Ein Experte kontrolliert die Qualität von Lebensmitteln.

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Lebensmittel

Rückverfolgung: Auf den Spuren Ihrer Speisen

Wo kommt ein Lebensmittel her und wo geht es hin? Um das zu beantworten, sind Produkte und Zutaten in der EU entlang der gesamten Lebensmittelkette rückverfolgbar. Das erleichtert den Rückruf von Waren und die rasche Reaktion in Krisenfällen.

Stellen Sie sich eine Mahlzeit wie Spaghetti mit Tomatensugo vor: Alleine die Sauce besteht aus zahlreichen Zutaten – von Tomaten und Zwiebeln über Olivenöl bis hin zu verschiedenen Kräutern und Gewürzen. Woher stammen die Rohwaren? Wann und wo wurden sie weiterverarbeitet? Und welche Betriebe waren daran beteiligt? Um diese Fragen zu beantworten, führen alle Unternehmen der Lebensmittelkette genau Buch.

Lückenlose Aufzeichnung aller Schritte

Jeder Betrieb muss nachweisen können, von wem er seine Waren bekommt und an wen er seine Erzeugnisse liefert. Dadurch lässt sich der Weg eines Lebensmittels und seiner Zutaten auf allen Produktions-, Verarbeitungs- und Vertriebsstufen durchgehend nachvollziehen. Das bringt Sicherheit für Sie als Konsumentin oder Konsument: Ist ein Lebensmittel beispielsweise verunreinigt, so lässt sich nachvollziehen, an welcher Stelle dies passiert ist. Dadurch können gesundheitsschädliche Lebensmittel schnell und gezielt vom Markt genommen werden. Dank der genauen Ursachenermittlung lässt sich ein möglicher Schaden zudem leichter begrenzen.

Mindesthaltbarkeitsdatum oder Losnummer zur Identifikation

Rückverfolgt wird in der Regel eine Charge: Das sind Produkte, die in einem definierten Arbeitsgang gemeinsam hergestellt wurden – etwa aus einer Menge Teig gebackene Brote oder Produktionseinheiten innerhalb eines bestimmten Zeitraums wie zum Beispiel einer Stunde. Zur Identifikation der Charge dient unter anderem das Mindesthaltbarkeitsdatum oder die sogenannte Losnummer. Ist auf der Verpackung kein Mindesthaltbarkeitsdatum nach Tag und Monat oder kein Verbrauchsdatum angegeben, bekommt jeder Teil der Charge die gleiche Loskennzeichnung. Diese umfasst Ziffern, Buchstaben oder eine Kombination aus beidem. Der Losnummer geht der Buchstabe „L“ voraus, es sei denn, sie unterscheidet sich deutlich von anderen Angaben.

Vorlieferant und Abnehmer wird dokumentiert

Jeder Betrieb – also Landwirt, Importeur, Transporteur, Verarbeiter oder Lebensmittelhändler – muss  den unmittelbaren Vorlieferanten und den unmittelbaren Abnehmer seiner Ware dokumentieren. Seit 2005 ist dies in allen Mitgliedsländern der EU für die Unternehmen der Lebensmittelkette verpflichtend (EG-Basisverordnung Nr. 178/2002). Diese Vorgabe betrifft nicht nur die Lebensmittel selbst, sondern auch alle Produkte, die damit in Kontakt kommen, wie Verpackungen. Ausgefeilte Systeme und moderne Informationstechnologien sichern die lückenlose Rückverfolgung ab.

Woher kommt der Pfeffer im Tomatensugo?

Der Weg jeder einzelnen Zutat eines Lebensmittels muss nachvollziehbar sein. Das gilt beispielsweise auch für die Bestandteile einer Gewürzmischung im Tomatensugo. Viele Gewürze werden aus der ganzen Welt bezogen, da sie in Österreich nicht wachsen oder nicht in ausreichender Menge vorhanden sind. Pfeffer wächst vor allem in Indien, Indonesien, Vietnam und Brasilien, Knoblauch wird vielfach in den USA, China und Südeuropa angebaut. Der Lebensmittelhersteller muss genau wissen, von welchem Betrieb er seine Gewürze bezieht – selbst wenn diese nur in äußerst geringer Menge im Produkt selbst vorkommen. Und er muss angeben können, an wen er das verarbeitete Tomatensugo geliefert hat.

Die Verfolgung von Lebensmitteln und ihren Zutaten endet an der Kasse im Lebensmitteleinzelhandel. Hat ein nicht sicheres Lebensmittel bereits die Verbraucherinnen und Verbraucher erreicht, muss es öffentlich zurückgerufen werden. Das geschieht über die Medien. Auch im Handelsgeschäft finden Sie am Regal und im Kassenbereich Informationen, wenn ein Produkt zurückgerufen werden muss.

Was tun, wenn ein nicht sicheres Produkt im Umlauf ist?

In diesem Fall müssen die Lebensmittelunternehmer für einen umgehenden Rückruf des Produkts sorgen und die Behörde informieren. Auf der Internetplattform Produktwarnungen & Produktrückrufe der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) finden Sie öffentliche Warnungen und Informationen von Herstellern und Behörden.

Wenn Sie sich das nächste Mal ein würziges Sugo zu Ihren Spaghetti schmecken lassen, können Sie sicher sein, dass der Weg jeder Zutat genau dokumentiert wurde – von der Aussaat der Pflanzen am Beginn der Lebensmittelkette über die Verarbeitung der Rohware bis zur Anlieferung des fertigen Produkts im Geschäft.

  • Die wichtigsten Aspekte der Lebensmittelsicherheit. Herausgegeben vom deutschen Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) (Januar 2016)
  • Smart Food Choice. Einkauf leicht gemacht. Herausgegeben vom forum. ernährung heute (2013)