Sabine Brandl, Vorständin der Josef Manner & Comp. AG, im Interview.

Foto: Manner

Menschen

Manner: Rosa Frauen-Power

Welche Pläne hat Manner im neuen Jahr? Welchen Stellenwert haben Innovationen? Und wie steht es um den Export? Darüber sprach DIE ERNÄHRUNG mit Sabine Brandl, Vorständin der Josef Manner & Comp. AG.

Was waren die größten Erfolge, was die größten Herausforderungen für Manner im vergangenen Jahr?

Sabine Brandl: Manner ist mit der Entwicklung 2023 zufrieden. Trotz sehr herausfordernder Zeiten haben wir unsere Ziele erreicht. 2023 haben wir unser ERP (Enterprise Resource Planning)-System auf SAP umgestellt und das ohne Lieferausfälle gut implementiert. Wir müssen natürlich noch feinjustieren, aber die Umstellung ist sehr gut über die Bühne gegangen. 2023 lag der Schwerpunkt mit unseren Marken generell auf Komplexitätsreduktion. Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten ist es wichtig, sich in sämtlichen Bereichen gut aufzustellen. Unsere Sortimente sind jährlich gewachsen, die Sortimentsoptimierung ist hier eine gute Möglichkeit, Komplexität herauszunehmen.


Welche Erwartungen haben Sie an das Jahr 2024?

Brandl: Etwas mehr Planungssicherheit und dass notwendige Agilität im Arbeitsalltag ankommt. Wir hatten die letzten Jahre zahlreiche Herausforderungen. Ich wünsche uns als Unternehmen, dass wir auch kurz innehalten und stolz auf das Erreichte sein können.


Welche Ziele wollen Sie erreichen – persönlich und mit Manner?

Brandl: Persönlich freue ich mich natürlich sehr über die Bestellung zur Vorständin für Vertrieb, Marketing und HR mit 1. Jänner 2024. Ich bin mit Unterbrechungen seit über acht Jahren bei Manner – das ist für mich ein enorm schönes Zeichen der Anerkennung meiner Arbeit. Mit meinem engagierten Team möchte ich in den nächsten Jahren den Fokus auf die Stärkung der operativen Exzellenz im Vertrieb setzen, für mehr Sichtbarkeit unserer tollen Marken sorgen und im Personalbereich den Schwerpunkt auf „talent management“ setzen. Nachhaltigkeit ist ebenfalls in meiner Verantwortung, hier gilt es für die nächsten Jahre strategische Weichen zu stellen, um Manner fit für die Zukunft zu machen.

Nachhaltigkeit ist ebenfalls in meiner Verantwortung, hier gilt es für die nächsten Jahre strategische Weichen zu stellen, um Manner fit für die Zukunft zu machen.

Sabine Brandl, Vorständin der Josef Manner & Comp. AG

Stichwort Nachhaltigkeit: Welche Maßnahmen haben Sie gesetzt und was wird noch kommen?

Brandl: Nachhaltigkeit liegt uns als Unternehmen am Herzen. Wir setzen seit 2020 ausschließlich zertifizierten Kakao in unserer Produktion ein. Gerade haben wir mit dem Casali Rum-­Kokos Sortiment die letzte große Range auf Fairtrade Kakao umgestellt. Wir sind somit der größte Kakao-Partner von Fairtrade in Österreich.

Aber auch unsere Manner Haselnussfarm in Aserbaidschan ist für uns eine Möglichkeit, neben Versorgungssicherheit und Preisstabilität auf nachhaltigen Anbau zu setzen. Mit unserer Photovoltaik-Anlage im Werk Wolkersdorf und der Nutzung der Abwärme im Fernwärmenetz in Wien schaffen wir es auch an unseren Produktionsstandorten, nachhaltige Konzepte zu implementieren.

Nachhaltigkeit liegt uns als Unternehmen am Herzen. Wir setzen seit 2020 ausschließlich zertifizierten Kakao in unserer Produktion ein.

Sabine Brandl, Vorständin der Josef Manner & Comp. AG


Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie in diesem Jahr für das Unternehmen?

Brandl: Vor allem im ESG (Environmental, Social und Governance)-Bereich sind bereits zahlreiche Verordnungen auf uns zugekommen oder stehen in den Startlöchern. Als Aktiengesellschaft haben wir 2023 begonnen, uns auf die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) vorzubereiten.

Aber auch die Umsetzung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes sowie zahlreiche weitere Verordnungen wie etwa die Entwaldungsverordnung bedeuten einen administrativen Mehraufwand und sind herausfordernd – gerade für unsere Unternehmensform und Größe.


Wie haben sich die Märkte und die Exportquote entwickelt?

Brandl: Unsere Exportquote ist mit rund 60 Prozent auf einem stabilen und guten Kurs. Unser größter Exportmarkt ist Deutschland, in Köln haben wir eine eigene Vertriebsniederlassung. Auch in Slowenien und Tschechien sind wir mit eigenen Vertriebsbüros sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Markt aktiv. Die restlichen Exportmärkte werden über unsere Distributoren betreut.


Welchen Stellenwert haben Innovationen für Manner?

Brandl: Innovationen sind Jungbrunnen der Marke und halten sie frisch und attraktiv. Saisonale Waffelprodukte wie das Manner Sommer- oder Winterglück beleben das gesamte Sortiment. Aber auch unser Casali Shot of the Year, 2024 in der Sorte „Cuba Libre“ oder das Dragee Keksi des Jahres „Dream Team“ sind Beispiele für Innovationen, die für unsere traditionellen Marken wichtig sind.

Wir bringen 2024 außerdem ein komplett überarbeitetes Eis-Waffel Sortiment. Sowohl das Produktsortiment als auch das Design wurde optimiert, um die Bedürfnisse unserer Konsumentinnen und Konsumenten noch besser zu bedienen. Ein guter Mix aus Klassikern und Innovationen sowie ein zeitgemäßer Markenauftritt machen die Marke attraktiv.

Innovationen sind Jungbrunnen der Marke und halten sie frisch und attraktiv. Saisonale Waffelprodukte wie das Manner Sommer- oder Winterglück beleben das gesamte Sortiment.

Sabine Brandl, Vorständin der Josef Manner & Comp. AG

Sie haben sich stark im Sportsponsoring engagiert – Stichwort Skispringen und die rosa Helme. Wie wirkt sich das auf die Marke aus?

Brandl: Mit unserem erfolgreichen Skisprung-Sponsoring schaffen wir es, die Emotionen des Sports auf die Attribute der Marke zu projizieren. Wir sponsern bemerkenswerte Athletinnen und Athleten wie etwa Stefan Kraft, der zurzeit einen absoluten Höhenflug hat. Aber auch bei Skisprung-Events wie letztes Jahr bei der Weltmeisterschaft in Planica und auch bei der Weltmeisterschaft 2025 in Trondheim sind wir mit viel „rosa“ und unserer aufblasbaren Mannerschnitte an der Schanze dabei.


Werbeverbote sind immer wieder im Gespräch – besonders Zucker, Fett und Salz sind im Visier. Neuerdings wird speziell Werbung an Kinder und über Influencer in Frage gestellt. Wie stehen Sie dazu?

Brandl: Werbeverbote wären nicht nur im Sponsoring ein Schritt in die falsche Richtung. Manner hält sich seit Jahren an die Selbstverpflichtung der Werbewirtschaft, mit unseren Aktivitäten sprechen wir die Zielgruppe Kinder nicht an. Gerade das Sportsponsoring ist hier auch eine Möglichkeit, einen aktiven Lebensstil in den Fokus zu rücken. Werbeverbote halte ich für nicht zielführend – im Gegenteil, sie gefährden Arbeitsplätze.


Wie steht es um Arbeitskräfte? Finden Sie genügend qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Brandl: Der Mangel an Personal ist auch bei uns ein aktuelles Thema. Mit zahlreichen Benefits, Fokus auf Lehrlingsausbildung – aktuell haben wir 18 Lehrlinge – und gefragten Zeitmodellen präsentieren wir uns als attraktiver Arbeitgeber. Darüber hinaus helfen auch die Strahlkraft der Marke sowie die öffentlich gut erreichbaren Produktionsstandorte.


Welche Vor- und welche Nachteile sehen Sie beim Standort Österreich?

Brandl: Manner ist mit Österreich verbunden. Wir produzieren ausschließlich in Österreich und haben auch „Manner Wien“ als Brand. Mit unserer innerstädtischen Produktion haben wir den großen Vorteil, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen können und wir die Nähe zu Universitäten und Bildungsstätten haben. Nachteile sind die hohen Lohn-/Nebenkosten sowie die Tendenz des österreichischen „Gold Plating“. Einheitliche Spielregeln innerhalb der EU sind entscheidend für den Erfolg unseres Unternehmens und sichern Arbeitsplätze. 


Was ist Ihr Lieblingsessen?

Brandl: Die Grammelknödel und der selbstgezogene Heidelbeerstrudel meiner Mama nach Original-Rezepten meiner Oma.

 

Weitere Informationen zum Unternehmen: Manner

Über Sabine Brandl

Sabine Brandl MBA MSc ist seit dem 1. Jänner 2024 Vorständin für Vertrieb, Marketing und HR der Josef Manner & Comp. AG. Sie verantwortet außerdem die Bereiche Nachhaltigkeit, Unternehmenskommunikation sowie Produktentwicklung. Brandl startete ihre berufliche Laufbahn im Controlling, schlug dann aber eine andere Richtung ein. Sie war in Unternehmen wie Eduscho, Ankerbrot, Kelly, Agrana und Bahlsen tätig. Von 2010 bis 2015 war sie bereits als Sales Director Österreich für den nationalen Vertrieb bei Manner verantwortlich, interimistisch auch für die Leitung des Exportgeschäfts in Deutschland. Vor ihrer Rückkehr 2022 zu Manner als CSO (Chief Sales Officer) war sie Co-Founderin des Start-up Unternehmens Leadbacker.

  • Dieses gekürzte Interview stammt aus der Fachzeitschrift DIE ERNÄHRUNG, Volume 48, 01.2024. Die sechsmal jährlich erscheinende Fachzeitschrift informiert über aktuelle Entwicklungen bei Lebensmitteln in den Bereichen Wissenschaft, Recht, Technologie und Wirtschaft. Das gesamte Gespräch sowie Informationen zum Abo finden Sie hier: ernaehrung-nutrition.at
Essen Sie informiert! Read Email A line styled icon from Orion Icon Library.