Biologisch abbaubare Biokunststoffe müssen sich unter definierten Bedingungen in einem bestimmten Zeitraum zersetzen.

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Verantwortung

Kreislauf­wirtschaft braucht eine ganz­heitliche Sicht

Rohstoffe im Kreislauf halten, Res­sourcen effizient nutzen und das Klima schützen: Diese Ziele verfolgt die Kreislauf­wirtschaft. Was das für Lebens­mittel- und Getränke­verpackungen in Öster­reich bedeutet, lesen Sie hier.

Vom Mehrweg-Glasbehälter bis zur Getränkeflasche aus dem Material gesammelter PET-Flaschen: Wertvolle Rohstoffe aus Lebensmittel- und Getränkeverpackungen möglichst lange im Stoffkreislauf zu halten, wird immer wichtiger. Neben ökologischen Zielen muss die Kreislaufwirtschaft aber viele weitere Faktoren einbeziehen. Es gilt, die nachhaltig beste Lösung für Umwelt und Wirtschaft sowie Konsumentinnen und Konsumenten zu entwickeln.

Kurz erklärt: Was ist Kreislaufwirtschaft?

Die Kreislaufwirtschaft (auch: Circular Economy) ist ein regeneratives System von Produktion und Verbrauch. Der Grundgedanke: Hat ein Produkt das Ende seiner Lebensdauer erreicht, so bleiben die Ressourcen und Materialien so lang wie möglich in einem geschlossenen Stoffkreislauf erhalten. Dabei kommt dem Recycling von Gütern eine Schlüsselfunktion zu. Durch die Kreislaufwirtschaft werden Rohstoffe bestmöglich genutzt und Abfälle reduziert.

Neue weltweite und europäische Vorgaben

Bereits die 2015 verabschiedeten Sustainable Development Goals der UN peilten den Übergang von einer Linear- zu einer Kreislaufwirtschaft an. Seit Juli 2018 ist das EU-Kreislaufwirtschaftspaket in Kraft. Es baut auf verschiedenen Rechtsvorschriften auf – darunter die EU-Abfallrahmenrichtlinie und die EU-Verpackungsrichtlinie. Ziel dieses Pakets ist, die Europäische Union bis 2030 zu einer Kreislaufwirtschaft zu machen. Der Aktionsplan umfasst 54 Maßnahmenfelder, von der Produktgestaltung bis zur Entsorgung und Verwertung von Verpackungen.

Im Frühjahr 2019 trat zusätzlich die EU-Einwegkunststoff-Richtlinie (Single-Use Plastics Directive, SUP) in Kraft. Sie soll die Meere schützen, beim Vermeiden von Littering (Vermüllung) helfen und hochwertiges Kunststoffrecycling fördern. Am weitreichendsten sind die Vorgaben für Kunststoffverpackungen. Darüber hinaus wurden auch zahlreiche andere Einwegkunststoffprodukte – von Trinkhalmen bis zu Wattestäbchen – einbezogen.

Videotipp: Reparieren, wiederverwenden und recyceln

Fünf Tonnen Abfall pro Person und Jahr: Dieses Video des Europäischen Parlaments zeigt, warum die Kreislaufwirtschaft so wichtig ist. Video: Europäisches Parlament

Kreislaufwirtschaft und Recycling in Österreich

Die neuen EU-Vorgaben müssen bis Juli 2021 in österreichisches Recht umgesetzt werden. Schon heute liegt unser Land in Sachen Abfallwirtschaft und Recycling im EU-Spitzenfeld: So sparen wir in Österreich durch Verpackungsrecycling jährlich an die 700.000 Tonnen CO₂-Äquivalente ein. Für die Packstoffe Papier, Glas und Metall erfüllen wir bereits die neuen EU-Ziele für 2025 und sind auf einem guten Weg für 2030.

Nachholbedarf gibt es vor allem bei Kunststoffverpackungen – aktuell wird erst ein Viertel recycelt. Um das EU-Ziel einer 50-Prozent-Recyclingquote bis 2025 zu erfüllen, muss der Verwertungsanteil in Österreich in den kommenden fünf Jahren verdoppelt werden. Zusätzlich ist bei getrennt gesammelten PET-Getränkeflaschen 2025 erstmals eine eigene Quote von 77 Prozent zu erreichen. Und bis 2029 müssen neun von zehn PET-Flaschen gesammelt werden. Diese Herausforderung lässt sich nur meistern, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen – Verpackungs- und Lebensmittelhersteller, Handel und Bevölkerung, Entsorgungswirtschaft und Gemeinden ebenso wie Verwaltung und Forschung.

EU-Recyclingziele und Ist-Stand Österreich 2017

Material

Österreich:
Recyclingquote 2017

EU:
Recyclingquote 2025

EU:
Recyclingquote 2030

Alle Verpackungen

66 %

65 % (erfüllt)

70 %

Papier

85 %

75 % (erfüllt)

85 % (erfüllt)

Glas

84 %

70 % (erfüllt)

75 % (erfüllt)

Metalle

86 %

Fe-Metall: 70 % (erfüllt)

Alu: 60 % (erfüllt)

Re-Metall: 80 % (erfüllt)

Alu: 60 % (erfüllt)

Kunststoffe

25 %

50 %

55 %

Bei den Packstoffen Papier, Glas und Metall ist Österreich im EU-Vergleich bereits auf einem guten Weg. Bei Kunststoff muss die Recyclingquote noch erhöht werden. Quelle: Altstoff Recycling Austria AG (ARA): Rohstoff Kunststoff (September 2019)

Das Ziel ist die optimale Gesamtlösung

Derzeit werden vor allem Einzelaktionen wie ein Pfand für PET-Getränkeflaschen öffentlich diskutiert. Laut der ARA als größtem österreichischen Altstoffrecyclingunternehmen könnten mit der Einführung eines solchen Pfands knapp 8.000 Tonnen an Material gewonnen werden.

Doch die Kreislaufwirtschaft ist in einem umfassenderen Kontext zu sehen. Bis 2035 muss Österreich in Summe 65 Prozent der Siedlungsabfälle recyceln – dazu fehlen aus heutiger Sicht noch rund 350.000 Tonnen, obwohl unser Land beim Recycling bereits im EU-Spitzenfeld liegt. Verpackungen von Lebensmitteln und Getränken sind nur ein Teil davon. Um ein zielführendes Modell umzusetzen, gilt es jedoch, ein Gesamtoptimum zu entwickeln: also eine wirtschaftlich vernünftige, ökologisch nachhaltige und gesellschaftlich akzeptierte Lösung.

Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen

Dazu muss auf verschiedenen Ebenen angesetzt werden. Ein wesentlicher Hebel ist die Vereinfachung der getrennten Sammlung von Verpackungen – beispielsweise in einem österreichweit einheitlichen Sammelsystem für Kunststoff- und Metallverpackungen. Parallel dazu müssen die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert und das Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten für das Mülltrennen im Haushalt verstärkt werden.

Zudem ist es erforderlich, alle technischen Möglichkeiten optimal zu nutzen: von neuen High-tech-Sortierverfahren für Restmüll bis zur Digitalisierung von Prozessen. Dem Circular Packaging Design – also der Gestaltung ressourcenschonender und recyclingfähiger Verpackungen – kommt künftig noch ein viel größerer Stellenwert zu. Damit verbunden muss auch die Akzeptanz der Konsumentinnen und Konsumenten für Güter aus Sekundärrohstoffen erhöht werden. Bei der Kreislaufwirtschaft geht es um das große Ganze: Nur wenn alle unterschiedlichen Faktoren einbezogen werden, kann der nachhaltige Verpackungskreislauf – von Produktdesign bis zur Verwertung der enthaltenen Rohstoffe – in Schwung kommen.

Doch auch abseits des „Siedlungsmülls“ ist die Rückführung von Stoffen in den Kreislauf wichtig. Der erste von „Circle Economy“ im Auftrag der Altstoff Recycling Austria AG (ARA) erstellte Circularity Gap Report Austria vom Juni 2019 zeigt: Erst 10 Prozent unseres gesamten Ressourcenverbrauchs (Metalle, Mineralstoffe, Biomasse und fossile Energieträger) werden durch Recyclingrohstoffe gedeckt.