DI Herbert Schlossnikl, Geschäftsführer der Vöslauer Mineralwasser GmbH

Foto: Vöslauer Mineralwasser GmbH

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„Sowohl PET als auch Glas hat Be­rechti­gung“

Was ist besonders an natür­lichem Mineral­wasser? Was zeichnet das österreichische Sammel­system aus? Und warum ist es falsch, Plastik zu verdammen? Herbert Schlossnikl, Obmann und Sprecher des Forum Natürliches Mineral­wasser im Gespräch.

Herr Schlossnikl, als Obmann des Forum Natürliches Mineralwasser setzen Sie sich mit Trends am Mineralwassermarkt auseinander. Welche aktuellen Entwicklungen sehen Sie?

Herbert Schlossnikl: Wir erleben gerade zweierlei: Zum einen greifen Konsumentinnen und Konsumenten verstärkt zu Mineralwasser mit weniger oder ohne Kohlensäure. Im Jahr 2018 machten diese beiden Produktgruppen zusammen bereits 42 Prozent des Absatzes aus. Vor allem bei der jüngeren Zielgruppe geht der Trend zum Wasser ohne Kohlensäure. Zum anderen ist Mineralwasser „to go“ in kleinen und leichten Flaschen für unterwegs sehr gefragt.

Allein in Österreich gibt es 30 anerkannte Mineralwässer. Was zeichnet natürliches Mineralwasser aus heimischen Quellen im Vergleich zu Leitungswasser aus?

Schlossnikl: Natürliches Mineralwasser ist das bestkontrollierte Lebensmittel, das wir in Österreich haben. Es ist natürlich rein und darf nicht weiter behandelt werden. Wenn ich das mit Leitungswasser vergleiche, das aufgrund der Leitungswege mit einer Ozon- oder Chlorbehandlung hygienisch einwandfrei gemacht werden muss, so ist Mineralwasser ursprünglich rein. Es wird von der Quelle, aus der es heraussprudelt, direkt in die Flasche abgefüllt. Dazu kommt, dass jedes Wasser seine ganz spezielle Mineralisierung hat.

Natürliches Mineralwasser ist das bestkontrollierte Lebensmittel, das wir in Österreich haben. Es wird von der Quelle, aus der es heraussprudelt, direkt in die Flasche abgefüllt. Dazu kommt, dass jedes Wasser seine ganz spezielle Mineralisierung hat.

Herbert Schlossnikl, Obmann und Sprecher des Forum Natürliches Mineralwasser

Unter anderem beeinflusst der Gehalt an unterschiedlichen Mineralstoffen und Spurenelementen den Geschmack. Wie unterscheidet sich österreichisches Mineralwasser von anderen Mineralwässern in Europa?

Schlossnikl: Natürlich gibt es Ausreißer, aber wenn man sich das allgemein ansieht, haben die Mineralwässer in Österreich eine relativ ausgewogene Mineralisierung. Mit durchschnittlich knapp über und unter 1.000 Milligramm Mineralstoffen und Spurenelementen bewegen wir uns in einem mittleren Bereich. Die großen bekannten Mineralwässer im Süden Europas oder in Frankreich sind im Vergleich sehr schwach mineralisiert. Anders sieht es im Norden aus, in Tschechien oder der Slowakei: Dort hat man es oft mit Mineralwässern zu tun, die sehr hoch mineralisiert sind – für den österreichischen Gaumen geschmacklich gewöhnungsbedürftig.

Im vergangenen Jahr hat sich der heimische Mineralwassermarkt wiederum recht positiv entwickelt – mit 713,1 Millionen Liter Absatz nach 691,1 Millionen Liter im Jahr 2017. Wird sich dieser Aufwärtstrend weiter fortsetzen?

Schlossnikl: Wir rechnen damit, dass sich der Aufwärtstrend fortsetzt. Die Wachstumsraten im Mineralwasser-Bereich sind bescheiden im Vergleich zu anderen Branchen, wir reden hier von 1 bis 2 Prozent pro Jahr. Aber wenn man sich das über die Jahre anschaut, haben wir doch ein stetiges Wachstum. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Mineralwasser bei 150 Litern und in Österreich bei knapp über 90 Litern. Und das Mineralwasser bietet den Verbraucherinnen und Verbrauchern ja klare Vorteile: Es ist natürlich rein, ausgewogen mineralisiert und hat keine Kalorien.

Auch der Export boomt. Mehr als 116 Millionen Liter Mineralwasser gingen 2018 ins Ausland. Gibt es Pläne, die Exportquote bei Mineralwasser zu erhöhen und neue Märkte zu erschließen?

Schlossnikl: Österreich ist ein kleines Land und der Mineralwassermarkt war auch sehr lange ein lokaler österreichischer Markt.  Die Hersteller, die Wachstum kreieren wollen, die müssen eigentlich ins Ausland gehen. Gerade die Länder um Österreich herum – wie Deutschland, aber auch Tschechien, Slowakei und Kroatien – sind dafür naheliegend und das wird von den einzelnen Betrieben auch entsprechend genutzt und ausgebaut.

Sie haben es bereits angesprochen: Im Durchschnitt trinkt jede Österreicherin und jeder Österreicher über 90 Liter Mineralwasser pro Jahr. Welche Eigenschaften werden besonders geschätzt?

Schlossnikl: Dazu gibt es eine Studie vom Forum Natürliches Mineralwasser. Demnach verbinden acht von zehn Österreicherinnen und Österreicher natürliches Mineralwasser mit Erfrischung, gefolgt von Qualität, Natürlichkeit und Reinheit. Und, dass Mineralwasser keine Kalorien hat, wird auch positiv gesehen.

Laut einer Studie verbinden acht von zehn Österreicherinnen und Österreicher natürliches Mineralwasser mit Erfrischung, gefolgt von Qualität, Natürlichkeit und Reinheit. Und dass Mineralwasser keine Kalorien hat, wird auch positiv gesehen.

Herbert Schlossnikl, Obmann und Sprecher des Forum Natürliches Mineralwasser

In den vergangenen Jahren ist auch die Nachfrage nach „Wasser mit Geschmack“ konstant angestiegen. Ist dieser Markt schon gesättigt?

Schlossnikl: Das muss man differenziert betrachten: Seit über zehn Jahren gibt es den klassischen, etablierten „Near-Water“-Markt. Diese Produkte sind im Vergleich zu einer Limonade deutlich kalorienreduziert – also sehr wassernah und mit wenig Zucker. Hier ist ein gewisses Volumen erreicht, da gehen wir nicht mehr von allzu großem Wachstum aus. Parallel dazu hat sich ein weiteres Segment entwickelt: Produkte mit natürlichem Aroma und ohne Zucker – diese Null-Kalorien-Varianten mit Geschmack erfreuen sich gerade starker Beliebtheit.

Ein emotional diskutiertes Thema ist die Verpackung. Mineralwasser ist sowohl in PET- und Glasflaschen als auch in Einweg-, Zweiweg- oder Mehrweg-Gebinden erhältlich. Wohin geht der Trend?

Schlossnikl: Im Moment gewinnt die Mehrweg-Glasflasche aufgrund der Diskussion rund um Plastik wieder stärker an Beliebtheit. Mir ist es aber wichtig zu betonen, dass sowohl PET als auch Glas seine Berechtigung hat. Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens c7-consult zur Ökobilanz von Verpackungen zeigt: Einweg-PET- und Mehrweg-Glasflaschen schneiden etwa gleich ab, wenn man sich alle Einflussfaktoren ansieht – also auch den CO2-Ausstoß beim Transport. Beim Mehrweg-Glas ist die Distanz das große Thema. In einem Radius von 100 bis 200 Kilometern gibt es leichte Vorteile für Mehrweg-Glas. Andererseits liegt Einweg-PET bei einem Recyclat-Anteil ab 50 Prozent immer vorne. Und in der Variante mit 100 Prozent Recyclat führt die Einweg-PET-Flasche deutlich vor der Mehrweg-Glasflasche.

In Sachen Verpackungsverwertung gilt Österreich als internationaler Vorreiter. Wie schätzen Sie die Lage hierzulande ein?

Schlossnikl: Wir sind in Österreich in einer Situation, um die wir in Europa beneidet werden. Schon heute werden drei von vier PET-Flaschen gesammelt und einer umweltgerechten Wiederverwertung zugeführt. Mit der PET-to-PET Recycling Österreich GmbH und der PET Recycling Team GmbH haben wir zwei sehr kompetente Recycler. Und wir haben ein gut etabliertes Sammel- und Sortiersystem. Das heißt, uns steht auch entsprechend Material zur Verfügung, um den Kreislauf zu schließen.

Wir sind in Österreich in einer Situation, um die wir in Europa beneidet werden. Schon heute werden drei von vier PET-Flaschen gesammelt und einer umweltgerechten Wiederverwertung zugeführt.

Herbert Schlossnikl, Obmann und Sprecher des Forum Natürliches Mineralwasser

Dennoch bleibt das Gefühl, dass dieses Wissen bei den Konsumentinnen und Konsumenten noch nicht so ganz angekommen ist. Worauf führen Sie das zurück?

Schlossnikl: Ein Grund ist die undifferenzierte Berichterstattung. Da heißt es oft: „Plastik ist böse“. Die Fakten sind in der Breite gar nicht bekannt. Es ist schade, dass so viele Halbwahrheiten kursieren. Ein Beispiel: Dass man Mikroplastik mit Mineralwasser in Verbindung bringt, ist sehr weit hergeholt. Und auf der anderen Seite wird Plastik per se verdammt. Dabei gibt es unterschiedliche Formen von Kunststoffen. PET ist ein Monomaterial, das frei ist von Bisphenol A. Das wird zwar auch ab und zu PET zugeschrieben, kann aber gar nicht entstehen, weil es in der chemischen Struktur nicht enthalten ist.

Auf welche Botschaften sollte man in der Kommunikation in punkto Verpackungsmüll aus Ihrer Sicht abzielen?

Schlossnikl: Als in Österreich die PET-Flasche eingeführt und zugelassen wurde, wurde vor über 25 Jahren auch das Abfallwirtschaftssystem mit der ARA aufgebaut. Dadurch sind wir heute in einer guten Situation: Wir haben ausgezeichnete Trennverfahren und Recycling-Technologien. Mit Starlinger und Erema gibt es zwei Unternehmen, die sich um die Weltmarktführung im Kunststoff-Recycling matchen. Was man global an Bildern mitbekommt von Plastikmüll in Ozeanen stammt aus Ländern, in denen es kein vernünftiges Abfallwirtschaftssystem gibt.

Neben dem Handel spielt auch die Gastronomie eine wichtige Rolle für die Mineralwasserabfüller in Österreich. Welche Entwicklungen sehen Sie in diesem Bereich?

Schlossnikl: Ähnlich wie im Handel haben wir auch hier ein ganz leichtes Wachstum. In der Gastronomie gibt es ausschließlich Glasflaschen, außer in der Systemgastronomie. Das wird sowohl von der Ästhetik als auch von den Konsumentinnen und Konsumenten gewünscht. Die Gastronomen haben jedoch ideale Voraussetzungen in Bezug auf die Anlieferung, Zustellung und Abholung. Die Nachteile von Glas mit Gewicht und Schleppen gibt es für sie nicht: Sie bekommen die Getränke ins Lager und haben nur den kurzen Weg zur Ausschank oder zum Tisch.

Gibt es eine Botschaft, die Sie unseren Leserinnen und Lesern von „Österreich isst informiert“ noch mitgeben möchten?

Schlossnikl: Aus meiner Sicht am wichtigsten ist das Verpackungsthema, also dass sowohl Einweg-PET-, als auch Mehrweg-Glas seine Berechtigung hat. Die zweite wichtige Botschaft ist, dass das Mineralwasser ein Naturprodukt von ursprünglicher Reinheit ist. Dazu kommt, dass die Mineralwasserabfüllung immer mit dem Ursprungsort verbunden ist. Das gibt auch eine Sicherheit und Verbundenheit mit der Region – ein Wert, der in den letzten Jahren wieder an Bedeutung gewonnen hat. Außerdem findet die Wertschöpfung für das Mineralwasser in Österreich statt, die kann man gar nicht auslagern.

Abschließend noch eine persönliche Frage: Wie und wann trinken Sie Mineralwasser am liebsten? Gibt es einen Favoriten zu bestimmten Tageszeiten, beim Sport oder im Büro?

Schlossnikl: Bei mir gibt’s keine bestimmte Zeit, ich trinke den ganzen Tag Mineralwasser. Die große 1,5-Liter-Flasche habe ich immer dabei, sie steckt sogar im Auto in der Halterung. In meinem Büro steht eine 0,33er-Glasflasche am Tisch. Und was die Karbonisierung betrifft: Also unterwegs, wenn ich irgendwohin fahre, bevorzuge ich Wasser ohne Kohlensäure. Und ansonsten im Büro ein mildes Mineralwasser.

Weitere Informationen zum Forum Natürliches Mineralwasser: forum-mineralwasser.at

Über Herbert Schlossnikl

DI Herbert Schlossnikl ist Obmann und Sprecher des Forum Natürliches Mineralwasser. Der gebürtige Niederösterreicher ist seit dem Jahr 2000 Geschäftsführer der Vöslauer Mineralwasser GmbH. In dieser Funktion verantwortet er unter anderem Produktion und Logistik. Zuvor war der Biotechnologe unter anderem in der Raiffeisen Bioforschung und in der Ottakringer Brauerei tätig.

  • Interview mit DI Herbert Schlossnikl im Juni 2019

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