Eine lächelnde Frau beim Einkauf von Lebensmitteln im Supermarkt.

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Industrie

Lebensmittel­konsum: So isst Österreich

Was essen die Österreicherinnen und Österreicher? Wie hoch sind ihre Ausgaben für Nahrungsmittel und Getränke? Und wie hat sich der Lebensmittelkonsum in Österreich seit der Nachkriegszeit entwickelt? Die wichtigsten Fakten und Zahlen.

Unsere Ansprüche an Nahrungsmittel und Getränke sind hoch: Sie sollen satt machen, zum Genuss einladen, gut schmecken – und dazu auch noch lange haltbar, einfach zuzubereiten und günstig sein. Der Blick in die Kühlschränke der Österreicherinnen und Österreicher spiegelt die gestiegenen Erwartungen wider: Noch nie zuvor war das Angebot an Lebensmitteln so vielfältig, hochwertig und preiswert wie heute.

Lebensmittelkarten in der Nachkriegszeit

Dieser hohe Standard bei Lebensmitteln war nicht immer selbstverständlich. Viele ältere Menschen in Österreich wissen noch gut, was es heißt, Hunger zu leiden. In den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg schränkten abgeschottete Märkte, aufwendige Transporte und knappe Rohstoffe das Angebot an Lebensmitteln stark ein. Die Verteilung der Lebensmittel wurde überwacht und mit Lebensmittelkarten organisiert. Noch in den 1950er-Jahren waren Fleisch und Obst sehr teuer, Fisch oder Südfrüchte wie Bananen waren kaum erhältlich. Wenn doch, dann kamen sie nur zu besonderen Anlässen auf den Speiseplan.

Konsum von Fleisch, Gemüse und Obst verdoppelt

Dieses Bild hat sich entscheidend gewandelt. Dank des Wegfalls der innereuropäischen Grenzen, effizienter Transport- und Kühlwege sowie der modernen Verarbeitung bietet sich nun eine enorme Produktvielfalt in allen Geschmacksrichtungen. Viele der aktuell verfügbaren Lebensmittel gab es früher noch gar nicht. Durch das erweiterte Angebot hat sich der Lebensmittelkonsum in einzelnen Warengruppen enorm erhöht. Das zeigen auch die Versorgungsbilanzen der Statistik Austria: Demnach verbrauchte jede Österreicherin und jeder Österreicher durchschnittlich rund 117 Kilo Gemüse und rund 76 Kilo Obst (Wirtschaftsjahr 2020/21) sowie fast 59 Kilo Fleisch (Jahr 2021).

Enorme Produktvielfalt: Der Konsum von Fleisch, Gemüse und Obst hat sich im Vergleich zu vor 70 Jahren fast verdoppelt.

Enorme Produktvielfalt: Der Konsum von Fleisch, Gemüse und Obst hat sich im Vergleich zu vor 70 Jahren fast verdoppelt. Foto: Grigorijkalyuzhnyj / Pixabay

Rund 350 Euro pro Monat für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke

Dazu kommt: Der Anteil von Essen und Trinken an den Gesamtausgaben eines Haushalts ist stark gesunken. In den 1950er-Jahren gaben die Österreicherinnen und Österreicher fast die Hälfte ihres Budgets für Lebensmittel aus. Heute entfallen pro Monat nur noch etwa 12 Prozent der Haushaltausgaben auf Ernährung und alkoholfreie Getränke (ohne Außer-Haus-Konsum). Das entspricht rund 350 von durchschnittlich 3.250 Euro pro Haushalt, so die Konsumerhebung 2019/20 der Statistik Austria. Ernährung ist damit bei den Ausgaben an vierter Stelle – auf Platz eins liegt Wohnen und Energie, gefolgt von Verkehr sowie Freizeit, Sport und Hobby.

Außer-Haus-Essen ist beliebt

Bis zur Coronakrise hat der Außer-Haus-Konsum konstant zugenommen: Im Jahr 2017 aß rund ein Drittel der Österreicherinnen und Österreicher im Restaurant oder Gasthof, wenn keine Zeit zum Kochen war. Das zeigt die Publikation „Lebensmittel in Österreich“ des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus. Das erste Österreichische Genussbarometer des forum. ernährung heute war der Motivation fürs Essen außer Haus auf den Grund gegangen: Neben beruflichen Gründen wurden gerne auch das gesellige Beisammensein und die eigene Bequemlichkeit genannt.

Coronakrise: Wie sich der Lebensmitteleinkauf veränderte

Das Einkaufsverhalten der Österreicherinnen und Österreicher veränderte sich im Laufe der Coronakrise signifikant – das zeigt das RollAMA-Haushaltspanel für 2020. Sowohl Einkaufsmengen als auch Ausgaben im Lebensmitteleinzelhandel legten enorm zu. Die durchschnittlichen Haushaltsausgaben für Frischeprodukte und Fertiggerichte beliefen sich 2020 auf 170 Euro im Monat. Insgesamt gaben die Haushalte rund 20 Euro mehr im Monat für Lebensmittel aus. Beim Lebensmitteleinkauf achteten die Konsumentinnen und Konsumenten mehr auf die Qualität als auf den Preis. Außerdem wurde 2020 vermehrt in den eigenen vier Wänden gekocht. Der Menüplan wurde jedoch nicht vielfältiger – der Großteil der Haushalte kochte zwischen fünf und 20 Gerichte pro Monat als Hauptmahlzeit.

Auch 2021 beeinflusste Corona das Einkaufsverhalten, wenngleich wieder mehr Normalität einkehrte. Das belegt das RollAMA-Haushaltspanel: Die Frischwareneinkäufe lagen nur noch gering über dem Vorjahr. Auch in den „Hamsterkauf-Kategorien“ – wie Konserven und Backzutaten von Milch bis Eiern war seit dem Ende des letzten Lockdowns ein Rückgang spürbar. Die zwischenzeitliche Lockerung der Coronabeschränkungen und das Grillwetter sorgten für mehr Fleischeinkäufe. Dabei spielten auch Aktionsangebote eine Rolle. Hoch im Trend standen 2021 Gemüse, Beerenobst und Milchmischgetränke. Bei Bio-Produkten stiegen die Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr um beinahe 17 Prozent – und die Käuferinnen und Käufer, die Bio bevorzugen, werden immer jünger.

Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag zum Lebensmitteleinkauf in Zeiten von Corona.

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