Ganze und halbierte Palmölfrüchte liegen auf einem braunen Untergrund.

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Verantwortung

Palmöl im Faktencheck

Dieses Thema bringt viele auf die Palme: Kaum ein Pflanzenfett erhält so viel Aufmerksamkeit wie Palmöl. Von Trans-Fetten bis zu nachhaltigem Anbau – „Österreich isst informiert“ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Ob in Lebensmitteln, Kosmetika oder im Treibstoff: Der Rohstoff Palmöl ist unser täglicher Begleiter. Dennoch steht das tropische Öl immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik. Ist Palmöl im Essen ungesund? Wie lässt sich ein nachhaltiger Anbau für Mensch und Natur fördern? Und was geben andere Pflanzenöle als Alternativen her? Hier erhalten Sie die wichtigsten Fakten rund um das Thema Palmöl.

Woher stammt Palmöl?

Sie wird bis zu 30 Meter hoch und hat es gerne tropisch warm: Die Ölpalme zählt zu den wichtigsten Ölpflanzen der Welt. Mit fast einem Drittel Marktanteil ist Palmöl vor Sojaöl das meistproduzierte Pflanzenöl der Welt. Heute wird die Ölpalme in tropischen Regionen kultiviert – vor allem in Asien, Afrika und Südamerika: 85 Prozent des weltweit produzierten Palmöls kommen aus Indonesien und Malaysia. Der größte Teil davon wird in den Anbauländern selbst und in benachbarten Regionen Asiens verbraucht.

Wie wird Palmöl hergestellt?

Auf einer Ölpalme wachsen bis zu 6.000 Früchte. Das Palmöl wird aus ihrem Fruchtfleisch gewonnen. Dafür werden die Palmfrüchte in Mühlen gepresst. Früchte und Öl haben wegen ihres hohen Gehalts an Beta-Carotin eine rötliche Färbung. Diese geht beim späteren Raffinieren verloren. Aus den Kernen der Ölfrüchte wird zudem Palmkernöl und Palmkernmehl gewonnen. Dafür werden die Kerne getrocknet, gemahlen und dann gepresst.

Worin ist Palmöl überall enthalten?

Kaum ein Rohstoff lässt sich so vielseitig einsetzen wie Palmöl. In Europa landet rund ein Drittel des verwendeten Palmöls auf unseren Tellern. Laut der European Federation for Transport and Environment wird nahezu die Hälfte (45 Prozent) als Biosprit vertankt, 16 Prozent fließen in Energiegewinnung für Strom und Wärme, mit dem Rest werden Produkte wie Seifen, Waschmittel oder Kosmetika hergestellt. Weltweit entstehen jedes Jahr rund 60 Millionen Tonnen Palmöl. Europa importiert davon etwa 11 Prozent, 4 Prozent der globalen Menge werden in der europäischen Lebensmittelindustrie eingesetzt.

EU: Das meiste Palmöl fließt in Biosprit

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Warum wird Palmöl in der Lebensmittelherstellung verwendet?

Das Aroma von rohem Palmöl ist kräftig und charakteristisch. Es wird traditionell in der karibischen und afrikanischen Küche für Suppen und Eintöpfe eingesetzt. Aufgrund seiner positiven Eigenschaften hat raffiniertes Palmöl auch in der Lebensmittelindustrie seit über 100 Jahren einen festen Platz: Es ist ein hochwertiges Fett für die Herstellung von Lebensmitteln. Palmöl ist tierischen Fetten wie Butter oder Schmalz überlegen: Es lässt sich einfach verarbeiten, ist hitzestabil, geschmacksneutral und lang haltbar. Im Gegensatz zu tierischen Fetten wird Palmöl nicht so rasch ranzig. So bleiben Produkte wie Backwaren, Kekse oder Streichfette länger genießbar.

Wie ist Palmöl ernährungsphysiologisch zu bewerten?

Palmöl setzt sich je zur Hälfte aus gesättigten und ungesättigten Fettsäuren zusammen und teilt sich bereits bei Zimmertemperatur in seine flüssige und feste Fraktion. Durch den Einsatz von Palmfett können daher gehärtete Fette ersetzt und damit der Anteil an Trans-Fettsäuren in Lebensmitteln reduziert werden. Das ist wesentlich, weil die österreichische Trans-Fettsäuren-Verordnung die Herstellung von Lebensmitteln, die mehr als 2 Prozent Trans-Fettsäuren enthalten, verbietet. Kokosfett dagegen kann oftmals nicht verwendet werden, weil es bereits bei 24 Grad Celsius flüssig wird (und daher gehärtet werden müsste). Anderen festen Fetten mit ähnlichen Einsatzmöglichkeiten wie Butter oder Kokosfett ist Palmöl ernährungsphysiologisch sogar überlegen.

Welche unerwünschten Stoffe können bei der Herstellung von Palmöl entstehen?

Bei der Erzeugung von pflanzlichen Ölen können unerwünschte Stoffe entstehen – sogenannte Fettsäureester. Die Raffination ist ein wichtiger Herstellungsschritt, um unangenehme und bittere Geruchs- und Geschmacksstoffe zu entfernen. Dabei können sich MCPD-Fettsäureester (ab 150 °C) und Glycidyl-Fettsäureester (ab 200 °C) bilden. Das trifft jedoch nicht nur auf Palmöl zu, sondern auf alle raffinierten pflanzlichen Fette und Öle. Die österreichische Lebensmittelindustrie arbeitet seit Jahren daran, den Gehalt dieser unerwünschten Stoffe zu reduzieren. Das ist auch gelungen, wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigt hat. So wurden bereits zwischen 2010 und 2015 die Glycidyl-Ester in Palmöl um die Hälfte reduziert.

Sind österreichische Lebensmittel mit Palmöl gesundheitlich sicher?

Laut aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind Produkte mit Palmöl sicher – und somit für Konsumentinnen und Konsumenten unbedenklich genießbar. Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) und die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) arbeiten laufend an Risikobewertungen. Die EU hat jüngst Grenzwerte für Glycidyl-Fettsäureester festgesetzt – unter anderem für Kindernahrungsmittel (Verordnung (EU) 2018/290). Diese sind in der österreichischen Öl- und Fettproduktion vielfach bereits umgesetzt. Die EFSA hat eine aktualisierte Risikobewertung für 3-MCPD veröffentlicht und eine täglich tolerierbare Aufnahmemenge (TDI) von 2 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt. Die österreichischen Lebensmittelproduzenten behalten alle geplanten Neuerungen sorgsam im Auge, um diese rechtzeitig umzusetzen.

Kann Palmöl ökologisch und sozial vertretbar sein?

In der österreichischen Lebensmittelherstellung wird zunehmend Palmöl aus nachhaltigem und zertifiziertem Anbau eingesetzt. Damit werden der Naturschutz und die Rahmenbedingungen für Arbeiterinnen und Arbeiter in den Anbauländern sowie der Schutz bedrohter Tierarten gefördert und kontrolliert. Zu den bekanntesten Zertifikaten zählt das von der Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) initiierte RSPO (Round Table on Sustainable Palm Oil). Dabei werden Umweltschutz, soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit berücksichtigt. Auch Organisationen wie ESPOAG (European Sustainable Palm Oil Advocacy Group) und FONAP (Forum nachhaltiges Palmöl) haben die Weiterentwicklung des RSPO auf ihrer Agenda.

Lässt sich Palmöl durch andere Öle ersetzen?

Weder in der Lebensmittelindustrie noch in den anderen Anwendungsbereichen gibt es DIE sinnvolle Alternative zu Palmöl. Bis 2050 werden etwa 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Um die wachsende Erdbevölkerung zu ernähren, führt derzeit kein Weg an Palmöl vorbei. Den Rohstoff einfach mit anderen pflanzlichen Ölen zu ersetzen, ist sogar kontraproduktiv. Denn Öle aus Sonnenblumen oder Raps benötigen fünfmal so viel Anbaufläche für die gleiche Ölmenge. Wir bräuchten also um ein Vielfaches größere Anbaugebiete, um den Bedarf zu decken. Nachhaltig angebaut, ist Palmöl ressourcenschonender als andere Öle – ein wichtiger Aspekt in Hinblick auf schrumpfende Agraranbauflächen.

Ölpalmen benötigen die geringste Anbaufläche

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Warum ist es wichtig, den nachhaltigen Anbau von Palmöl zu fördern?

Der immer wieder geforderte komplette Verzicht auf Palmöl in der Lebensmittelherstellung ist weder aus ökologischer, noch aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht sinnvoll. Ölpalmen haben den höchsten Ertrag im Vergleich zu anderen Ölpflanzen. Die Palmölproduktion ist für viele Länder ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und sichert die Lebensgrundlage von Millionen Menschen. Das Ziel muss daher sein, den nachhaltigen Anbau zu fördern. Importländer wie Österreich müssen sich dafür einsetzen, dass Mindeststandards in den Herkunftsländern eingehalten und stetig weiterentwickelt werden. Auch die Konsumentinnen und Konsumenten können einen Beitrag für eine nachhaltige Produktion leisten: indem sie bewusst einkaufen und bei entsprechenden Produkten zertifizierte Ware wählen.

  • Faktencheck Palmöl. Artikel in der Zeitschrift „Die Ernährung“, Volume 42, 01/2018
  • forum. ernährung heute: Palmöl – mehr Einsatz für Nachhaltigkeit. Presseaussendung vom 23. Mai 2017
  • Glatter-Götz, Helene/WWF Österreich: Palmöl – ökologische Aspekte. f.eh im Dialog: Reden wir über Palmöl, 19. April 2018 (abgerufen am 20. Juni 2018)
  • Rauch, Florian: Palmöl und andere Öle. f.eh im Dialog: Reden wir über Palmöl, 19. April 2018 (abgerufen am 20. Juni 2018)
  • Schönlechner, Regine/BOKU Wien: Palmöl/-fett aus Sicht der Technologie. f.eh im Dialog: Reden wir über Palmöl, 19. April 2018 (abgerufen am 20. Juni 2018)