ausgehen. Für Darbo und die Lebensmittelindustrie insgesamt wäre es schließlich auch wichtig, dass sich der Tourismus im In- und Ausland möglichst bald erholt. Insgesamt bin ich zuversichtlich, dass wir als Branche wieder voll durchstarten können, sobald die Voraussetzungen dafür wieder gegeben sind!

Bernhard Ölz

Geschäftsführer der Rudolf Ölz Meisterbäcker GmbH & Co KG
 

Foto: Petra Rainer / Ölz

Herr Ölz, wie hat Ölz der Meisterbäcker die Coronakrise bisher gemeistert? Worauf sind Sie besonders stolz?

Bernhard Ölz: Ölz der Meisterbäcker hat ein eigenes, interdisziplinäres 8-köpfiges Präventionsteam. Wir haben uns bereits vor Beginn der allgemeinen Shut-Down-Ankündigungen durch die österreichische Bundesregierung auf die Situation vorbereitet und Präventionsmaßnahmen im Unternehmen gesetzt, die stetig verbessert und verstärkt wurden.

Unser umfangreicher Präventionsplan stellt die Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die erste Stelle und umfasst zahlreiche Maßnahmen. Das gewährleistet die Produktions- und Liefersicherheit. Die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden ist mehr als je zuvor von großer Offenheit und Lösungsorientierung geprägt. Wir stehen im intensiven täglichen Kontakt mit all unseren Partnern, jeder gibt in dieser besonderen Situation sein Bestes.

Das Kaufverhalten der Konsumentinnen und Konsumenten hat sich in Österreich genau wie in unseren Nachbarländern binnen weniger Tage deutlich geändert. Feine Backwaren, die hygienisch verpackt sind und daher über einen längeren Zeitraum einen hohen Genusswert haben, haben für Konsumentinnen und Konsumenten in dieser Zeit eine besondere Bedeutung.

Ein Paradebeispiel, wie unglaublich schnell neue Dinge entstehen und gemeinsam umgesetzt werden konnten: Ölz der Meisterbäcker unterstützt auf unkonventionelle Weise die Maskenproduktion – durch die Bereitstellung von Verschlussclips, die als Nasenbügel dienen.

Mag. Gerald Hackl

Vorstandsvorsitzender der VIVATIS Holding AG
 

Gerald Hackl, Vorstandsvorsitzender der VIVATS Gruppe, im Gespräch.

Foto: VIVATIS / Wakolbinger

Herr Hackl, was bedeutet die Coronakrise für VIVATIS? Was waren und sind die größten Herausforderungen?

Gerald Hackl: Die Coronakrise ist für unsere Firmengruppe eine ganz gewaltige Herausforderung. Einige unsere Tochtergesellschaften produzieren derzeit mit Hochdruck und fahren vielfach Sonderschichten (3er-Schichten, sieben Tage die Woche). Wir haben uns vorab rechtzeitig und ausreichend mit allen notwendigen Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, Verpackungen etc. eingedeckt, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Das ist aber für uns natürlich mit ganz enormen Kosten verbunden, weil wir das alles vorfinanzieren müssen. Wir haben Lagerflächen massiv ausgeweitet, die Sicherheitsbestände deutlich erhöht und sind bei allem extrem in Vorleistung gegangen.

Gleichzeitig haben wir auch Unternehmen in der VIVATIS-Gruppe, die unter anderem für den Außer-Haus-Konsum produzieren, also wichtige Zulieferer für die Hotellerie und Gastronomie oder auch Schulen und Kindergärten sind. Diese Geschäftsfelder sind den Unternehmen durch die Coronakrise natürlich völlig weggebrochen. Wir kämpfen hier ganz gewaltig, weil damit die komplette Geschäftsgrundlage mit einem Schlag wegfällt. Insgesamt trifft das Coronavirus uns und unsere Tochterfirmen, insbesondere die Gastro-Zulieferer, ganz schwer.


Wie haben Sie die Krise bisher gemeistert? Worauf sind Sie besonders stolz?

Gerald Hackl: Ich bin stolz darauf, wie wir in der gesamten Firmengruppe bisher mit der Krise umgegangen sind. Wir haben spezielle Krisenstäbe und -pläne aktiviert, verschiedene Schichten mit eigenen Teams und veränderten Übernahmen eingeführt. Darüber hinaus haben wir ein umfangreiches Maßnahmenbündel erarbeitet, um bestmöglich mit dieser neuen Herausforderung umzugehen.

Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um unserer Verantwortung gegenüber unseren Kunden (unter anderem Lebensmitteleinzelhandel, Gastronomie, Großhandel und Gemeinschaftsverpflegung) gerecht zu werden und sie mit allen benötigten Produkten zu versorgen. Unsere zentrale Aufgabe in der aktuellen Krisensituation ist es, die Versorgung der österreichischen Bevölkerung mit Produkten des täglichen Bedarfs sicherzustellen. Und besonders wichtig ist es, jene zu verpflegen, die tagtäglich im Kampf gegen das Virus Gewaltiges leisten, wie zum Beispiel Ärzte und medizinisches Personal, aber natürlich auch Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern, Altenheimen oder anderen Einrichtungen, um nur einige zu nennen.


Wie ist Ihr persönlicher Ausblick für die Zeit nach COVID-19?

Gerald Hackl: Wir haben gesehen, dass wir auch in Krisenzeiten sehr gut aufgestellt sind, unsere Krisenpläne funktionieren perfekt. Was die wirtschaftlichen Auswirkungen bei uns betrifft, so rechne ich natürlich mit einem deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang. Gleichzeitig hoffe ich aber darauf, dass mit der Krise, in der man sich auf internationale Versorgungsketten nicht immer verlassen kann, die Lebensmittelproduktion in Österreich wieder mehr Ansehen gewinnt. Konkret wünsche ich mir, dass ein Aha-Effekt beziehungsweise ein Umdenken bei den Konsumentinnen und Konsumenten einsetzt und diese beim Einkaufen wieder mehr auf die Herkunft schauen.

Ohne heimische Produzenten wie uns würde sich der Lebensmittelhandel schwertun, die Regale in den Supermärkten zu füllen. Wobei ich dessen Engagement und Leistung in der Krise nicht schmälern will. Der Handel und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten in dieser Zeit sehr viel. Aber wir sind es eigentlich, die rund um die Uhr produzieren, Rohstoffe sichern, Lieferketten prüfen und Verpackungsmaterialien organisieren. Ich hoffe, dass dieses Bemühen und die Leistungen der Lebensmittelproduzenten durch die Krise wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen gelangen.

Dr. Alfred Schrott

Vorstand Marketing und Verkauf, Josef Manner & Comp. AG
 

Foto: Manner

Herr Dr. Schrott, was bedeutet die Coronakrise für Manner? Was waren und sind die größten Herausforderungen?

Alfred Schrott: Die Coronakrise hat auch unseren Arbeitsalltag komplett verändert. Die Lebensmittelindustrie zählt im Land zur kritischen Infrastruktur, damit die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln sichergestellt bleibt. Manner arbeitet weiter, damit die Lager und Regale gefüllt bleiben. Dabei steht der Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an oberster Stelle. Wir haben bereits in den vergangenen Wochen umfangreiche Vorbereitungen getroffen, um unseren Kunden, Partnern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch in den kommenden Wochen bestmöglichen Schutz, Sicherheit und eine möglichst unterbrechungsfreie Produktion bieten zu können.

Selbstverständlich unterstützen wir jegliche Maßnahmen, die zur Reduzierung des Virus beitragen und verringern daher die sozialen Kontakte auf ein Minimum. Über 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten von einem auf den anderen Tag von zu Hause, Meetings finden über digitale Plattformen statt. Die größte Herausforderung lag und liegt bei der Maßnahme der Schichtentkopplung. Bei einem positiven Coronafall nicht die gesamte Produktion schließen zu müssen, ist hier das vorrangige Ziel. Daher haben wir Sicherheitsmaßnahmen gesetzt, um Personen in den Schichten bestmöglich voneinander zu trennen. Wir haben aber auch für einige unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wohnungen zur Verfügung gestellt, die täglich von ihrem Wohnort außerhalb Österreichs nach Wolkersdorf pendeln und in der Krise lieber am Arbeitsplatz bleiben wollten. Ein ganz zentrales Thema ist auch die enge Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten, um hier Lieferengpässen entgegenzuwirken.

Alle unsere 13 Mannershops in Österreich waren einige Wochen geschlossen, nach Ostern wurden einige wieder geöffnet, natürlich unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen. Hier ist uns aber ein wichtiger Umsatz weggebrochen, den wir über andere Kanäle nicht abfedern konnten. Restmengen an Osterware haben wir heuer aufgrund der besonderen Situation schon frühzeitig an karitative Vereine gespendet. Der Absatz über die Einzelhändler ist stabil – zurzeit können wir aber noch keine Entwicklung abschätzen. Was wir aber bereits sehen, ist ein Zuwachs bei Online-Bestellungen. Heuer hat sich der Umsatz im Onlineshop um rund 38 Prozent (bis zum 6. April 2020) erhöht.


Wie haben Sie die Krise bisher gemeistert? Worauf sind Sie besonders stolz?

Alfred Schrott: Trotz täglich neuer Herausforderungen unternehmen wir aktuell alle Anstrengungen, um unsere beliebten Süßwarenklassiker weiterhin in Wien und Wolkersdorf zu produzieren und auszuliefern. Mit Engagement, Flexibilität und enormem Mehraufwand, um das höchste Maß an Sicherheit zu gewährleisten, bringt Manner damit weiterhin kleine süße Freuden in den Alltag. Unser Dank gilt dabei den Manner-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern, die unter diesen herausfordernden Umständen alles geben, um die Produktion sicherzustellen und den Arbeitsalltag meistern. Um diesen Dank auch nach außen sichtbar zu machen, haben wir einen TV-Spot produziert, der eben diesen ausdrückt: Manner sagt Danke.


Wie ist Ihr persönlicher Ausblick für die Zeit nach COVID-19?

Alfred Schrott: Wir sehen, welche Herausforderungen die Manner-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter in dieser Zeit gemeinsam gemeistert haben und sehen daher sehr zuversichtlich in die Zukunft und die Zeit nach COVID-19.

Mag. Peter Buchauer

Geschäftsführer der Felix Austria GmbH
 

Foto: Andi Bruckner

Herr Buchauer, was bedeutet die Coronakrise für Felix Austria? Was waren und sind die größten Herausforderungen?

Peter Buchauer: Unsere Zielsetzung war immer, die Warenversorgung sicherzustellen. Da wir mit FELIX Sugo und den FELIX Fertiggerichten in zwei Segmenten tätig sind, die in den ersten Tagen der Coronakrise eine immens hohe Nachfrage hatten, war dies eine große Herausforderung. Wir haben die Produktion sofort umgestellt und erhöht. Selbstverständlich wurden auch die ohnehin schon sehr hohen Hygienestandards noch erweitert (Fiebermessung am Eingang zum Werksgelände, Atemschutzmasken etc.).

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben alle voll mitgezogen und allen Widerständen wie Beschaffungsschwierigkeiten und Grenzproblematik – sowohl für die Mitarbeiter, die nach Ungarn pendeln, als auch bei der Rohwarenbeschaffung – getrotzt. Somit ist es dann auch gelungen, unsere Handelspartner ohne größere Lieferunterbrechungen zu versorgen.

Im Moment ist der Einbruch des Gastronomiegeschäftes – das bei uns einen Teil des Geschäftes ausmacht – eine große Herausforderung. Aber durch unsere starken Marken und die Vielfalt unseres Angebotes in Kombination mit den Möglichkeiten, die unsere Bundesregierung anbietet, werden wir hier gut weiterkommen.


Wie haben Sie die Krise bisher gemeistert? Worauf sind Sie besonders stolz?

Peter Buchauer: Bisher haben wir diese außergewöhnliche Situation sehr gut gemeistert. Durch einen herausragenden Einsatz aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es uns gelungen, die Warenversorgung auch im gewünschten Ausmaß sicherzustellen. Gleichzeitig haben wir rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Homeoffice. Auch das funktioniert gut. Somit können wir unser Geschäft fast wie gewohnt weiterführen. Auch die Kooperationen, sowohl mit unseren Handelspartnern, als auch mit unseren Partnern im Roh- und Packstoffbereich, funktionieren gut. Hier zeigt sich, dass man auch in schwierigen Zeiten mit guten Partnerschaften toll arbeiten kann.


Wie ist Ihr persönlicher Ausblick für die Zeit nach COVID-19?

Peter Buchauer: Diese Krise hat gezeigt, wie wertvoll die Lebensmittelwirtschaft für Österreich ist. Auch wie bedeutend es ist, dass wir die Entscheidungszentren hier in Österreich haben. Deshalb ist es wichtig, Rahmenbedingungen zu schaffen, die sicherstellen, dass wir das auch künftig haben. Dazu gehören entsprechende Rahmenbedingungen für unsere Landwirtschaft, faire Preise für die Produzenten und optimal wäre auch die Unterstützung des Handels hier. Die Unterstützung der Bundesregierung war meiner Meinung nach sehr gut. Ich hoffe nur, dass wir die Bedeutung unserer Lebensmittel und die damit verbundene Versorgungssicherheit nach der Krise nicht wieder vergessen.

Thomas Schmiedbauer

Geschäftsführer der Wiesbauer Österreichische Wurstspezialitäten GmbH
 

Thomas Schmiedbauer, Geschäftsführer von Wiesbauer, im Interview.

Foto: Wiesbauer

Herr Schmiedbauer, was bedeutet die Coronakrise für Wiesbauer? Was waren und sind die größten Herausforderungen?

Thomas Schmiedbauer: Aufgrund der Coronakrise haben wir in unseren Produktionsbetrieben sehr viele strukturelle Maßnahmen umgesetzt. Wie zum Beispiel: Keine Fremdfirma und kein Fremdpersonal betritt das Unternehmen, Desinfektion der Hände in jedem Eintrittsbereich einer Abteilung, insbesondere bevor das Unternehmen betreten wird, ein bis zwei Meter Abstand an allen Arbeitsplätzen, Pausenzeiten wurden auseinandergezogen, um weniger Personen in einen Raum zu haben und die Sitzplätze wurden dem Ein-Meter-Abstand angepasst. Schutzmasken hatten wir bereits in einigen Abteilungen in Verwendung, seit vier Wochen nun in allen Abteilungen (Wiesbauer benötigt in einer Woche rund 6.000 Masken).

Der Absatz war in den ersten Wochen vier bis fünf Mal höher und hat sich nun auf ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem normalen Absatz eingependelt. Aufgrund der Maßnahmen und der massiven Überstunden und Mehrschichtarbeiten ist der Mehrumsatz für uns auch mit massiven Mehrkosten verbunden. Aber wir sind dadurch imstande, die Versorgung zu gewährleisten.

Unser Gastronomie-Unternehmen Wiesbauer Gourmet ist hingegen mit dem gesamten Absatz eingebrochen, von täglichen 3.000 auf derzeit 30 bis 50 Bestellungen. Dort steht fast die gesamte Produktion und viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten auf Kurzarbeit gehen – auch die gesamte Geschäftsleitung. Einige Beschäftigte konnten wir bei Wiesbauer Wien in der Produktion einsetzen. Die weitreichenden, drastischen Folgen – auch wenn die Gastronomie wieder aufsperrt – können wir derzeit für das Gastrounternehmen nicht abschätzen. Etwas mehr Umsatz bei Wiesbauer Gourmet machen wir aktuell im Online Shop sowie in unserem Abholmarkt, jedoch ist dies nicht annähernd für ein Hochfahren des Betriebes ausreichend.


Wie haben Sie die Krise bisher gemeistert? Worauf sind Sie besonders stolz?

Thomas Schmiedbauer: Wir konnten die von einem auf den anderen Tag extrem hohen bestellten Mengen ausliefern und auch sofort Alternativprodukte für unsere Kunden anbieten. Der Einsatz und die Leistung jeder einzelnen Mitarbeiterin und jedes einzelnen Mitarbeiters ist nicht in Worten auszudrücken. Sie waren trotz Ängsten, Müdigkeit und Dauereinsatz anstandslos zur Stelle und haben auch die permanent geänderten Rahmenbedingungen in der Produktion jeweils sofort umgesetzt.


Wie ist Ihr persönlicher Ausblick für die Zeit nach COVID-19?

Thomas Schmiedbauer: Im Gastrobereich wird es mindestens bis Ende des Jahres dauern, bis wir eventuell annähernd an den Absätzen der Vergangenheit anschließen können. Der Tourismus in Wien wird für Monate nicht vorhanden sein. In unseren Wurstproduktionsbetrieben bleibt die Hoffnung, dass unsere Partner wieder Wertschätzung für die Lebensmittel zeigen, die tägliche Leistung wieder mehr honorieren und dass auch der gemeinsame Umgang entsprechend dieser Leistungen ist.

Wir hoffen, dass wir die zugesagten Unterstützungen der Regierung, vor allem in unserem Gastrounternehmen, tatsächlich erhalten. Aufgrund der guten Erfahrung mit Besprechungen über Skype, FaceTime, WhatsApp usw. oder auch mit Homeoffice-Tätigkeiten wird sich vor allem im Verwaltungsbereich eine gewisse positive Bewegung einstellen.

Mag. Erwin Kotányi

Geschäftsführer der Kotányi GmbH

 

Foto: Kotányi

Herr Kotányi, was bedeutet die Coronakrise für Kotányi? Was waren und sind die größten Herausforderungen?

Erwin Kotányi: Wir haben uns auf diese Situation sehr gut vorbereitet und europaweit eine gut funktionierende Infrastruktur mit Homeoffice für sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung aufgestellt. Für die Beschäftigten in der Produktion und im Lager wurden natürlich sämtliche Schutzmaßnahmen vor Ort getroffen. Es sind gerade diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit ganz neuen Verhaltensregeln während der gesamten Arbeitszeit umgehen und Ihre natürlichen Verhaltensweisen am Arbeitsplatz eintauschen müssen – wie zum Beispiel die gewohnte Kommunikation gegen zwei Meter Abstand und das Tragen einer Maske. Wir haben ganz besonders ihnen unsere Wertschätzung mit einem persönlichen und finanziellen Dankeschön vermittelt.

Auf der Marktseite werden wir die katastrophale Lage im Tourismus noch lange in unserem Gastronomiegeschäft spüren. Die Sicherstellung der Versorgung erfordert eine hohe Lagerhaltung und teure Zukäufe in Europa, da die Gewürze aus manchen Ländern, wie China oder Indien, derzeit von einem „Shutdown“ betroffen sind und teilweise nur schleppend angeliefert werden. Wir sind aber zuversichtlich, durch das weiterhin vorausschauende Agieren der Einkaufsabteilung, die Lage im Griff zu behalten.


Wie haben Sie die Krise bisher gemeistert? Worauf sind Sie besonders stolz?

Erwin Kotányi: Dank unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in dieser Zeit Außergewöhnliches leisten und eine für mich beeindruckend hohe Loyalität zeigen, haben wir unsere Verpflichtungen als systemerhaltender Betrieb bisher sehr gut erfüllt. Ausnahmslos alle sind bereit, die Arbeitsplatzregeln dieser Zeit zu leben, worauf wir sehr stolz sind.


Wie ist Ihr persönlicher Ausblick für die Zeit nach COVID-19?

Erwin Kotányi: Mit der Annahme einer Normalisierung und Beruhigung des Arbeitsmarkts in absehbarer Zeit, hoffen wir unser Geschäft – mit Ausnahme der Gastronomie, die noch länger betroffen sein wird – in gewohnt erfolgreicher Weise weiterführen zu können. Und vielleicht bekommt in Zukunft das Kochen zuhause in der Familie einen höheren Stellenwert.

Mag. Florian Rauch

Geschäftsführer der VFI GmbH – Oils for Life

Foto: VFI

Herr Rauch, was bedeutet die Coronakrise für die VFI? Was waren und sind die größten Herausforderungen?

Florian Rauch: Eine der größten Herausforderungen ist die verschobene Nachfrage, hin zum Haushalt und weg von der Gastronomie. Weitere große Herausforderungen sind die Vermeidung von Ansteckungen durch ein Verdünnen der Schichten, die Einführung von Zeitabständen zwischen den Schichten sowie die komplexen arbeitsrechtlichen Themen, die dadurch und durch die Kurzarbeitsregelungen entstehen.


Wie haben Sie die Krise bisher gemeistert? Worauf sind Sie besonders stolz?

Florian Rauch: Dass wir rasch und zielgerichtet gehandelt haben. Das Vertrauen zwischen Management und Belegschaftsvertretung wurde auf ein neues Niveau gehoben.


Wie ist Ihr persönlicher Ausblick für die Zeit nach COVID-19?

Florian Rauch: Es wird lange dauern, bis wir wieder Normalität erreichen. Für unser Unternehmen ist der negative Einfluss gering. Aber für die ganze Volkswirtschaft wird er erheblich sein, weil es lange dauern wird, bis sich wieder ein gutes und vertrauensvolles Lebensgefühl einstellt.

  • Statements von Branchenvertretern (April 2020)