Sammelcontainer für das Recycling von Weißglas und Buntglas in Österreich.

Foto: Austria Glas Recycling GmbH

Verantwortung

Nachhaltig und sicher: Glasrecycling in Österreich

Von der Marmelade bis zu Essiggurken: Glas­verpackungen werden in der Lebensmittel­industrie vielseitig eingesetzt. In Österreich feiert das Glasrecycling­system 2018 sein 40-jähriges Jubiläum. Erfahren Sie Wissens­wertes zum nachhaltigen Packstoff.

Langsam rollen die Flaschen in der Glasfabrik auf den 1.600 Grad Celsius heißen Ofen zu. Sie stehen kurz davor, eingeschmolzen und zu neuen Glasverpackungen geformt zu werden. Doch welchen Weg nimmt das Altglas, bis es hier landet? Und welche Vorteile bringen Glasverpackungen und deren Recycling mit sich? Die Antworten finden Sie in diesem Beitrag.

Glasklare Vorteile: Lebensmittel in der Glasverpackung

Heute sind Lebensmittel sicherer und qualitativer denn je. Das hängt nicht nur von den Produkten selbst ab. Auch die Verpackung spielt eine entscheidende Rolle. Glas als Packstoff ist hygienisch, undurchlässig und geruchsneutral – es besteht ausschließlich aus anorganischen Stoffen. Der Glasbehälter gibt selbst keine Stoffe an den Inhalt ab. Außerdem bewahrt Glas das Aroma, die Vitamine und die weiteren Nährstoffe von Lebensmitteln. Dunkle Glasverpackungen schützen zudem vor Licht. Kein Wunder also, dass der glasklare Packstoff in der Lebensmittelindustrie häufig Verwendung findet: von Getränkeflaschen über Konservengläser bis zu Flakons für Essig oder Öl.

Nachhaltige Erfolgsstory: 40 Jahre Glasrecycling in Österreich

Seit 40 Jahren werden Glasverpackungen in Österreich wiederverwertet. Das heimische Glasrecyclingsystem gilt in der Europäischen Union als Best-Practice-Beispiel: Hierzulande werden rund 85 Prozent der Glasverpackungen recycelt. Zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt liegt bei 70 Prozent. Waren es zum Start 1978 knapp 29.000 Tonnen Altglas pro Jahr, so werden 2018 bereits über 230.000 Tonnen – oder 26 Kilogramm pro Österreicherin und Österreicher – wiederverwertet. Seit der Gründung des Glasrecyclingsystems wurden rund 21 Milliarden Glasverpackungen gesammelt und wiederverwertet. Hätte man sämtliches Altglas der letzten vier Jahrzehnte deponiert, dann wäre die Fläche eines Fußballfeldes unter einem Altglasberg von 3 Kilometern Höhe begraben.

Lizenzen für Glasverpackungen: So funktioniert das Sammelsystem

Unternehmen, die Glasverpackungen auf den Markt bringen, zahlen deren Sammlung über eine Lizenzgebühr. Damit und mit dem Erlös für das Altglas finanziert Austria Glas Recycling die öffentliche Altglas-Sammlung. Diese ist für die Bevölkerung gratis, auch Betriebe können lizenzierte Glasverpackungen kostenfrei entsorgen. Die Wiederverwertung kommt der Umwelt und dem Klima zugute, denn Glas wird aus Quarzsand hergestellt und ist somit zur Gänze wiederverwertbar. Zudem bringt das Glasrecycling volkswirtschaftlichen Nutzen: Dadurch werden Arbeitsplätze gesichert und Müllkosten in den Haushalten eingespart.

Zahlen und Fakten zum Glasrecycling

  • 97 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher machen bei der Altglas-Sammlung mit.
  • 21 Milliarden Glasverpackungen wurden in den letzten 40 Jahren recycelt.
  • Rund 80.000 Glascontainer stehen österreichweit für die Altglas-Sammlung bereit.

Von Glas zu Glas: Der optimale Materialkreislauf

Doch wie wird aus altem Glas neues? Die Reise des Packstoffs beginnt bei den Konsumentinnen und Konsumenten: Sie werfen ihre gebrauchten Glasverpackungen in einen der österreichweit rund 80.000 Weiß- und Buntglas-Container. Mit dem Glassammel-LKW geht es für über 70 Prozent des Altglases in eines der drei heimischen Glaswerke, die Glasverpackungen recyceln: Vetropack Austria in Pöchlarn (Niederösterreich) und in Kremsmünster (Oberösterreich) sowie Stölzle-Oberglas in Köflach (Steiermark). Der Rest wird in grenznahen Glasfabriken in Nachbarstaaten verwertet. Das Glas wird in den Werken gereinigt – Keramik, Plastik und Metall werden händisch oder maschinell entfernt. Dann wird das Altglas eingeschmolzen und schließlich in neue Formen gegossen.

Videotipp: So wird aus altem Glas neues

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Österreichs Glasrecyclingsystem zählt international zu den besten. Warum und wie es funktioniert, zeigt dieses Erklärvideo in drei Minuten. Video: Austria Glas Recycling

Verpackte Nachhaltigkeit: Energiesparen durch Altglas

Das gesammelte Altglas wird zur Gänze wiederverwertet. In der Produktion von Verpackungsglas machen gebrauchte Glasverpackungen den wichtigsten Rohstoff aus: Bei Weißglas beträgt die Einsatzquote bis zu 60 Prozent, bei Braunglas bis zu 70 Prozent und bei Grünglas bis zu 90 Prozent. Durch die Verwendung von Altglas bei der Glaserzeugung verringert sich die erforderliche Schmelztemperatur. Dadurch sinken der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen. Laut dem deutschen Aktionsforum Glasverpackung ließe sich mit der durch eine Altglasflasche in der Produktion gesparten Energie eine Waschmaschine zehn Minuten oder ein Fernseher 20 Minuten betreiben. Durch zehn Prozent Altglas in der Produktion wird der Energieverbrauch von etwa 52.000 Haushalten eingespart.

Weitergedacht: Die Austria Glas Agenda 2030

Die für die Wiederverwertung in Österreich zuständige Austria Glas Recycling – ein Unternehmen der ARA Gruppe – treibt die nachhaltige Entwicklung voran. Zum 40-Jahr-Jubiläum hat sie sich in der Austria Glas Agenda 2030 ehrgeizige Ziele gesetzt: In Abstimmung mit den unterschiedlichen Stakeholdern wurden auf Basis der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen sechs nachhaltige Entwicklungsziele definiert – darunter hochwertige Bildung, verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster sowie Maßnahmen für den Klimaschutz. Um das Bildungsziel zu erfüllen, werden beispielsweise gezielte Maßnahmen für Kinder und Jugendliche gesetzt.

Future in Glass: Kinder und Jugendliche begeistern

  • Das Glasrecyclingprogramm Bobby Bottle für Volkschulkinder in ganz Österreich begeistert mit einer Live-Show zum Thema.
  • Glasrecycling-Comics – wie „Ein Marmeladenglas schreibt Tagebuch“ – bringen Kindern Geschichten rund um die Wiederverwertung des durchsichtigen Packstoffs näher.
  • Die App „glasartig“ belohnt Jugendliche für Glasrecycling mit Gewinnspielen für Konzerte.
  • Beim Social Media Sommercamp erarbeiten 13- bis 16-Jährige Kampagnen zum Thema Umweltschutz und Glasrecycling für Social Media. Das Motto: „Schmeiß dein Zeugs gscheit weg!“