Jürgen Brettschneider, Geschäftsführer von Mautner Markhof, im Porträt.

Foto: Mautner Markhof

Menschen

Erfolgsrezept Qualität und Nachhaltigkeit

Die Zeitschrift „Die Ernährung“ sprach mit Jürgen Brett­schneider, Geschäfts­führer von Mautner Markhof, über Qualität und Tradition, Bio und Nachhaltigkeit und warum Mut zu Veränderung wichtig ist.

Herr Brettschneider, das Unternehmen Mautner Markhof existiert schon seit 1841 in Österreich. Der legendäre „Hesperiden Essig“ wurde 1927 erfunden. Wie gut passen Tradition und moderne Märkte zusammen?

Jürgen Brettschneider: Tradition ist Teil unserer Identität und hat auch bei den Österreicherinnen und Österreichern einen hohen Stellenwert. Doch um seit fast 180 Jahren am Markt bestehen zu können, muss man offen für neue Wege sein und Mut zu Veränderung und Innovation aufbringen. Wenn man bedenkt, dass Mautner Markhof eigentlich als Brauerei begonnen hat, gab es in der Geschichte des Unternehmens viele Meilensteine, die diese Entwicklung belegen – vom Senf und Essig nach dem Krieg zum Sirup und in den 1970er-Jahren zur Feinkost. Ohne neue Ideen und Innovationen wäre die Marke Mautner Markhof nicht so erfolgreich, wie sie es heute ist.

Im Jahr 2002 hat das Münchner Unternehmen Develey Senf & Feinkost das Ruder übernommen. Wie gut harmonieren die Firmenkulturen miteinander?

Brettschneider: Wir sind mittlerweile seit 17 Jahren Teil des Unternehmensverbundes. Unsere Kulturen harmonieren sehr gut. Den Eigentümern ist die Eigenständigkeit und die Kraft regionaler Marken sehr wichtig. Diese Regionalität leben wir in unseren Produkten. Aber genauso verfolgen wir gemeinsam übergreifende Visionen und Strategien.

Tradition ist Teil unserer Identität und hat auch bei den Österreicherinnen und Österreichern einen hohen Stellenwert. Doch um seit fast 180 Jahren am Markt bestehen zu können, muss man offen für neue Wege sein und Mut zu Veränderung und Innovation aufbringen.

Jürgen Brettschneider, Geschäftsführer von Mautner Markhof, im Porträt.

Jürgen Brettschneider, Geschäftsführer der Mautner Markhof Feinkost GmbH

Welche strategische Ausrichtung verfolgt Mautner Markhof?

Brettschneider: Wir wollen mit unseren eigenen Marken sowie Vertriebsmarken wie Develey oder Tabasco weiterhin führend in Österreich bleiben – und gleichzeitig unsere Position im Ausland stärken. Unser Qualitätsanspruch ist dabei ein wesentlicher Faktor: Hohe Qualität sowohl bei regionalen Rohstoffen als auch in unseren Produkten ist für Mautner Markhof selbstverständlich. Aktuell haben wir einen Exportanteil von 20 Prozent. Bis 2025 wollen wir hier nochmals bis zu zehn Prozentpunkte drauflegen.

Die Produktpalette reicht vom Senf über Sirupe und Essig bis zur Feinkost. Welche Produkte oder Produktgruppen sind am erfolgreichsten?

Brettschneider: In unseren traditionellsten Segmenten, Senf und Essig, sind wir klare Nummer 1. Der Markt für Sirup ist sehr dynamisch. Hier sehen wir das größte Wachstum und können vor allem mit Innovationen punkten. Unsere Sirupe mit 0 Prozent Zuckeranteil werden immer beliebter und treffen genau den Puls der Zeit.

Welche Strategie verfolgen Sie bezüglich Nachhaltigkeit?

Brettschneider: Nachhaltiges Wirtschaften ist für uns essenzieller Teil unserer Unternehmenskultur und klares Leitziel. Wir sind seit 2010 ÖkoBusinessPlan-zertifiziert. Seither haben wir an die 100 kleine und größere Maßnahmen gesetzt, um Mautner Markhof nachhaltig in die Zukunft zu führen. Mit der Installation einer neuen Photovoltaikanlage im vergangenen Jahr können wir rund 11 Prozent unseres Strombedarfs selbst erzeugen und rund 300.000 KWh pro Jahr einsparen. Weitere Einsparungen gab es beim Verpackungsmaterial. So beträgt der Anteil von recyceltem PET bei Essig und Sirup aktuell 30 Prozent.

Zudem ist unser Betrieb biozertifiziert und nach ISO 14001 (Umweltmanagement) sowie ISO 50001 (Energiemanagement) zertifiziert. Sowohl im Handel als auch in der Gastronomie steigt die Nachfrage nach Bioprodukten – mit dem Bio Estragon Senf und den zwei Sorten Bio-Apfelessig und Bio-Tafelessig sind wir auch hier mittendrin statt nur dabei.

Wohin geht die Entwicklung beim Senf? Gibt es einen Trend zu Spezialprodukten? Wie wirkt sich die Grillsaison auf den Absatz aus?

Brettschneider: Die Lieblings-Senfprodukte in Österreich sind nach wie vor die Original-Sorten Estragon und Kremser Senf. Mit einer Reihe von Spezialsenfen, die tatsächlich einen Peak während der Grillsaison haben, haben wir aber für jeden Geschmack das richtige Produkt. Zur Grillsaison 2019 haben wir Ajvar Senf, eine feine Kombination aus mildem Ajvar und dem würzigen Estragon Senf, gelauncht. Zum Grillen wünschen sich die Österreicherinnen und Österreicher Abwechslung – diesen Wunsch können wir mit unserem vielfältigen Sortiment erfüllen.

Gibt es auch beim Essig Trends – wie zum Beispiel Balsamico oder Spezialitäten?

Brettschneider: Ja, die am stärksten wachsenden Segmente sind Balsam- und Apfelessige. Bei Apfelessig haben wir die größte Auswahl. Wir stellen dafür sogar das Ausgangsprodukt, den Apfelwein, selbst her. Regionalität, Naturbelassenheit und Natürlichkeit sind bei Mautner Markhof seit Jahrzehnten gelebte Realität. Die „Back to the Roots“-Bewegung bei den Konsumentinnen und Konsumenten kommt uns hier natürlich sehr entgegen. Neben Klassikern wie Tafel Essig und Hesperiden Essig wird auch unsere „Feine Auswahl“ immer stärker nachgefragt. Dazu zählt zum Beispiel der geschmackvolle Apfelessig Barrique, für den der Apfelessig im Barriquefass reift.

Regionalität, Naturbelassenheit und Natürlichkeit sind bei Mautner Markhof seit Jahrzehnten gelebte Realität.

Jürgen Brettschneider, Geschäftsführer von Mautner Markhof, im Porträt.

Jürgen Brettschneider, Geschäftsführer der Mautner Markhof Feinkost GmbH

Es gibt immer wieder mediale Diskussionen über Ernährung und speziell Zuckerkonsum. Wie gehen Sie strategisch damit um?

Brettschneider: Wir haben mit Sirup eine Produktgruppe, in der der Zuckergehalt tatsächlich eine wichtige Rolle spielt. Wir wollen den Konsumentinnen und Konsumenten bewusst die freie Entscheidung lassen, ob und wieviel Zucker sie zu sich nehmen möchten. Mit unseren 0-%-Zuckerzusatz-Sirupen bieten wir eine geschmackvolle, kalorienarme Alternative zum herkömmlichen Fruchtsirup. Dieses Segment entwickelt sich sehr positiv und umfasst bereits sechs Sorten.

Wie sehen Sie eine mögliche Besteuerung von Zucker beziehungsweise Überlegungen zu Besteuerungen von Inhaltsstoffen wie auch Salz oder Fett generell?

Brettschneider: Verbote bestimmter Inhaltsstoffe halte ich für die falschen Maßnahmen. Ich bin der Meinung, dass Aufklärung und Information deutlich erfolgsversprechender sind und die Konsumentinnen und Konsumenten bei ihren bewussten Entscheidungen besser unterstützen können.

Welche Bedeutung haben aus Ihrer Sicht Innovationen?

Brettschneider: Innovationen wirken nachhaltig positiv auf den Unternehmenserfolg. Dabei geht es jedoch nicht nur um Produktinnovationen – auch technologische Verbesserungen, Digitalisierung und Prozessgestaltung bedingen stetige Veränderungen. Erfolg braucht den Mut, immer wieder neue Wege zu gehen.

Verbote bestimmter Inhaltsstoffe halte ich für die falschen Maßnahmen. Ich bin der Meinung, dass Aufklärung und Information deutlich erfolgsversprechender sind und die Konsumentinnen und Konsumenten bei ihren bewussten Entscheidungen besser unterstützen können.

Jürgen Brettschneider, Geschäftsführer von Mautner Markhof, im Porträt.

Jürgen Brettschneider, Geschäftsführer der Mautner Markhof Feinkost GmbH

Welchen Stellenwert hat Qualitätsmanagement in Ihrem Unternehmen?

Brettschneider: Qualität hat bei uns oberste Priorität – und das seit beinahe 180 Jahren. Unsere Kundinnen und Kunden erwarten sich beim Kauf eines Mautner Markhof-Produkts Qualität und guten Geschmack, und sie wollen unsere Produkte mit gutem Gewissen konsumieren. Das erklärt auch den langjährigen Erfolg der Marke und ist mit ein Grund, warum wir eine der führenden Marken Österreichs sind.

Was ist Ihr Lieblingsessen?

Brettschneider: Eine gute Käsekrainer mit Estragon Senf – gerne auch am Würstelstand meines Vertrauens.

Weitere Informationen zum Unternehmen: mautner.at

Über Jürgen Brettschneider

Jürgen Brettschneider ist seit 2012 Geschäftsführer der Mautner Markhof Feinkost GmbH. Er stieg nach seiner Ausbildung zum Papiertechniker und Chemielaboranten im Unternehmen ein. Parallel absolvierte Brettschneider eine Ausbildung in technischer Chemie und Umwelttechnik sowie eine weitere in Lebensmitteltechnik. Ab 2002 war Brettschneider für die Produktionsplanung und ab 2007 für die Betriebsleitung verantwortlich. Über seine Tätigkeit hinaus engagiert sich Brettschneider für die Aus- und Weiterbildung: Gemeinsam mit weiteren Branchenvertretern hat er den Lehrberuf Lebensmitteltechnik begründet.

  • Dieses Interview ist die gekürzte Version eines Beitrags aus der Zeitschrift „Die Ernährung“, Volume 43, 3/4/2019. Die sechs Mal jährlich erscheinende Fachzeitschrift informiert über aktuelle Entwicklungen bei Lebensmitteln in den Bereichen Wissenschaft, Recht, Technologie und Wirtschaft. Das gesamte Gespräch sowie Informationen zum Abo finden Sie hier: ernaehrung-nutrition.at.