Erwin Kotányi, Geschäftsführer des Gewürze-Produzentens Kotányi, überprüft am Naschmarkt die Qualität von Gewürzen.

Foto: Kotány

Menschen

Leidenschaft und Unternehmer­tum

Alles begann 1881 mit der Paprika. Heute setzt Marktführer Kotányi auf edle Kräuter und innovative Gewürzkreationen. Welche Strategie dahintersteckt, erklärte Geschäftsführer Erwin Kotányi im Gespräch mit der Zeitschrift „Die Ernährung“.

Wie ist Ihr Unternehmen eigentlich aufgebaut?

Erwin Kotányi: Unser Familienunternehmen besteht seit mittlerweile 135 Jahren. Von der Zentrale in Wolkersdorf in Niederösterreich aus beliefern wir 20 Länder, vor allem in Zentral- und Osteuropa. In den Top-Ländern haben wir eigene Niederlassungen, wie in Russland, unserem wichtigsten Markt, wo 100 Mitarbeiter tätig sind.

Und wie richten Sie sich auf die Zukunft aus?

Kotányi: Wir wollen auch 2017 weiter wachsen und unsere Position international weiter ausbauen. Natürlich wollen wir unseren hohen Marktanteil in Österreich halten, aber Wachstum kann nur mehr über Innovation, territorial und über Distributionsausweitung gehen. Eine möglichst stabile politische Situation in neuen Zielmärkten ist sehr wichtig. Zum Glück haben wir in all den Jahren gute Verbindungen zu großen internationalen Handelsunternehmen aufgebaut, was uns den Einstieg in neue Märkte erleichtert und unseren Produkten die benötigte Regalfläche und gute Logistik bietet.

Welche Bedeutung hat der Export in Ihrem Unternehmen? Wie hoch ist der Exportanteil?

Kotányi: Der liegt bei rund 70 Prozent. Unser Erfolg war auch darin begründet, dass wir viele Märkte schon sehr früh zu bearbeiten begonnen haben. Als dann die großen Handelsunternehmen kamen, waren wir schon da und konnten unsere Erfahrungen einbringen und durch dieses Detailwissen gemeinsam den Markt weiter erschließen. Und gerade in Osteuropa wird es von vielen Kunden sehr geschätzt, dass ich als Eigentümer sehr oft persönlich den Kontakt suche und die Kunden treffe. In anderen Ländern wie Brasilien oder Thailand beginnen wir oft nur mit unserer Mühle, die quasi als Door Opener für den Markt fungiert. Das war die stärkste Innovation der letzten Jahre und hat uns viele Möglichkeiten eröffnet.

Gerade in Osteuropa wird es von vielen Kunden sehr geschätzt, dass ich als Eigentümer sehr oft persönlich den Kontakt suche und die Kunden treffe.

Erwin Kotányi, Geschäftsführer des Gewürze-Produzentens Kotányi, überprüft die Qualität von Gewürzen.

Erwin Kotányi, Geschäftsführer Kotányi

Wie sehen Sie die Situation und Marktmacht im österreichischen Handel – wie gehen Sie damit um?

Kotányi: Wir haben gelernt, mit dieser hohen Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel zu leben. Wir sind den Weg gegangen, unsere eigene Marke zu stärken und so stark wie nur möglich zu machen. Dabei spielt Innovation eine große Rolle. Wenn wir „Innovations-Leader“ bleiben, werden es andere Marken schwerer haben.

Was ist das Erfolgsgeheimnis Ihres Unternehmens?

Kotányi: Sicher laufende Innovation und intensive Marktbearbeitung. Um zum internationalen Player zu werden, braucht es viel Einsatz und harte Arbeit aller. Wir haben im Unternehmen vier Werte, die uns leiten: Leidenschaft, Kreativität, Familiensinn und Unternehmertum. Unsere Mitarbeiter in 20 Ländern bringen viele Erfahrungen und Einschätzungen ein, die uns helfen, immer an der Spitze mitzumischen.

Welche Vor- und Nachteile hat der Standort Österreich aus Ihrer Sicht? Welche Wünsche haben Sie an die Politik?

Kotányi: Mit unserem Standort in Niederösterreich sind wir im Großen und Ganzen zufrieden und denken eher in Richtung Ausweitung, wenn das Unternehmen weiter wächst. Wir bekennen uns zu Österreich und managen von hier aus das weltweite Geschäft. Natürlich haben Mitbewerber vor allem in Osteuropa ein viel niedrigeres Lohnniveau. Uns belasten die im Vergleich hohen Lohnnebenkosten in Österreich, die zu mehr Automatisierung führen. Das sollte unbedingt angepasst werden, ebenso wie die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Wir haben viele Kunden weltweit und wenn es Sonderbestellungen gibt, sind die Einschränkungen durch die Arbeitszeitvorschriften erheblich. Der administrative Aufwand insgesamt ist für uns gerade noch vertretbar, was wir uns aber wünschen würden, wäre in vielen Fällen eine klarere Gesetzgebung, um Auslegungsunterschiede zu vermeiden. Und die Gruppenbesteuerung sollte aus unserer Sicht erhalten bleiben.

Um zum internationalen Player zu werden, braucht es viel Einsatz und harte Arbeit aller. Wir haben im Unternehmen vier Werte, die uns leiten: Leidenschaft, Kreativität, Familiensinn und Unternehmertum.

Erwin Kotányi, Geschäftsführer des Gewürze-Produzentens Kotányi, überprüft die Qualität von Gewürzen.

Erwin Kotányi, Geschäftsführer Kotányi

Wie ist Ihre Reaktion als Unternehmen auf gesellschaftliche Trends wie vegan oder vegetarisch, glutenfrei bzw. generell „Free from …“?

Kotányi: Wir beobachten genau, welche Essgewohnheiten die Menschen entwickeln. Unsere Produkte passen wir darauf an. So haben wir mehr Gewürzmischungen für Gemüse und Kartoffelgerichte entwickelt und auch fürs Grillen gibt es neben den Fleisch-Gewürzmischungen vermehrt Produkte für Gemüse. Wir haben auch in den letzten Jahren gesehen, dass Kräuter generell stärker nachgefragt werden und haben entsprechende Mischungen entwickelt. Auch die neue Linie „Secrets of …“ trägt dieser Entwicklung Rechnung.

Welchen Stellenwert haben Innovation und Qualitätsmanagement in Ihrem Unternehmen?

Kotányi: Innovation hat für uns höchsten Stellenwert und ist gewissermaßen ein „Lebenselixier“ für uns. Das ist nicht nur eine Marketing-Aufgabe, sondern hat strategische Bedeutung und ist für jeden im ganzen Unternehmen wichtig. Es gibt eigene Meetings dazu, wir laden auch manchmal externe Unternehmen ein. Über das Intranet binden wir die Mitarbeiter in den 20 Ländern ein und nutzen deren Ideen. Und es gibt sogar Prämien dafür. So sind auch die Linien im Premium-Segment wie „Secrets of …“ und die „Erwin Kotányi Selection“ mit Kreationen wie „Smoked Chilis“ oder „Himalayasalz mit Blüten“ entstanden.

Qualitätsmanagement reicht bei uns von der Lebensmittelsicherheit bis zu den Standards. Wir wollen eine Mainstream-Marke bleiben und da darf es keinen Kompromiss bei der Qualität geben. Es ist Teil unserer Markenpolitik, dass wir allen Kunden die gleich hohe Qualität liefern.

Weitere Informationen zum Unternehmen: kotanyi.at

Über Erwin Kotányi

Mag. Erwin Kotányi wurde 1957 in Wien geboren. Im Jahr 1981 übernahm er als 24-jähriger Absolvent der Wirtschaftsuniversität die Firmenleitung des Familienunternehmens. Im Jahr 2007 war Erwin Kotányi unter den Top-3-Finalisten des „Ernst & Young Entrepreneur of the Year“. Er ist Obmann des Verbands der Gewürzindustrie.

  • Dieses Interview ist die gekürzte Version eines Beitrags aus der Zeitschrift „Die Ernährung“, Volume 41, 1/2017. Die sechs Mal jährlich erscheinende Fachzeitschrift informiert über aktuelle Entwicklungen bei Lebensmitteln in den Bereichen Wissenschaft, Recht, Technologie und Wirtschaft. Das gesamte Gespräch sowie Informationen zum Abo finden Sie hier: ernaehrung-nutrition.at.