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Agrarrohstoffe: Vieles muss importiert werden

Von Ölen über Fische und Obst bis zu Eiern – bei etlichen Agrarrohstoffen und agrarischen Erzeugnissen ist Österreich auf Importe aus dem Ausland angewiesen. Der Grund: Diese sind im Inland entweder nicht vorhanden oder es gibt zu wenig davon.

Um Lebensmittel in der gewohnten Qualität und Vielfalt anbieten zu können, muss die Lebensmittelindustrie vielfach auf Lieferungen aus dem Ausland zurückgreifen. Das betrifft nicht nur Südfrüchte oder exotische Gewürze, sondern auch Waren, die sich in so gut wie jedem österreichischen Haushalt finden. Zahlreiche Agrarerzeugnisse und Halbfabrikate für den Frischmarkt und die Weiterverarbeitung müssen importiert werden. Kakao und Kaffee zählen ebenso dazu wie Haselnüsse, Reis oder Fisch.

Lebensmittelindustrie braucht erstklassige Rohstoffe

Für die Hersteller von Lebensmitteln und Getränken ist die Verfügbarkeit sicherer und qualitativer Rohstoffe essenziell. Neben der ausreichenden Menge spielt beim Rohstoffeinkauf eine Reihe von weiteren Faktoren eine Rolle. Dazu zählen etwa die Güte, der Preis, das Timing, die Logistik, aber auch die internationale Vernetzung. Die Lebensmittelindustrie ist der größte Abnehmer heimischer Agrarwaren. „Eine hundertprozentige Versorgung mit qualitativen österreichischen Rohstoffen ist jedoch nur bei wenigen Produkten gegeben – etwa bei Kuhmilch, bestimmten Fleischarten und Zucker“, erklärt Josef Domschitz vom Fachverband der Lebensmittelindustrie.

Was sind eigentlich Agrarrohstoffe?

Agrarrohstoffe sind Rohstoffe, die aus landwirtschaftlicher Produktion stammen. Sie werden vor allem zur Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln eingesetzt. Beispiele sind Reis, Weizen, Mais oder Hackfrüchte wie Kartoffeln und Zuckerrüben. Aber auch Ölpflanzen wie Raps und Soja beziehungsweise die aus ihnen gewonnenen Öle sowie Kakao und Kaffee sind wichtige Rohstoffe.

Mehr Rohwaren werden eingeführt als ausgeführt

„Was viele nicht wissen: Die österreichische Agraraußenhandelsbilanz ist traditionell negativ – wie übrigens in vielen anderen Industriestaaten auch“, sagt der Experte. Sie erreichte 2016 ein Minus von 1,031 Milliarden Euro – das heißt, dass mehr pflanzliche und tierische Rohstoffe für Lebensmittel importiert als exportiert wurden. Der Grund für die hohen Einfuhren ist, dass einerseits zahlreiche pflanzliche Erzeugnisse in Österreich nicht gedeihen, andererseits sind viele Waren gar nicht in ausreichender Menge für die Lebensmittelproduktion vorhanden. Um den Wirtschafts- und Exportstandort Österreich sowie die Arbeitsplätze in der Branche abzusichern, müssen diese also eingeführt werden.

Der heimische Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln

In Österreich werden zu wenig landwirtschaftliche Rohstoffe produziert. In vielen Bereichen fehlen ausreichende Mengen zur Weiterverarbeitung. Der sogenannte Selbstversorgungsgrad zeigt in Prozent, in welchem Ausmaß heimische Rohstoffe zur Verfügung stehen:

  • Zucker: über 100 Prozent
  • Getreide: 87 bis 100 Prozent (inklusive Futtergetreide)
  • Hühner: 79 bis 90 Prozent
  • Eier: 75 bis 84 Prozent
  • Butter: 70 bis 77 Prozent
  • Gemüse: 59 bis 68 Prozent
  • Ölsaaten: 50 bis 60 Prozent
  • Obst: 47 bis 57 Prozent
  • Honig: 41 bis 56 Prozent
  • Pflanzliche Öle: 26 bis 30 Prozent

(Quelle: Statistik Austria, Selbstversorgungsgrad für 2010 bis 2015)

Auch aufgrund klimatischer Bedingungen, zur Auslastung der Produktionsstandorte und um international wettbewerbsfähig zu sein, werden agrarische Rohstoffe aus anderen Märkten bezogen. Die Lebensmittelunternehmen hängen dabei auch von internationalen Entwicklungen ab. So führen die wachsende Weltbevölkerung und die höhere Kaufkraft insbesondere in Schwellenländern zu einer steigenden Nachfrage nach Lebens- und Futtermitteln. Das macht die Verfügbarkeit und die Preise auf der Angebotsseite sehr volatil. Kurzfristig beeinflussen auch Ernteschwankungen das Angebot an Agrarrohstoffen.

  • Fachverband der Lebensmittelindustrie
  • Statistik Austria: Der Außenhandel Österreichs im Jahr 2016