Eine lächelnde Frau beim Einkauf von Lebensmitteln im Supermarkt.

Foto: Rido / Fotolia

Industrie

Lebensmittel­konsum: So isst Österreich

Was essen die Öster­reicher­innen und Öster­reicher? Wie hoch sind ihre Ausgaben für Nahrungs­mittel und Getränke? Und wie hat sich der Lebens­mittel­konsum in Öster­reich seit der Nachkriegs­zeit entwickelt? Die wichtigsten Fakten und Zahlen.

Unsere Ansprüche an Nahrungsmittel und Getränke sind hoch: Sie sollen satt machen, zum Genuss einladen, gut schmecken – und dazu auch noch lange haltbar, einfach zuzubereiten und günstig sein. Der Blick in die Kühlschränke der Österreicherinnen und Österreicher spiegelt die gestiegenen Erwartungen wider: Noch nie zuvor war das Angebot an Lebensmitteln so vielfältig und hochwertig wie heute.

Aktuell im Trend: Fertiggerichte, Bio und Aktionsangebote

Das RollAMA-Haushaltspanel zeigt, wie sich der Lebensmittelkonsum in Österreich zuletzt entwickelt hat: Im ersten Halbjahr 2022 stiegen vor allem die Ausgaben für Convenience-Produkte wie Tiefkühlwaren und Fertiggerichte. Die eingekaufte Menge an Fleisch, frischem Obst und Gemüse ist nach den Jahren mit Corona-Lockdowns deutlich gesunken: Sie entspricht wieder dem Niveau von 2019. Der Anteil der Ausgaben für Bio-Lebensmittel wuchs hingegen weiter an – in den ersten drei Quartalen 2022 erreichten diese mit 12 Prozent den bisher höchsten Wert.

Insgesamt gehen die Menschen wieder seltener in den Supermarkt und kaufen jeweils weniger ein. Gründe dafür sind etwa der wieder erstarkte Außer-Haus-Konsum in der Gastronomie und Hotellerie sowie bei Kultur- und Sportveranstaltungen, weniger Homeoffice-Tage und mehr Urlaube nach der Coronapandemie. Zuletzt wurde die Kauflaune durch höhere Lebensmittelpreise etwas getrübt.

Die Jugend-Wertestudie 2022

Aktuelle Trends zum Konsumverhalten von Jugendlichen zeigt die Jugend-Wertestudie 2022 über die Generation Z von T-Factory Trendagentur und jugendkultur.at: Vegetarisch oder vegan ernähren sich rund 20 Prozent der Jugendlichen, circa zwei Drittel der 10- bis 14-Jährigen in Österreich essen regelmäßig Fleisch. Etwa 38 Prozent der Jugendlichen geben an, überwiegend zu Bioprodukten zu greifen. Für die Studie wurden 1.000 Jugendliche und junge Erwachsene in Österreich befragt.

Höhere Lebensmittelkosten durch die Teuerung

In Folge von Coronapandemie und Ukraine-Krieg sind die Preise für Lebensmittel und Getränke 2022 gestiegen. Besonders stark war der Zuwachs bei Butter, Milch, Käse und Eiern. Ein Grund dafür sind die höheren Kosten in der Lebensmittelherstellung für Rohstoffe, Energie, Transport oder Verpackung. Als eine Folge der Verteuerung sind Diskonter und Aktionsprodukte stärker nachgefragt. Bei den in der RollAMA erfassten Produktgruppen fließt jeder dritte Euro in Aktionen. Dazu zählen Fleisch und Geflügel, Wurst, Milch und Milchprodukte, Käse, Obst, Gemüse, Eier, Erdäpfel sowie Tiefkühlprodukte und Fertiggerichte (ohne Brot und Gebäck). Wie der Lebensmittelpreis entsteht, lesen Sie hier: Wer bestimmt eigentlich den Lebensmittelpreis?

Insgesamt ist der Anteil von Essen und Trinken an den Gesamtausgaben eines Haushalts seit der Nachkriegszeit gesunken. In den 1950er-Jahren gaben die Österreicherinnen und Österreicher noch fast die Hälfte ihres Budgets für Lebensmittel aus. Vor der aktuellen Teuerungswelle entfielen pro Monat hingegen laut Eurostat nur noch etwa 10 Prozent der Haushaltausgaben auf Ernährung und alkoholfreie Getränke (ohne Außer-Haus-Konsum). Damit lag Ernährung bei den Ausgaben laut Statistik Austria an vierter Stelle – nach Wohnen und Energie, gefolgt von Verkehr sowie Freizeit, Sport und Hobby.

Enorme Produktvielfalt: Der Konsum von Fleisch, Gemüse und Obst hat sich im Vergleich zu vor 70 Jahren fast verdoppelt.

Enorme Produktvielfalt: Der Konsum von Fleisch, Gemüse und Obst hat sich im Vergleich zu vor 70 Jahren fast verdoppelt. Foto: Grigorijkalyuzhnyj / Pixabay

Lebensmittelkonsum von der Nachkriegszeit bis heute

Der hohe Standard bei Lebensmitteln und die gute Verfügbarkeit waren nicht immer selbstverständlich. In den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg schränkten abgeschottete Märkte, aufwendige Transporte und knappe Rohstoffe das Angebot an Lebensmitteln stark ein. Die Verteilung der Lebensmittel wurde überwacht und mit Lebensmittelkarten organisiert. Noch in den 1950er-Jahren waren Fleisch und Obst sehr teuer, Fisch oder Südfrüchte wie Bananen waren kaum erhältlich. Wenn doch, dann kamen sie nur zu besonderen Anlässen auf den Speiseplan.

Das hat sich entscheidend geändert. Dank des Wegfalls der innereuropäischen Grenzen, effizienter Transport- und Kühlwege sowie der modernen Verarbeitung bietet sich nun eine enorme Produktvielfalt in allen Geschmacksrichtungen. Viele der aktuell verfügbaren Lebensmittel gab es früher noch gar nicht. Durch das erweiterte Angebot hat sich der Lebensmittelkonsum in einzelnen Warengruppen enorm erhöht. Das zeigen auch die Versorgungsbilanzen der Statistik Austria: Demnach verbrauchte jede Österreicherin und jeder Österreicher durchschnittlich rund 123 Kilo Gemüse und fast 80 Kilo Obst (Wirtschaftsjahr 2020/21) sowie fast 59 Kilo Fleisch (Jahr 2021).

So hat sich die Coronapandemie auf den Lebensmitteleinkauf ausgewirkt

Bis zur Coronapandemie hat der Außer-Haus-Konsum in Österreich konstant zugenommen. Mit dem Ausbruch der Krise änderte sich das Einkaufsverhalten der Österreicherinnen und Österreicher signifikant. Sowohl Einkaufsmengen als auch Ausgaben im Lebensmitteleinzelhandel legten enorm zu. Beim Lebensmitteleinkauf achteten die Konsumentinnen und Konsumenten mehr auf die Qualität als auf den Preis. Außerdem wurde vermehrt in den eigenen vier Wänden gekocht. Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag Lebensmitteleinkauf in Zeiten von Corona.

Wir empfehlen diese Artikel zum Weiterlesen