Corona-Vorsichtsmaßnahmen: Frau kauft mit Maske und Handschuhen Lebensmittel ein.

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Lebensmitteleinkauf in Zeiten von Corona

Welche Lebensmittel sind bei den Österreicher­innen und Öster­reichern seit Ausbruch der Corona­krise besonders gefragt? Welche Kriterien bestimmen die Auswahl? Wie COVID-19 das Einkaufs­verhalten beeinflusst, lesen Sie hier.

Vom Anlegen von Vorräten bis zum Kauf von Zutaten für das Kochen daheim: Die Coronakrise hat auch das Einkaufsverhalten der österreichischen Bevölkerung beeinflusst. Verschiedene Studien zeigen: In puncto Lebensmittel setzen viele Menschen vermehrt auf lang haltbare, lagerfähige Lebensmittel – und sie greifen häufiger zu heimischen Produkten.

Verstärkte Lebensmitteleinkäufe durch Lockdown

In Österreich war die Versorgung mit ausreichend und sicheren Lebensmitteln jederzeit sichergestellt. Zu Hamsterkäufen kam es dennoch: Laut den aktuellen Handelszahlen des Marktforschungsunternehmens Nielsen deckten sich viele Österreicherinnen und Österreicher bereits in der Kalenderwoche 9 (vom 24. Februar bis zum 1. März) verstärkt mit Vorräten ein. Dabei landeten insbesondere lagerfähige und haltbare Grundnahrungsmittel und Lebensmittel wie Mehl und Zucker, Teigwaren, Pastasaucen, Gemüse- und Fischkonserven sowie andere Fertiggerichte im Einkaufswagen. Auch der Absatz von Tiefkühlprodukten verzeichnete ein deutliches Plus.

Mit der Ankündigung der Ausgangsbeschränkungen stiegen die Einkaufsmengen nochmals stark an. In der Kalenderwoche 11 (vom 9. bis zum 15. März) gab es ein Umsatzplus von fast 70 Prozent über alle Lebensmittel-Warengruppen hinweg. Am stärksten war der Ausschlag im Vergleich zur Vorjahrsperiode bei Fertiggerichten, Mehl und Teigwaren. Nun wurde auch verstärkt zu alkoholischen Getränken, Süßigkeiten und Käse gegriffen. Die Konsumentinnen und Konsumenten rüsteten sich somit auch für seltenere Einkäufe und längere Zeiten daheim.

Die beliebtesten Lebensmittel-Warengruppen in Zeiten der Hamsterkäufe

Besonders die Kalenderwoche 11 sticht heraus: Vom 9. bis zum 15. März 2020 stiegen die Einkaufszahlen im Lebensmitteleinzelhandel stark an. Die Handelszahlen von Nielsen zeigen den Umsatzzuwachs in Prozent – im Vergleich zur Vorjahresperiode:

  • Fertiggerichte: 417,3 Prozent
  • Mehl: 377,1 Prozent
  • Teigwaren: 358,4 Prozent
  • Gemüsekonserven: 275,6 Prozent
  • Fischkonserven: 233,6 Prozent

(Quelle: Nielsen Retail Measurement Services Austria, LH exkl. Hofer/Lidl; Datenbasis bis inklusive 29. März 2020)

Nachfrage nach haltbaren Produkten, Konserven und Tiefgekühltem

Auch die Daten der RollAMA (rollierende Agrarmarktanalyse) für das erste Quartal 2020 bestätigen die gestiegene Nachfrage. Die Auswertung umfasst Fleisch und Geflügel, Wurst, Milch und Milchprodukte, Obst, Gemüse, Kartoffeln, Eier, Tiefkühlprodukte, Obst- und Gemüsekonserven sowie Fertiggerichte. Diese Warengruppen wurden im März 2020 um fast ein Viertel mehr als im Vorjahresmonat eingekauft. Viele Österreicherinnen und Österreicher legten sich Vorräte zu. Laut RollAMA deckten sich vor allem Haushalte mit jungen Menschen (bis 29 Jahre) sowie ältere, berufstätige Personen (ab 50 Jahre) mit Grundvorräten ein.

Insbesondere länger haltbare Produkte wie Haltbarmilch waren gefragt. Aber auch zu Obst und Gemüse in Konserven oder in tiefgekühlter Form sowie zu Fertiggerichten wurde verstärkt gegriffen. Der Vorteil: Diese können gut gelagert werden. Da in der Krise häufiger gekocht wird, legten auch die Einkäufe von klassischen Kochzutaten wie Eiern, Kartoffeln, Frischgemüse und Butter laut RollAMA signifikant zu.

Ob Konserven oder Tiefkühlware: In der Coronakrise greifen die Österreicherinnen und Österreicher vermehrt zu länger haltbaren Lebensmitteln.

Ob Konserven oder Tiefkühlware: In der Coronakrise greifen die Österreicherinnen und Österreicher vermehrt zu länger haltbaren Lebensmitteln. Foto: adisa / Adobe Stock

Im Fokus: Sichere Lebensmittel „made in Austria“

Die RollAMA-Marktdaten zeigen ebenso, dass der Anteil an Lebensmitteln, die in Aktion gekauft werden, im Zuge der Ausgangsbeschränkungen zurückgegangen ist. Dies lässt sich dadurch erklären, dass den Konsumentinnen und Konsumenten in Zeiten der Krise die Versorgungssicherheit am wichtigsten ist und andere Parameter untergeordnet werden.

Punkten konnten Lebensmittel „made in Austria“. Dieser Trend wird auch nach der Krise anhalten: Die Österreicherinnen und Österreicher legen weiterhin Wert auf heimische Produkte. Das unterstreicht eine repräsentative Online-Umfrage der AgrarMarkt Austria (AMA) vom April: Neben Hygiene und langer Haltbarkeit will knapp ein Viertel der befragten Österreicherinnen und Österreichern künftig mehr auf die österreichische Herkunft von Lebensmitteln achten, ebenso viele auf die Herkunft aus der Region. Vier von zehn Befragten (fast 44 Prozent) geben an, dass sie auch in Zukunft mehr heimische Lebensmittel kaufen möchten.

Größere Mengen gefragt, Online-Einkäufe im Kommen

Die Online-Umfrage der AMA belegt das veränderte Kaufverhalten: Fast sechs von zehn Befragten gehen nun seltener einkaufen als vor Corona und fast fünf Prozent kaufen nicht mehr selbst im Handel ein. Die Einkaufsfrequenz ist gesunken, dafür wird in größeren Mengen eingekauft.

In der Coronakrise am meisten zugelegt hat der Online-Handel. In Bezug auf Lebensmittel äußert sich dies jedoch noch nicht allzu stark: Rund drei Prozent der Befragten gaben in der AMA-Umfrage an, seit Beginn der Coronakrise die Lieferdienste der Supermärkte in Anspruch zu nehmen. Diese werden vor allem von der älteren Risikogruppe genutzt. Eine Analyse des Gallup Instituts in Kooperation mit dem Institut für Handel und Marketing der Wirtschaftsuniversität Wien erkennt die Rückkehr des Einkaufszettels: Die Menschen verweilen kürzer im Supermarkt und planen ihre Einkäufe besser.

Starkes Vertrauen in Lebensmittelversorgung

Das Vertrauen der österreichischen Bevölkerung in die Lebensmittelversorgung wurde durch COVID-19 gestärkt: Fast alle Befragten (rund 97 Prozent) der AMA-Umfrage denken, dass Österreich bis zum Ende der Krise weiterhin mit genügend Lebensmitteln versorgt sein wird. Die Lebensmittelindustrie arbeitet mit Hochdruck, um Millionen Menschen auch in Krisenzeiten täglich mit sicheren Lebensmitteln zu versorgen. Um dies zu gewährleisten, sind mehr als 200 Unternehmen rund um die Uhr – vielfach im Mehrschichtbetrieb – im Einsatz.