Bei Getränkedosen wie hier auf dem Bild ist Recycling wichtig, so Claudia Bierth von Ball Beverage Packaging Europe im Interview.

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Herstellung

„Getränke­dosen: Recycling ist die Quintessenz“

Welche Vorteile haben Getränke­verpackungen aus Metall? Wie tragen Inno­vationen zur Kreislauf­wirtschaft bei? Claudia Bierth von Ball Beverage Packaging Europe im Gespräch über Aludosen, Recycling und aufgeklärte Konsument­innen und Konsumenten.

Metallverpackungen haben eine lange Tradition. Heute wird für Getränkedosen vor allem das Leichtmetall Aluminium eingesetzt. Wie umweltfreundlich eine solche Getränkeverpackung ist, erklärt Claudia Bierth. Sie engagiert sich bei Ball Beverage Packaging sowie im europäischen Dachverband Metal Packaging Europe für Nachhaltigkeit.

Frau Bierth, welche Vorteile bietet Metall für Getränke- und Lebensmittelverpackungen?

Claudia Bierth: Ein Vorteil von Metall ist auf jeden Fall die lange Haltbarkeit der darin verpackten Lebensmittel. Die Barriereeigenschaften des Packstoffs Metall gegenüber Licht, Sauerstoff und weiteren Umwelteinflüssen sind herausragend. Bei der Lagerung und beim Transport sind Metallverpackungen besonders effizient, weil sie leicht stapelbar sind. Außerdem sind sie stabil und bruchsicher. Eine Besonderheit von Getränkedosen ist ihr geringes Eigengewicht, dennoch halten sie extremen Temperaturen und Druck stand.

Gerade bei Verpackungen ist die Umweltverträglichkeit ein großes Thema. Wie nachhaltig sind Getränkedosen aus Aluminium?

Bierth: Da lässt sich generell sagen: Das Umweltprofil von Getränkedosen hat sich stark verbessert. Das Umweltprofil von Getränkedosen hat sich stark verbessert. Die durch Aluminiumdosen verursachten CO2-Emissionen sind von 2006 bis 2016 durchschnittlich um 31 Prozent – also um fast ein Drittel – gesunken. Das zeigt die im vergangenen Jahr veröffentlichte Ökobilanz des europäischen Dachverbands Metal Packaging Europe. Hier spielt die Verringerung des Dosengewichts eine wesentliche Rolle. Außerdem ist die Recyclingquote für Getränkedosen aus Aluminium gestiegen: Heute werden in Europa bereits drei von vier Dosen aus Aluminium wiederverwertet.

Das Umweltprofil von Getränkedosen hat sich stark verbessert. Die durch Aluminiumdosen verursachten CO2-Emissionen sind von 2006 bis 2016 durchschnittlich um fast ein Drittel gesunken.

Claudia Bierth, European Sustainability Manager bei Ball Beverage Packaging Europe

Was ist beim Umweltprofil von Getränkeverpackungen zu beachten?

Bierth: Wichtig ist, wie man das Umweltprofil von Verpackungen bewertet und da hat sich die Debatte in den letzten Jahren weiterentwickelt. Früher hat Ressourceneffizienz in der Herstellung die wichtigste Rolle gespielt. Denn weniger Material bedeutet weniger Verpackung, was die CO2-Emissionen verringert.

Jetzt rückt mehr und mehr aber auch das Ende des Lebenszyklus in den Fokus, das heißt: Was passiert tatsächlich nach dem Konsum mit einer Verpackung? Denn wenn ich am Anfang 25 Prozent Ressourcen spare, die Verpackung schließlich aber im besten Fall verbrannt wird oder im schlimmsten Fall im Meer landet, ist dies wenig zielführend. Es geht also zum einen darum, wie recyclingfähig eine Verpackung ist, also aus welchen Materialien sie besteht und ob sie so gestaltet ist, dass sie leicht durch den Sortier- und Recyclingprozess kommt. Zum anderen stellt sich auch die Frage, ob im jeweiligen Land eine passende Recyclinginfrastruktur vorhanden ist. Denn wenn ich theoretisch etwas recyceln kann, ich vor Ort aber gar nicht die Sortier- und Wiederverwertungsanlagen und -technologien habe, landet die eingesammelte Verpackung doch wieder in der Deponie oder Verbrennungsanlage.

Neben Recycling ist natürlich auch noch die Lieferkette wichtig. Um die nachhaltige Entwicklung in der Aluminiumwertschöpfungskette, einschließlich im Bauxitabbau, voranzutreiben, haben sich  führende Unternehmen der Aluminium Stewardship Initiative (ASI) angeschlossen, so auch unser Unternehmen Ball. Wir haben als erster Getränkedosenhersteller in Europa sowohl die Zertifizierung nach dem ASI Perfomance Standard als auch dem ASI Chain of Custody Standard erhalten. Sie hat das Ziel, durch einen internationalen Standard und ein Zertifizierungssystem die sozialen und die Umweltauswirkungen im Aluminiumsektor weiter zu verbessern sowie Transparenz zu schaffen. Ziel ist es, dass diese Zertifizierung ein Branchenstandard wird, so wie dies bei der Zertifizierung von Papier und Holz mit dem FSC Standard passiert ist.

Zum Thema Recycling: Wie sieht es mit der Recyclingfähigkeit von Getränkeverpackungen aus Metall aus?

Bierth: Getränkedosen sind die weltweit am meisten recycelten Getränkeverpackungen. Metalle wie Aluminium lassen sich nahezu unbegrenzt und ohne Qualitätsverlust immer wieder recyceln. Der Prozess bei Aluminiumgetränkedosen ist einfach: Man sammelt und sortiert sie mit sogenannten Wirbelstromabscheidern. Nach dem Shreddern werden sie in Trommelöfen wiedereingeschmolzen und zu Aluminiumbarren geformt, aus denen dann später wieder Dosenblech für die Dosenproduktion gewalzt wird oder andere Aluminiumprodukte hergestellt werden können. Da die Dose nur aus einem Material besteht, müssen auch keine Einzelteile voneinander getrennt werden. Außerdem ist der Recyclingprozess relativ kostengünstig. Natürlich besteht aber auch bei Getränkeverpackungen aus Metall noch Verbesserungspotential. Die größte Stellschraube ist eine hohe Recyclingrate, da beim Recycling von Aluminium 95 Prozent der Energie eingespart werden, die für die Primärherstellung notwendig ist. Deswegen arbeiten wir in unserer Industrie an einer europäischen Roadmap, um die Recyclingraten auf 90 Prozent zu erhöhen. Andere Stellschrauben sind der Einsatz von erneuerbaren Energien und die weitere Gewichtsoptimierung.

Stichwort Gewichtsoptimierung: Welche Verpackungsinnovationen gibt es im Bereich der Metallverpackung?

Bierth: Die Gewichtsoptimierung ist etwas, woran wir ständig arbeiten. Dazu wird in der Herstellung zum einen dünneres Dosenblech verwendet, damit mehr Dosen aus einem Kilogramm des angelieferten Metalls hergestellt werden können. Zum anderen konzentrieren wir uns auf „Lightweighting“. Hier geht es darum, die Wandstärke der Dose weiter zu verringern sowie Materialeinsparungen am Deckel zu realisieren. Auch Designs wie die Slim-Dose optimieren das Gewicht der Dosen. Seit den 1980er-Jahren konnte das Gewicht einer 330ml-Dose so um fast 40 Prozent reduziert werden – ein gewaltiger Fortschritt.

Mittlerweile ist die Dosenwand einer Aluminium-Getränkedose fast dünner als ein menschliches Haar. Auch in Zukunft wird es uns möglich sein, weitere Einsparungen beim Gewicht und Material zu realisieren, allerdings nicht mehr in so großen Sprüngen.

Seit den 1980er-Jahren konnte das Gewicht einer 330ml-Dose so um fast 40 Prozent reduziert werden – ein gewaltiger Fortschritt.

Claudia Bierth, European Sustainability Manager bei Ball Beverage Packaging Europe

Gibt es abgesehen von Lightweight-Dosen noch andere Trends bei Getränkedosen?

Bierth: Hier sind zwei Entwicklungen zu erwähnen. Einerseits der Trend zum sogenannten „Downsizing“, also kleineren Verpackungsgrößen wie der 150ml- oder 200ml-Dose, der durch kleinere Haushalte und steigenden außer Haus-Konsum befeuert wird. Andererseits tut sich gerade viel im Marketing und Design. Als 360-Grad-Leinwand bieten Getränkedosen eine größtmögliche Fläche für außergewöhnliche Gestaltung. Bei der „thermochromic reveal“-Technologie beispielsweise verändert sich ein Design nicht nur, sobald die optimale Trinktemperatur erreicht ist. Auch während des Trinkens und damit während des Erwärmens erscheinen beispielsweise versteckte Bilder oder Botschaften auf der Dose, die zuvor nicht sichtbar waren.

Laut einer Verbraucherumfrage der Initiative „Jede Dose zählt“ aus 2019 entsorgen 7 von 10 Befragten in Österreich Getränkedosen separat. Dennoch bestehe Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung. Welche Themen betrifft das speziell?

Bierth: Bei dieser Studie handelte es sich um eine repräsentative Verbraucherumfrage. Damit wollten wir herausfinden, wie das Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher in Österreich bei der Mülltrennung aussieht – vor allem bei den Getränkedosen. 7 von 10 Befragten gaben an, dass sie ihre Getränkedosen in der getrennten Sammlung entsorgen.

Eine andere Intention war, Verbesserungsbedarf herauszufinden. Die Umfrageteilnehmer, die ihre Getränkedosen über den Restmüll entsorgen, wurden auch gefragt, was sie an der getrennten Sammlung hindert. Dazu gab die Hälfte an, keine Sammelstelle in der Nähe zu haben. Ein Drittel sagte, im Haushalt sei zu wenig Platz für einen separaten Sammelbehälter. Und 14 Prozent der Befragten gaben an, keine Zeit für die getrennte Sammlung von Getränkedosen zu haben.

Bei wem liegt die Verantwortung, dass die Bevölkerung sich an die getrennte Müllsammlung hält?

Bierth: Natürlich tragen wir als Produzenten von Verpackungen die Hauptverantwortung – aber auch die Konsumentinnen und Konsumenten können und müssen ihren Beitrag leisten. Fakt ist: Je mehr Müll getrennt wird, umso mehr kann auch recycelt werden. Die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen wissen, wie wichtig Recycling ist. Deshalb nehmen wir das Resultat der Verbraucherumfrage zum Anlass, den Konsumentinnen und Konsumenten die Materialeigenschaften und Recyclingvorteile von Aluminium näherzubringen.

Fakt ist: Je mehr Müll getrennt wird, umso mehr kann auch recycelt werden. Die Verbraucherinnen und Verbraucher müssen wissen, wie wichtig Recycling ist.

Claudia Bierth, European Sustainability Manager bei Ball Beverage Packaging Europe

Was braucht es Ihrer Meinung nach, um eine funktionierende Kreislaufwirtschaft zu realisieren?

Bierth: Die getrennte Sammlung ist die Voraussetzung und das Recycling die Quintessenz einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Lebensmittelverpackungen sollten von vorneherein so gestaltet sein, dass sie sich leicht recyceln lassen. Der Sinn einer Kreislaufwirtschaft ist ja, dass Materialien möglichst lange im Kreislauf bleiben. Hier ist zum einen wichtig, dass Materialien möglichst kreislauffähig sind und während des Recyclingprozesses wenig beziehungsweise gar nicht an Qualität verlieren – wie zum Beispiel Metalle oder Glas. Zum anderen kommt ins Spiel, wie viel Material ich nach dem Recycling für neue Produkte übrighabe, wie viel also im Kreislauf bleiben kann und wie lange. Ein hoher Recyclingertrag bei einer Verpackung bedeutet, dass nur wenig Material verloren geht und dass sie sehr kreislauffähig ist.

Welchen Stellenwert haben Lebensmittelverpackungen in Zeiten der Coronakrise?

Bierth: In den letzten Jahren wurden Verpackungen insgesamt teilweise sehr kritisch betrachtet – Stichwort Plastikdebatte. Doch durch die Coronakrise wird vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern der eigentliche Nutzen einer Verpackung wieder bewusst. Die primäre Funktion der Verpackung ist der Produktschutz während des Transports und der Lagerung. Lebensmittel werden dadurch vor Kontaminierung und mikrobiologischen Veränderungen geschützt.

Liegt Ihnen abschließend noch eine Botschaft am Herzen, die Sie unseren Leserinnen und Lesern mitgeben wollen?

Bierth: Welche Verpackung die optimalste oder nachhaltigste ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Im Getränkesektor kann man zum Beispiel nicht mehr sagen, dass Mehrweg automatisch besser ist als Einweg. Das liegt zum einen an der starken Zunahme des Anteils der Individualgebinde, der laut einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung in Deutschland bei 42 Prozent liegt. Individualflaschen haben viel weitere Transportwege und niedrigere Umlaufraten, da sie immer wieder zurück zum ursprünglichen Abfüller müssen. Zum anderen haben sich Einweggebinde wie die Dose stark verbessert. Um eine echte Kreislaufwirtschaft zu verwirklichen, brauchen wir beides – Einweg und Mehrweg. Und beide müssen laufend optimiert werden, damit wir in Europa die Klimaziele erreichen können. Der Abfüller sucht sich dann ideologiefrei je nach Vertriebsweg und Konsumsituation die für das jeweilige Produkt beste Verpackungslösung aus.

Über Claudia Bierth

Claudia Bierth, MBA, ist seit 2017 European Sustainability Manager bei Ball Beverage Packaging Europe – dem weltweit größten Getränkedosenhersteller. Zuvor war die Nachhaltigkeitsexpertin unter anderem für Henkel sowie internationale Beratungsunternehmen tätig. Claudia Bierth leitet außerdem die European Affairs Commission im europäischen Dachverband Metal Packaging Europe (MPE).

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