Frank O’Donnell, General Manager von Coca-Cola HBC Österreich, im Interview.

Foto: Coca-Cola HBC

Menschen

„In Coca-Cola steckt viel Österreich“

Wie wirkt sich die Corona­krise auf Coca-Cola aus und was bewegt die Branche? Frank O’Donnell, General Manager von Coca-Cola HBC Öster­reich, sprach mit der Zeit­schrift „Die Ernährung“ über Pfand, Zucker und den Standort Öster­reich.

Wie haben Sie in einem global tätigen Unternehmen die Coronakrise erlebt?

Frank O’Donnell: Die Coronakrise verschiebt 2020 weltweit die Prioritäten, auch innerhalb des Coca-Cola Systems. Mich hat jedoch in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem begeistert, mit welchem Engagement und welcher Solidarität alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeden Tag ihr Bestes gegeben haben, um nicht nur das Unternehmen zu unterstützen, sondern vor allem auch die Gemeinschaft hier in Österreich.

Welche Maßnahmen haben Sie speziell in Österreich gesetzt?

O’Donnell: Als führendes Unternehmen in der heimischen Lebensmittel- und Getränkeindustrie sind wir Teil der kritischen Infrastruktur des Landes – damit geht für uns eine große Verantwortung einher. Unser gesamtes Team ist unermüdlich im Einsatz, um für unsere Kunden und Partner da zu sein und unsere Konsumentinnen und Konsumenten mit unseren Produkten zu versorgen. Dabei stehen die Sicherheit und das Wohlbefinden unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie unserer Partner an erster Stelle. Wir haben – analog zu den Vorgaben der Bundesregierung – daher zu jeder Zeit höchste Sicherheits- und Hygienestandards befolgt und gegebenenfalls neue Maßnahmen eingeführt.

Welche Änderungen werden Sie voraussichtlich beibehalten?

O’Donnell: Wir alle sind schneller, digitaler und innovativer geworden. Bestimmte Routinen wurden ersetzt oder obsolet. Gemeinsam mit dem Leadership-Team werden wir uns ansehen, welche neu entstandenen Arbeitsweisen wir beibehalten wollen.

Die EU fördert die Multikulturalität und gleichzeitig die stetige Weiterentwicklung des heimischen Geschäfts- und Freizeittourismus. Österreich hat im Laufe der Jahre durch seine optimale Lage im Zentrum Europas hier besonders profitieren können.

Frank O’Donnell, General Manager von Coca-Cola HBC Österreich, im Interview.

Frank O’Donnell, General Manager von Coca-Cola HBC Österreich

Heuer wird der EU-Binnenmarkt 25 Jahre alt. Welche Vorteile sehen Sie in diesem harmonisierten Markt?

O’Donnell: Unser Unternehmen steht für lokale Stärke und eine internationale Verbindung zu Schwesterunternehmen in weiteren 27 Ländern. Es ist großartig zu sehen, dass viele EU-Bürgerinnen und -Bürger die Freizügigkeit innerhalb der EU nutzen. Sie fördert die Multikulturalität und gleichzeitig die stetige Weiterentwicklung des heimischen Geschäfts- und Freizeittourismus. Österreich hat im Laufe der Jahre durch seine optimale Lage im Zentrum Europas hier besonders profitieren können.

Wie stehen Sie zum Thema Pfand für Getränkeflaschen, das in Österreich gerade intensiv diskutiert wird?

O’Donnell: Unsere Vision einer „World Without Waste“ sieht eine Sammelquote für primäre Getränkeverpackungen von 100 Prozent bis 2030 vor. Auch die EU-Vorgaben verlangen eine Quote von 90 Prozent bis 2029. Wir sind daher offen für das beste System, das uns schnellstmöglich zu einer 100-prozentigen Sammelquote in Österreich bringt, dabei für die Verbraucherinnen und Verbraucher convenient ist und auch die Verfügbarkeit der Materialien in einer hohen Qualität sicherstellt.

Wir sind offen für das beste System, das uns schnellstmöglich zu einer 100-prozentigen Sammelquote in Österreich bringt, dabei für die Verbraucherinnen und Verbraucher convenient ist und auch die Verfügbarkeit der Materialien in einer hohen Qualität sicherstellt.

Frank O’Donnell, General Manager von Coca-Cola HBC Österreich, im Interview.

Frank O’Donnell, General Manager von Coca-Cola HBC Österreich

Wie sehen Sie die Diskussion um Zucker im Allgemeinen und bei alkoholfeien Erfrischungsgetränken im Besonderen?

O’Donnell: Eine moderate Aufnahme ist vollkommen in Ordnung, zu viel Zucker ist für niemanden gut. Wir unterstützen die Empfehlung der WHO, dass maximal 10 Prozent der täglichen gesamten Energiezufuhr aus Zucker stammen sollen und nehmen hier auch unsere Verantwortung wahr: Wir möchten unsere Konsumentinnen und Konsumenten dabei unterstützen, ihren Zuckerkonsum einzuschränken. Das erreichen wir, indem wir zum Beispiel laufend Rezepte bestehender Getränke verbessern, neue Getränke mit weniger oder ohne Zucker auf den Markt bringen, transparente Informationen zu unseren Produkten bieten und verantwortungsvolles Marketing machen.

Dass wir unsere Bemühungen sehr ernst nehmen und erfolgreich umsetzen, sieht man zum Beispiel an der Zuckerreduktion in Limonaden von minus 10 Prozent von 2015 bis 2020 gemeinsam mit der Europäischen Softdrink-Industrie. Und das zusätzlich zu einer bereits erfolgten Zuckerreduktion von minus 12 Prozent in Europa von 2000 bis 2015.

Speziell in Österreich unterstützen wir die auch vom Gesundheitsministerium unterschriebene Absichtserklärung zur Salz- und Zuckerreduktion und verpflichten uns damit, zwischen 2015 und 2025 insgesamt 15 Prozent des Zuckers aus unseren alkoholfreien Erfrischungsgetränken zu nehmen. Damit leisten wir unseren Beitrag, den Anteil von Limonaden an der gesamten Energieaufnahme in Österreich von derzeit durchschnittlich etwa 3 Prozent weiter zu reduzieren.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Märkten, wo eine Zuckersteuer oder ähnliche Vorgaben existieren? Hat sich dort der von den Regierungen vorgesehene Steuerungseffekt ergeben?

O’Donnell: Großbritannien und Mexiko haben beispielsweise Steuern auf zuckerhaltige Getränke eingeführt. In beiden Fällen handelt es sich um rein populistische Maßnahmen mit geringem Effekt. Übergewicht ist ein komplexes Problem, bei dem viel mehr Komponenten als nur ein Nährstoff oder ein Lebensmittel zusammenwirken. Wir sprechen uns ganz klar gegen solche selektiven Steuern auf einzelne Lebensmittel aus. Der Anteil der aufgenommenen Kalorien ausschließlich durch Limonaden macht nur einen Bruchteil der gesamten Energieaufnahme aus. In Mexiko etwa konnten durch die Steuer 6 kcal pro Tag eingespart werden – und das bei einer durchschnittlichen Kalorienaufnahme von mehr als 3.000 kcal pro Tag.

Wir sind davon überzeugt, dass es viel effektivere Wege gibt, um Zucker zu reduzieren als durch Steuern. Laut Mc Kinsey Global Institute gehören kleinere Portionsgrößen und die Reformulierung von Rezepturen zu den effektivsten Möglichkeiten, Übergewicht zu bekämpfen.

Und wie stehen Sie zu einer Zuckersteuer in Österreich?

O’Donnell: Wir leisten als Teil der Getränkeindustrie bereits einen wichtigen Beitrag zu Österreichs Wirtschaft – wir produzieren in Österreich, zahlen Steuern und sichern tausende Arbeitsplätze. Eine Studie aus dem Jahr 2017 zeigt: Im Coca-Cola System arbeiten etwa 1.000 Menschen, außerdem sichern wir ungefähr 11.000 weitere Jobs entlang unserer Wertschöpfungskette. Von jedem Euro, der für unsere Getränke ausgegeben wird, gehen 74 Cent an Einkommen nach Österreich. Im Jahr 2016 trug Coca-Cola 774 Millionen Euro zum BIP bei, davon entfielen fast 400 Millionen Euro auf Steuern. Eine Zuckersteuer erzeugt einen direkten Schaden für den Konsumenten durch höhere Preise, bringt Arbeitsplatzverluste für die Wirtschaft sowie Verluste für lokale Rohstofflieferanten wie Rübenbauern.

Eine Zuckersteuer erzeugt einen direkten Schaden für den Konsumenten durch höhere Preise, bringt Arbeitsplatzverluste für die Wirtschaft sowie Verluste für lokale Rohstofflieferanten wie Rübenbauern.

Frank O’Donnell, General Manager von Coca-Cola HBC Österreich, im Interview.

Frank O’Donnell, General Manager von Coca-Cola HBC Österreich

Welche Bedeutung hat für Sie der Standort Österreich?

O’Donnell: 2019 feierten wir 90 Jahre Coca-Cola in Österreich. Im Jahr 1929 wurden rund 8.000 Liter Coca-Cola abgefüllt, mittlerweile sind daraus mehr als 500 Millionen Liter pro Jahr und rund 60 verschiedene Getränke geworden. Produziert werden die Erfrischungen vorrangig im Produktions- und Logistikzentrum im burgenländischen Edelstal. Damit beweisen wir auch über 90 Jahre später: Es steckt mehr Österreich in Coca-Cola, als man denkt! Unsere lokale Produktion, unser Beitrag zur österreichischen Wirtschaft und unsere langjährigen Kunden- und Konsumentenbeziehungen basieren auf verantwortungs- und vertrauensvollem Handeln innerhalb des Coca-Cola Systems.

Was würden Sie sich von der Bundesregierung wünschen?

O’Donnell: Die österreichische Regierung hat in den vergangenen Wochen und Monaten einen sehr guten Job gemacht, Leadership gezeigt und uns durch die Coronakrise geführt. Generell ist es wichtig, dass die Regierung einen offenen, transparenten, aktiven und produktiven Austausch mit Unternehmen und der Wirtschaft führt, um Österreich als Wirtschaftsstandort weiter zu stärken.

Was ist Ihr Lieblingsgericht?

O’Donnell: Ein saftiges Steak, ein Burger oder ein Schnitzel mit einem eiskalten Coca-Cola in einem der vielen erstaunlichen Lokale unserer Kunden – das ist die perfekte Kombination.

Weitere Informationen zum Unternehmen: coke.at

Über Frank O’Donnell

Frank O’Donnell ist seit 2016 General Manager von Coca-Cola HBC Österreich. Ab September 2020 wechselt er als General Manager zu Coca-Cola HBC Italien. Sein Nachfolger in Österreich wird der bisherige Sales Director Herbert Bauer.

O‘Donnell hat die National University of Ireland in Galway absolviert. Der gebürtige Ire ist seit 25 Jahren Teil des Coca-Cola Systems. Er hatte verschiedene Führungspositionen inne – unter anderem als Sales Director und General Manager von Coca-Cola HBC Irland sowie als General Manager von Coca-Cola HBC Tschechien & Slowakei.

  • Dieses Interview ist die gekürzte Version eines Beitrags aus der Zeitschrift „Die Ernährung“, Volume 44, 3/2020. Die sechs Mal jährlich erscheinende Fachzeitschrift informiert über aktuelle Entwicklungen bei Lebensmitteln in den Bereichen Wissenschaft, Recht, Technologie und Wirtschaft. Das gesamte Gespräch sowie Informationen zum Abo finden Sie hier: ernaehrung-nutrition.at.

Wir empfehlen diese Artikel zum Weiterlesen