Wälder und Wasser - hier eine Bachlandschaft in Österreich - sind schützenswerte Ressourcen in der Lebensmittelkette.

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Verantwortung

Best Practice: Ökologische Nach­haltigkeit in der Lebens­mit­tel­kette

Von Initiativen gegen Entwald­ung bis zum Wasser­schutz: Wie Nach­haltigkeit entlang der Liefer­kette funktioniert, zeigen Best Practice-Beispiele der öster­reichischen Lebens­mit­tel­industrie.

Nachhaltigkeit spielt entlang der gesamten Lebensmittelkette eine große Rolle. Die Unternehmen der Lebensmittelindustrie setzen zahlreiche Initiativen. Damit unterstützen sie die Ziele des Europäischen Green Deal und der „Vom Hof auf den Tisch“-Strategie für ein faires, gesundes und umweltfreundliches Lebensmittelsystem.

Kurz erklärt: Das geplante „EU-Lieferkettengesetz“

Im Rahmen der Rückverfolgbarkeit sind Lebensmittelunternehmer gesetzlich dazu verpflichtet, ihre unmittelbaren Vorlieferanten und Abnehmer in der Lebensmittelkette zu dokumentieren. Ein im Februar 2022 veröffentlichter Regelungsvorschlag der EU-Kommission zielt auf eine erhebliche Erweiterung der unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten ab. Konkret soll ein „EU-Lieferkettengesetz“ (Entwurf einer EU-Richtlinie über unternehmerische Sorgfaltspflichten in Lieferketten) Unternehmen dazu verpflichten, Informationen über den Schutz der Umwelt sowie die Einhaltung von Menschen- und Kinderrechten weiterzugegeben. Missstände müssen zurückverfolgt und wo möglich von vornherein vermieden oder ab Kenntniserlangung abgestellt werden. Auch eine Haftung von Lebensmittelunternehmen für Schäden, die aus der Nichteinhaltung der Vorgaben resultieren, wurde vorgeschlagen.

Dabei sollen die Unternehmen nicht nur für ihre direkten Lieferanten und Abnehmer, sondern für Produktionsverfahren und Arbeitsbedingungen entlang der gesamten (globalen) Wertschöpfungskette verantwortlich sein. Insbesondere vor diesem Hintergrund wird der Entwurf kontroversiell diskutiert: Während dieser einigen Interessensgruppen zu wenig weit geht, kritisieren andere, dass eine Verantwortungsübernahme für die gesamte Wertschöpfungskette den Wirkungsbereich der Unternehmen übersteigt und zu großen bürokratischen Hürden führen würde.

Beispiel: Wälder nachhaltig nutzen

Der Schutz der Wälder spielt eine Schlüsselrolle im Kampf gegen den Klimawandel. Wälder speichern nicht nur CO2, sondern sind mit ihren vielen Tier- und Pflanzenarten auch zentral für die Biodiversität. Die Verringerung der Entwaldung ist ein wesentlicher Teil der EU-Forststrategie: Im Blickpunkt: Der europäische Grüne Deal. Die heimischen Lebensmittelhersteller setzen sich für eine nachhaltige Waldnutzung, Maßnahmen gegen Entwaldung und Wiederaufforstungsprogramme ein. Das betrifft sowohl heimische Wälder als auch Waldgebiete weltweit.

Der Erhalt der Wälder - wie hier der Regenwald - und die Vermeidung von Abholzungen sind zentral für eine nachhaltige Lieferkette.

Der Erhalt der Wälder – wie hier der Regenwald – und die Vermeidung von Abholzungen sind zentral für eine nachhaltige Lieferkette. Foto: Gustavo Frazao / Shutterstock

Best Practice: Schutz von Wäldern

An Wiederaufforstungsprogrammen zum Schutz der österreichischen Wälder beteiligen sich beispielsweise die Brau Union oder NÖM. Der Mineralwasserproduzent Waldquelle veranstaltet Baumpflanzaktionen: Allein im Wiener Schottenwald wurden 700 Setzlinge von Elsbeerbäumen und Traubeneichen gepflanzt.

Über die Grenzen Österreichs hinaus beteiligt sich Kartoffel-Tiefkühlspezialist 11er am Projekt „Maísa REDD +“. Ziele sind die Erhaltung des Regenwaldes, die Reduktion von Emissionen, nachhaltige Waldbewirtschaftung sowie der Aufbau kleinbäuerlicher Landwirtschaftsstrukturen und damit die Förderung der Biodiversität. Bei Entscheidungen werden lokale Gemeinden eingebunden. Das Projekt spart jährlich über 67.000 Tonnen CO2 ein.

Der Fruchtsafthersteller Rauch hat das Projekt „Rauch Juice Bar Wald“ ins Leben gerufen. Zum Ausgleich von CO2-Emissionen im Jahr 2021 setzte das Unternehmen bereits 220 Bäume der Arten Greyvillea und Macadamia in Kolumbien, Ecuador, Kenia, Tansania und Haiti. In Uganda werden gemeinsam mit den Einwohnerinnen und Einwohnern Obstbäume gepflanzt.

Multinationale Unternehmen wie Mars, Unilever oder Nestlé setzen sich für komplett abholzungsfreie Lieferketten ein. Nestlé hat etwa die Lieferanten der wichtigsten Rohstoffe verpflichtet, komplett entwaldungsfrei zu agieren. Bis 2030 will das Unternehmen zusammen mit Organisationen wie One Tree Planted und EcoPlanet Bamboo – unter anderem auf den Philippinen – 200 Millionen in der jeweiligen Region heimische Bäume pflanzen.

Beispiel: Nachhaltiger Umgang mit der Ressource Wasser

Die sparsame und intelligente Nutzung von Wasser ist vor allem in Regionen mit erschwertem Zugang zu sauberem Trinkwasser wesentlich. Der verantwortungsvolle Einsatz und Verbrauch des kostbaren Guts erfolgt durch moderne Technik und innovative Projekte. Neben dem Engagement der Lebensmittelhersteller bei Wasserschutzprogrammen spielt auch die Schaffung von Schongebieten eine wichtige Rolle.

Wasserschutz schont die kostbare Ressource - hier eine natürliche Quelle in den Alpen.

Wasserschutz schont die kostbare Ressource – hier eine natürliche Quelle in den Alpen. Foto: by paul / Adobe Stock

Best Practice: Wasser- und Quellschutz

Der Fruchtsafthersteller Rauch unterstützt in Ost-Uganda das österreichische Social Business HELIOZ. Mithilfe von UV-Strahlung wird sauberes Trinkwasser für etwa 50.000 Menschen in den ländlichen Regionen Ost-Ugandas gewonnen: Ein solarbetriebenes UV-Messgerät zeigt an, ab welchem Zeitpunkt Wasser in PET-Flaschen durch Sonnenlicht desinfiziert und trinkbar ist. Auch die Brau Union setzt sich für den bewussten Einsatz von Wasser in Gebieten mit schwieriger Versorgungslage sowie die Wiederherstellung von Augebieten ein. Unilever implementiert bis 2030 Wasserschutzprogramme an 100 Standorten mit eingeschränktem Zugang zu Wasser – darunter sind Länder wie Indonesien, Brasilien, Südafrika und die Türkei. In Kooperation mit der Alliance für Water Stewardship (AWS) werden Maßnahmen für die Wiederverwendung von Brauchwasser und Wassersicherheit gesetzt.

Auch viele Mineralwasserhersteller engagieren sich für den Wasserschutz. Starzinger verwendet das Programm CIP (Cleaning in Place), das durch computergestütztes Zu- und Abwassermanagement Ressourcen spart und damit schont. Vöslauer hat zum nachhaltigen Schutz der Mineralwasserquellen gemeinsam mit den Gemeinden Bad Vöslau und Baden in Niederösterreich einen Antrag für die Schaffung eines Schongebiets gestellt. Römerquelle wurde bereits 2014 mit dem European Water Stewardship Zertifikat in Gold ausgezeichnet und trägt seit 2019 den Alliance für Water-Stewardship-Standard (AWS) – eine Bestätigung für zahlreiche nachhaltige Initiativen zur Schonung der Ressource Wasser.

Der Gemeinschaftsverpfleger GOURMET setzt für Kühlzwecke ausschließlich Wasser aus dem hauseigenen Brunnen ein und spart so Trinkwasser. Zur optimalen Dosierung von Wasser werden Impulswasserzähler verwendet. Der Süßwarenerzeuger Loacker optimiert die Wasserverteilung durch ein unterirdisches Bewässerungssystem und nutzt Niederschlagswasserbecken, um Verschwendung vorzubeugen.

Abwasser ist ebenfalls eine wertvolle Ressource, die von den Lebensmittelherstellern bestmöglich genutzt wird: Mit Hilfe einer eigenen Abwasser-Aufbereitungsanlage wird bei 11er das aufbereitete Abwasser direkt wieder in der Produktion eingesetzt. Beim Zuckerhersteller AGRANA wird das für die Entladung und Reinigung der Zuckerrüben benötigte Schwemmwasser in einem Schwemmwasserkreislauf geführt: es wird gereinigt und wiederverwendet.

Beispiel: Umweltinitiativen in Österreich und weltweit

Schon bei der Beschaffung spielt der nachhaltige Umgang mit Agrarrohstoffen eine große Rolle. Viele Unternehmen der Lebensmittelindustrie achten auf nachhaltig zertifizierte Rohstoffe. Die Lebensmittelhersteller setzen sich so für den Schutz der heimischen Natur und Umwelt ein.

Best Practice: Saubere Berge und Flurreinigungsaktionen

Der Limonadenhersteller Almdudler engagiert sich für den Österreichischen Alpenverein und die Alpenvereinsjugend und rief das „Manifest der Sauberen Berge“ ins Leben. Coca- Cola HBC Austria ist seit 2019 Partner von „Wir räumen auf: Miteinand!“. Dabei beteiligen sich Mitarbeitende gemeinsam an Flurreinigungsaktionen und befassen sich mit korrektem Mülltrennen.

Darüber hinaus werden zahlreiche Initiativen gesetzt, um die Umwelt und das Klima in den Anbauländern und vielen weiteren Gebieten weltweit zu schützen.

Best Practice: Renaturierung, plastikfreie Ozeane und nachhaltiger Anbau

Mars hat für den Wiederaufbau von Korallenriffen in Indonesien, Australien und Mexiko die Initiative MARRS (Mars Assisted Reef Restoration System) gegründet. Zudem betreibt das Unternehmen als Mitglied der Sustainable Rice Platform (SRP) ein Projekt zum nachhaltigen Anbau von Basmatireis in Pakistan. Um Artenschutz geht es auch im Projekt The Lion’s Share Fund.

Rauch Fruchtsäfte engagiert sich mit dem Projekt „Geld gegen Plastik“ in Haiti, Indonesien und den Philippinen für plastikfreie Ozeane. Müllsammlerinnen und Müllsammler können in den lokalen Sammelstellen der Plastic Bank gesammeltes Plastik gegen Geld, Lebensmittel, Trinkwasser, Handy-Guthaben, Speiseöl oder Schulgebühren eintauschen. Der eingetauschte Gegenwert ist höher als der tatsächliche Marktwert des Plastiks.

Der Gewürzhersteller Kotányi bewirtschaftet gemeinsam mit regionalen ungarischen Bauern brachliegende Felder nach traditionellen Methoden.

Beispiel: Klimafreundlicher Transport

Um den ökologischen Fußabdruck durch den Transport von Lebensmitteln zu verbessern, gehen viele Unternehmen der Lebensmittelindustrie neue Wege: Sie optimieren beispielsweise die strategische Planung der Logistik, verwenden die Bahn als Verkehrsmittel oder treiben ihre Firmenflotten mit Wasserstoff oder Strom an.

Die Nutzung klimafreundlicher Verkehrsmittel wie der Bahn hat für nachhaltige Transportwege große Bedeutung.

Die Nutzung klimafreundlicher Verkehrsmittel wie der Bahn hat für nachhaltige Transportwege große Bedeutung. Foto: Steve / Adobe Stock

Best Practice: Strategische Planung und alternative Antriebe

Das Mineralwasserunternehmen Vöslauer hat in seiner Logistik ein ambitioniertes Ziel: Bis 2030 soll jeder durchschnittliche Transportkilometer um 20 Prozent weniger CO2 verursachen als im Vergleichsjahr 2019. Dabei kommen alternative Antriebsformen wie Schiene, Wasserstoff und E-Mobilität zum Einsatz. Die Dienstwagen-Flotte wird laufend auf E-Mobilität umgestellt und die Verwendung öffentlicher Verkehrsmittel gefördert. Dienstreisen werden konsequent reduziert.

Alternative Antriebe wie E-Mobilität nutzt auch der Getränkehersteller Coca-Cola HBC Austria. Dabei wird die Schaffung der dafür notwendigen Infrastruktur wie Wallboxen mitgedacht. Ziel ist, bis 2030 85 Prozent der Fahrzeuge auf Elektroantrieb, Hybrid- oder Plug-In-Hybrid-Modelle oder Erdgas umzustellen. Kartoffelspezialist Kelly, Gemeinschaftsverpfleger GOURMET und die Molkerei NÖM setzen ebenfalls auf klimafreundliche Mobilität.

Beim Fruchtsafthersteller Spitz und beim Stärkeproduzenten AGRANA sorgt ein direkter Bahnanschluss an das Schienennetz für Anlieferungen und Versand für einen klimafreundlichen Transport.