Lebensmittelverpackungen wie PET-Flaschen können über die gelbe Tonne oder den gelben Sack dem Stoffkreislauf zurückgeführt werden.

Foto: Andi Bruckner (für PET to PET Recycling Österreich GmbH)

Verantwortung

Sammeln, sortieren, recyceln: Nachhaltige Verpackungen

Rohstoffe im Kreislauf halten, Ressourcen effizient nutzen und das Klima schützen: Diese Ziele verfolgt das EU-Kreislauf­wirtschafts­paket. Was das für das Recycling von Lebensmittel­verpackungen in Öster­reich bedeutet, lesen Sie hier.

Vom Mehrweg-Glas bis zum Fleece-Pullover aus dem Material gesammelter PET-Flaschen: Lebensmittel- und Getränkeverpackungen im Stoffkreislauf zu halten, wird immer wichtiger. Weltweit werden immer mehr Ressourcen verbraucht, gleichzeitig steigt die Müllmenge. Ein Ansatz, um die Grundlagen unseres Lebens und Wirtschaftens zu erhalten, ist die Kreislaufwirtschaft: Werden mehr Primärrohstoffe – wie Glas, Metall oder Kunststoff – im Stoffkreislauf gehalten, sinkt der Ressourcenverbrauch und potenzielle Abfälle werden sinnvoll verwertet.

Kurz erklärt: Was ist Kreislaufwirtschaft?

Die Kreislaufwirtschaft (auch: Circular Economy) ist ein regeneratives System von Produktion und Verbrauch. Der Grundgedanke: Hat ein Produkt das Ende seiner Lebensdauer erreicht, so bleiben die Ressourcen und Materialien so lang wie möglich in einem geschlossenen Stoffkreislauf erhalten. Dabei kommt dem Recycling von Gütern eine Schlüsselfunktion zu. Durch die Kreislaufwirtschaft werden Rohstoffe bestmöglich genutzt und Abfälle reduziert.

Neue weltweite und europäische Vorgaben

Bereits die 2015 verabschiedeten Sustainable Development Goals der UN peilten den Übergang von einer Linear- zu einer Kreislaufwirtschaft an. Seit Juli 2018 ist das EU-Kreislaufwirtschaftspaket in Kraft. Es baut auf verschiedenen Rechtsvorschriften auf – darunter der EU-Abfallrahmenrichtlinie und der EU-Verpackungsrichtlinie. Ziel dieses Pakets ist, die Europäische Union bis 2030 zu einer Kreislaufwirtschaft zu machen. Der Aktionsplan umfasst 54 Maßnahmenfelder, von der Produktgestaltung bis zur Entsorgung und Verwertung von Verpackungen.

Im Frühjahr 2019 trat zusätzlich die EU-Einwegkunststoff-Richtlinie (Single-Use Plastics Directive, SUP) in Kraft. Sie soll die Meere schützen, Littering vermeiden helfen und hochwertiges Kunststoffrecycling fördern. Am weitreichendsten sind die Vorgaben für Kunststoffverpackungen. Darüber hinaus wurden auch zahlreiche andere Einwegkunststoffprodukte – von Trinkhalmen bis zu Wattestäbchen – einbezogen.

Videotipp: Reparieren, wiederverwenden und recyceln

Fünf Tonnen Abfall pro Person und Jahr: Dieses Video des Europäischen Parlaments zeigt, warum die Kreislaufwirtschaft wichtig ist. Video: Europäisches Parlament

Kreislaufwirtschaft und Recycling in Österreich

Die neuen EU-Vorgaben müssen innerhalb von zwei Jahren in österreichisches Recht umgesetzt werden. Derzeit ist die Umsetzung bis Mitte 2020 geplant. Schon heute liegt unser Land in Sachen Abfallwirtschaft und Recycling im EU-Spitzenfeld: So sparen wir in Österreich durch Verpackungsrecycling jährlich an die 700.000 Tonnen CO₂-Äquivalente ein. Für die Packstoffe Papier, Glas und Metall erfüllen wir bereits die neuen EU-Ziele für 2025 und sind auf einem guten Weg für 2030.

Nachholbedarf gibt es vor allem bei Kunststoffverpackungen – aktuell wird erst ein Viertel recycelt. Um das EU-Ziel einer 50-Prozent-Recyclingquote bis 2025 zu erfüllen, muss der Verwertungsanteil in Österreich in den kommenden fünf Jahren verdoppelt werden. Zusätzlich ist bei getrennt gesammelten PET-Getränkeflaschen 2025 erstmals eine eigene Quote von 77 Prozent zu erreichen. Diese Herausforderung lässt sich meistern, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen – Verpackungs- und Lebensmittelhersteller, Handel und Bevölkerung, Entsorgungswirtschaft und Gemeinden ebenso wie Verwaltung und Forschung.

EU-Recyclingziele und Ist-Stand Österreich 2017

Material

Österreich:

Recyclingquote 2017

EU:

Recyclingquote 2025

EU:

Recyclingquote 2030

Alle Verpackungen

66 %

65 % (erfüllt)

70 %

Papier

85 %

75 % (erfüllt)

85 % (erfüllt)

Glas

84 %

70 % (erfüllt)

75 % (erfüllt)

Metalle

86 %

Fe-Metall: 70 % (erfüllt)

Alu: 60 % (erfüllt)

Re-Metall: 80 % (erfüllt)

Alu: 60 % (erfüllt)

Kunststoffe

25 %

50 %

55 %

Bei den Packstoffen Papier, Glas und Metall ist Österreich im EU-Vergleich bereits auf einem guten Weg. Bei Kunststoff muss die Recyclingquote noch erhöht werden. Quelle: Altstoff Recycling Austria AG (ARA): Rohstoff Kunststoff (September 2019)

Der Kreislauf: Vom Rohstoff bis zur Wiederverwendung oder Verwertung

Ein ganzheitlicher Kreislauf betrifft die gesamte Wertschöpfungskette einer Lebensmittelverpackung: von der Gewinnung des Rohstoffs über das Produktdesign und den Gebrauch bis zur weiteren Verwendung des Produkts oder zur Verwertung seiner Werkstoffe. Durch Recycling wird aus Abfall ein wertvoller Sekundärrohstoff. Die dadurch entstehenden Erzeugnisse, Materialien oder Stoffe werden entweder wieder für den ursprünglichen Zweck oder für neue Bereiche eingesetzt.

Die weitere Verwendung einer Verpackung gilt als Produktrecycling im umfassenden Sinn: Dabei wird die Gestalt des Produkts und damit seine Wertschöpfung beibehalten. Wiederverwendung bedeutet, dass die Verpackung an anderer Stelle nochmals verwendet wird. Ein Beispiel: Eine Mehrweg-Glasflasche für Getränke wird nach dem Gebrauch zurückgegeben, gereinigt und wiederum als Getränkeflasche genutzt. Weiterverwendung heißt hingegen, dass das Produkt nach seinem Gebrauch für einen anderen Zweck eingesetzt wird. Zum Beispiel wird die Dose von der Verpackung eines Lebensmittels zum Aufbewahrungsgefäß im Haushalt.

Die Verwertung der Werkstoffe einer Verpackung

Bei der Verwertung einer Verpackung (auch: „Materialrecycling“) werden das Material oder Teile davon als Wertstoff genutzt. Wiederverwertung bedeutet: Die Werkstoffe werden erneut für den gleichen Zweck eingesetzt. Ein Beispiel sind Einweg-Flaschen aus Glas: Das getrennt gesammelte, gereinigte und sortierte Glas wird eingeschmolzen, daraus werden neue Glasflaschen hergestellt. Bei der Weiterverwertung wird das aufbereitete Material für einen anderen als den ursprünglichen Zweck eingesetzt. Beispiele sind die Nutzung von Papierabfällen für die Herstellung von Wellpappe oder der Einsatz von PET-Flakes oder
-Granulat für neue Fleece-Pullover.

Österreich zählt beim Recycling von Wertstoffen zu den Vorreitern in der EU. Maßgeblich dafür ist das österreichische Sammelsystem für Verpackungen. Mehr als eine Million Tonnen Verpackungen und Altpapier werden getrennt gesammelt. Rund 90 Prozent der Verpackungsabfälle werden stofflich verwertet und wieder zu neuen Produkten verarbeitet. Der Rest wird als wertvoller Brennstoff für die Industrie verwendet oder für die Versorgung mit Fernwärme genutzt. Die getrennte Sammlung und Verwertung von Verpackungen, Elektroaltgeräten und Batterien trägt wesentlich zum Klimaschutz und zur Entlastung der Umwelt bei. Durch die Verwendung von Papier-, Glas-, Leicht- und Metallverpackungen als Sekundärrohstoff wie auch die die Nutzung von Verpackungsabfällen als Sekundärenergieträger reduziert sich der CO2-Ausstoß jährlich um fast 700.000 Tonnen.

Auch PET-Flaschen werden über die Sammelsysteme getrennt gesammelt und wieder in den Stoffkreislauf zurückgeführt. In Recyclinganlagen wie zum Beispiel PET to PET im Burgenland wird aus alten PET-Flaschen der Rohstoff für neue hergestellt.

Videotipp: Kreislauf der PET-Flasche

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Wertvoller Sekundärrohstoff: In der PET-to-PET-Recyclinganlage im Burgenland wird jährlich über eine Milliarde PET-Flaschen recycelt. Video: Vöslauer

Doch auch abseits des „Siedlungsmülls“ ist die Rückführung von Stoffen in den Kreislauf wichtig. Der erste von „Circle Economy“ im Auftrag der Altstoff Recycling Austria AG (ARA) erstellte Circularity Gap Report Austria vom Juni 2019 zeigt: Erst 10 Prozent unseres gesamten Ressourcenverbrauchs (Metalle, Mineralstoffe, Biomasse und fossile Energieträger) werden durch Recyclingrohstoffe gedeckt.