Drei Papiertüten befüllt mit verschiedenen Verpackungsmaterialien: Papier, Glas und Kunststoff.

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Verantwortung

EU-Verpackungsverordnung: Was bedeuten die Anforderungen in der Praxis?

Welche Pflichten bringt die neue EU-Verpackungsverordnung mit sich? Wo bestehen noch Unklarheiten? Und was brauchen Unternehmen jetzt konkret? Alexander Eidelpes vom Gewürzunternehmen Kotányi erklärt, was die Branche aktuell bewegt.

Viele Unternehmen fragen sich, was mit der neuen EU-Verpackungsverordnung (Packaging and Packaging Waste Regulation, PPWR) auf sie zukommt. Wo sehen Sie die größten Chancen und Stolpersteine bei der Umsetzung der Verordnung? 

Alexander Eidelpes: Chancen liegen im Minimieren des Materialeinsatzes sowie dem Kreieren neuer Verpackungslösungen – wobei die Umweltauswirkungen entlang der gesamten Lieferkette zu berücksichtigen sind. In der Folge sollte sich Nachhaltigkeit auch als Verkaufsargument durchsetzen.

Ein zentraler Stolperstein ist die Kommunikation an Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie verstehen oft nicht, warum Verpackungen geändert werden und was das mit der Umwelt zu tun hat. Ein Beispiel dafür sind die „Tethered Caps“ (Verschlüsse, die mit den Flaschen verbunden sein müssen). Weiters gibt es Zielkonflikte zwischen unterschiedlichen Anforderungen wie Produktschutz, Nachhaltigkeit, effizienter Produktion, günstiger Beschaffung und der Funktion der Verpackung als Markenbotschafterin. 

Dazu kommen praktische Herausforderungen: Der Datenaustausch für die PPWR ist immens und ressourcenintensiv. Viele Definitionen sind noch unscharf, und notwendige nationale Voraussetzungen (wie ein Herstellerregister) kommen erst verspätet. Das bedeutet ein enormes Risiko für Unternehmen. Wegen der schlecht abgestimmten zeitlichen Umsetzungsvorgaben müssen Verpackungen mehrmals bearbeitet werden, was die Kosten für die Unternehmen in die Höhe treibt.

Ein Stolperstein ist die Kommunikation an Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie verstehen oft nicht, warum Verpackungen geändert werden und was das mit der Umwelt zu tun hat.

Portraitfoto von Alexander Eidelpes, Leitung Einkauf, Kotányi GmbH

Alexander Eidelpes, Leitung Einkauf, Kotányi GmbH

Neue Anforderungen an Recycling und Mehrweg erfordern neue Verpackungskonzepte. Können Sie Beispiele aus der Praxis nennen, wie Lebensmittelhersteller derzeit damit umgehen?

Eidelpes: In mehrjähriger Entwicklungsarbeit werden mit Verpackungslieferanten sowie Expertinnen und Experten in den Unternehmen die Anforderungen aus Technik, EU-Verpackungsverordnung, Einkauf, Marketing und Qualität erhoben. Auf dieser Basis werden neue Konzepte entwickelt oder bestehende Lösungen auf ihre Eignung geprüft. Es folgen Testreihen – etwa zu Maschinengängigkeit, Lebensmittelsicherheit, Markenkommunikation oder Preisgestaltung. Parallel wird zumeist mit externen Institutionen geprüft, ob die künftigen Anforderungen der Verpackungsverordnung wie zum Beispiel Recyclingfähigkeit erfüllt sind. 

Je nach Material und Anwendungszweck dauert ein solcher Prozess zwei bis fünf Jahre. Das Ziel ist, möglichst auf bestehenden Anlagen und Produktionstechnologien aufzubauen, um zusätzliche, ausschließlich PPWR-bedingte Investitionen zu vermeiden.

Bleibt noch Interpretationsspielraum, wird sich eine zeitgerechte Umsetzung der Verordnung angesichts der langen Vorlaufzeiten nicht ausgehen – oder nur mit hohen Investitionen, der Vernichtung von Verpackungsmaterial oder gar der Rücknahme von bereits verpackten Lebensmitteln und Getränken.

Portraitfoto von Alexander Eidelpes, Leitung Einkauf, Kotányi GmbH

Alexander Eidelpes, Leitung Einkauf, Kotányi GmbH

Was sollten Unternehmen jetzt prioritär angehen, um PPWR-fit zu werden, und wo braucht es aus Ihrer Sicht noch klarere Leitlinien?

Eidelpes: Da die Umsetzung mit 12. August 2026 unmittelbar bevorsteht, sollte jedes Unternehmen bereits die ersten notwendigen Schritte getan haben. Dazu zählen insbesondere die Erzeugerangabe, die Vorbereitung auf die neue Materialkennzeichnung sowie die Reduktion des Materialeinsatzes, etwa durch weniger Leerraum. Ein wesentlicher Teil der aktuellen Vorbereitung ist auch die Ermittlung und Bereitstellung der erforderlichen Daten für den Austausch mit Lebensmittelhandel, Lieferanten oder Behörden. 

Für fast alle Anforderungen in Artikel 5–12 der PPWR fehlen noch konkrete Vorgaben beziehungsweise Präzisierungen. Das hat sich beispielsweise in der Diskussion zur Erzeugerangabe gezeigt. Etliche Kriterien – etwa zu Materialkennzeichnung, Leerraum, Methode zur Bewertung der Recyclingfähigkeit – sind noch nicht über delegierte Rechtsakte festgeschrieben. Bleibt hier Interpretationsspielraum, wird sich eine zeitgerechte Umsetzung angesichts der langen Vorlaufzeiten nicht ausgehen – oder nur mit hohen Investitionen, der Vernichtung von Verpackungsmaterial oder gar der Rücknahme von bereits verpackten Lebensmitteln und Getränken.

Über Alexander Eidelpes

Mag. Alexander Eidelpes MSc blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in leitenden Positionen in österreichischen Produktionsbetrieben der Lebensmittelindustrie zurück. Nach Abschluss des Studiums der Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien war er in der Funktion als Einkaufsleiter unter anderem bei Mautner Markhof, Senna und Jomo Kuchenbäcker tätig. 
Seit 2011 verantwortet er bei Kotányi den Einkauf von Rohstoffen, Handelswaren und Verpackungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Nachhaltigkeit im Einkauf und Kreislaufwirtschaft – insbesondere auf den Anforderungen an kreislaufwirtschaftsfähige Verpackungen. Darüber hinaus absolvierte Alexander Eidelpes berufsbegleitend das Masterstudium „Packaging Technology and Sustainability" an der Hochschule Campus Wien. Neben seiner Mitwirkung in den ECR-Arbeitsgruppen zu Design for Recycling ist er auch Mitglied des Stakeholder-Konsortiums für die Design for Recycling Guideline der Hochschule Campus Wien und Leiter der Arbeitsgruppe PPWR des Fachverbands der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. 
Alexander Eidelpes ist bei der Kotányi GmbH federführend für die interne Koordination und Begleitung der Umsetzung der Anforderungen der PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) verantwortlich.

  • Interview mit Alexander Eidelpes, Leiter des Einkaufs beim Gewürzunterrnehmen Kotányi, im Juli 2026

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