Aus Soja werden vielfältige Lebensmittel hergestellt. Tofu, Sojasauce, Edamame und Sojamilch sind einige Beispiele.

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Soja im Faktencheck

Soja bildet eine wichtige Grundlage für Lebensmittel und Tiernahrung. Wo es angebaut wird, was der pflanzliche Eiweiß­lieferant bietet und wie sich Soja mit Nachhaltigkeit vereinbaren lässt: All das lesen Sie in unserem Faktencheck.

Soja wurde bereits vor rund 3.000 Jahren in Asien zu Ernährungszwecken gezüchtet. Aus den eiweißreichen Sojabohnen werden heute Sojaöl, Sojaschrot, Sojadrinks und viele weitere Produkte erzeugt. Ihr Einsatz bei der Lebensmittelherstellung ist vielfältig. Auch als Futtermittel für Nutztiere spielt Soja weltweit eine wesentliche Rolle.

Was ist Soja?

Soja (Glycine max) ist eine krautig wachsende, einjährige Pflanze aus der Familie der Schmetterlingsblütler. Aus ihren kleinen, weißen oder violetten Blüten entstehen Hülsenfrüchte, in denen sich die Samen entwickeln. Diese werden auch Sojabohnen genannt. Die bis zu 1,5 Meter langen Wurzeln der Sojapflanze bilden eine Symbiose mit sogenannten Knöllchenbakterien. Mit Hilfe dieser kann die Pflanze Stickstoff aus dem Boden aufnehmen. Da die sojaspezifischen Knöllchenbakterien in europäischen Böden nicht beheimatet sind, müssen sie dem Saatgut hinzugefügt werden.

Was wird alles aus Soja hergestellt?

Rund 50 Prozent der in Österreich geernteten Sojabohnen werden zu Lebensmitteln veredelt. Die Bohnen selbst werden beispielsweise in getrockneter, tiefgekühlter oder Konservenform angeboten. Weiterverarbeitet werden Sojabohnen in Österreich vor allem zu Sojadrinks und Tofu-Erzeugnissen. Diese sind besonders bei Konsumentinnen und Konsumenten beliebt, die ganz oder teilweise auf tierische Produkte wie Fleisch und Milch verzichten wollen. Darüber hinaus werden aus Sojabohnen beispielsweise Sojasauce, Brotaufstriche oder Fleischersatzprodukte hergestellt. Das Angebot an Sojaprodukten wurde in den letzten Jahren stark erweitert. Damit reagieren die Lebensmittelhersteller auf die erhöhte Nachfrage an vegetarischen und veganen Produkten und bieten Alternativen für Konsumentinnen und Konsumenten, die Milch und Milchprodukte, konkret den darin enthaltenen Milchzucker (Laktose), nicht gut vertragen.

Warum gibt es keine „Sojamilch“, kein „Sojajoghurt“ und keinen „Sojakäse“?

Die Bezeichnungen „Milch“, „Joghurt“ und „Käse“ sind in der EU besonders geschützt: Als „Milch“ darf nur ein „gemolkenes“ Erzeugnis von Tieren (u.a. Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde) bezeichnet werden. Dieser sogenannte Bezeichnungsschutz umfasst auch Milchprodukte. Damit ein Lebensmittel als „Joghurt“, „Käse“, „Butter“ oder „Rahm“ bezeichnet werden darf, muss es aus gemolkener Milch hergestellt sein. Bei aus Sojabohnen hergestellten Produkten ist das – wie auch bei Mandel-, Hafer-, Reis- oder anderen Getreidedrinks - nicht der Fall. Hier wird etwa die Sojabohne gekocht und gepresst und die gewonnene Flüssigkeit weiterverarbeitet. Die Bezeichnung „Sojamilch“ ist daher nicht erlaubt. Solche pflanzlichen Getränke müssen daher als „Soja-, Hafer-, oder Reisgetränk“ bezeichnet werden.

Am häufigsten ist Soja in Form von Sojalecithin in Lebensmitteln zu finden. Sojalecithin ist ein pflanzlicher Emulgator, der benötigt wird, um Flüssigkeit mit Fett zu binden. Es wird in zahlreichen Lebensmitteln wie Schokolade, Eis oder Backwaren eingesetzt. Die anderen 50 Prozent der heimischen Sojaernte werden als Futtermittel genutzt. Weltweit wird der Großteil der Sojaernte, nämlich rund 80 Prozent, zu Sojaschrot verarbeitet. Dieses kommt als Futtermittel, vor allem für Schweine und Hühner, zum Einsatz. Von den weltweit angebauten Sojabohnen werden nur ungefähr 6 bis 7 Prozent als Lebensmittel verzehrt.

Aber auch andere Produkte werden aus Soja hergestellt. Neben der Speisefettherstellung wird Sojaöl auch in Kosmetikprodukten, Druckfarben und als Basis für Agrotreibstoffe eingesetzt. Wirtschaftlich gesehen ist Soja die wichtigste Ölpflanze in Österreich sowie weltweit.

Welche ernährungsphysiologischen Eigenschaften besitzt Soja?

Getrocknete Sojabohnen enthalten rund 20 Prozent Fett und etwa 40 Prozent Eiweiß. Damit liefern sie mehr pflanzliches Eiweiß als andere Hülsenfrüchte. Aufgrund seiner Zusammensetzung kann Sojaeiweiß vom Körper gut verwertet werden und ist als hochwertige pflanzliche Eiweißquelle geschätzt. Auch das Sojaöl wird für die Ernährung genutzt. Sojabohnen sind reich an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Darüber hinaus enthalten sie auch Mineralstoffe und Ballaststoffe.

Kann Soja Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen?

Sojabohnen und daraus gewonnene Erzeugnisse zählen in der Europäischen Union zu den 14 kennzeichnungspflichtigen Allergenen in Lebensmitteln. Denn wie beispielsweise Milch, Nüsse oder Sesam kann auch Soja Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen. In der Zutatenliste von verpackten Lebensmitteln ist Soja daher speziell hervorzuheben - zum Beispiel durch Fettdruck, Unterstreichung oder Großbuchstaben. So kann Soja als Zutat von Lebensmitteln wie Margarine, Brotaufstrichen oder Mayonnaise, Kaffeeweißer oder Kaugummi leicht erkannt werden.

Was hat es mit Isoflavonen in Soja auf sich?

Sojabohnen enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte Isoflavone. Diese Stoffe aus der Gruppe der Phytoöstrogene sind dem körpereigenen Hormon Östrogen in seiner Struktur ähnlich. Diverse Untersuchungen haben sich mit den Auswirkungen von Isoflavonen befasst. Dabei konnte keine gesundheitsgefährdende Wirkung im Nährstoffverbund (im Gegensatz zu Isolaten) nachgewiesen werden. Der Verzehr von Sojaprodukten gilt in normalem Ausmaß als unbedenklich.

Wird Soja gentechnisch verändert?

Soja, das in Österreich angebaut wird, ist garantiert gentechnikfrei. Der Anbau von gentechnisch verändertem Soja ist in der EU nicht erlaubt, es darf aber importiert werden und findet vor allem in der Nutztierfütterung Verwendung. Enthält ein Lebens- oder Futtermittel gentechnisch verändertes Soja, so ist das GV-Soja als solches in der Zutatenliste zu kennzeichnen. Produkte, die in Österreich verkauft werden und garantiert gentechnikfrei sind, sind mit dem grün-weißen Gütesiegel der ARGE Gentechnik-frei gekennzeichnet. Das gilt auch für Futtermittel, bei denen der gesamte Produktionsprozess inklusive der Zutaten kontrolliert wird.

Nähere Informationen zu Gütesiegeln bei Lebensmitteln finden Sie hier: Das ist bei Lebensmittel-Gütesiegeln zu beachten

Wo wird Soja weltweit angebaut?

Weltweit werden jährlich rund 370 Millionen Tonnen Soja hergestellt. Um gut gedeihen zu können, braucht die Sojapflanze ein warmes Klima mit ausreichend Niederschlägen. Große Anbaugebiete finden sich deshalb in tropischen Breiten wie dem Amazonasgebiet. Weltweit ist Brasilien der größte Sojaproduzent, gefolgt von den USA und Argentinien. Mittlerweile gibt es auch Sorten, die in Europa gut gedeihen. 

Wie steht es um den Sojaanbau in Österreich?

Österreich liegt beim Anbau von Soja im europäischen Spitzenfeld. Möglich wurde das durch die kontinuierliche Entwicklung von Sorten, die mit den hiesigen klimatischen Bedingungen gut zurechtkommen. Mit einer Erntemenge von über 230.000 Tonnen jährlich liegt unser Land weit vor Deutschland (rund 85.000 Tonnen) und innerhalb der EU an fünfter Stelle unter den Sojaproduzenten. Laut AMA belegt Soja in Österreich nach Mais, Weizen und Gerste mittlerweile den vierten Platz bei der Anbaumenge. Etwa 40 Prozent des österreichischen Sojas werden biologisch angebaut – damit ist Österreich Spitzenreiter in der EU.

Die gesamte Anbaufläche für Soja in Österreich beträgt laut AMA rund 76.000 Hektar – das entspricht fast der doppelten Fläche von Wien. Am meisten Soja produzieren das Burgenland, Niederösterreich und Oberösterreich. Dabei wird etwa die Hälfte des österreichischen Sojaertrags als Speisesoja genutzt und zu Lebensmitteln weiterverarbeitet – insbesondere zu Sojadrinks und Sojaprodukten. Die andere Hälfte entfällt auf Futtermittel. Somit leistet der Sojaanbau in Österreich einen wichtigen Beitrag zur Selbstversorgung mit pflanzlichen Eiweißquellen in Europa.

Videotipp: Bedeutung von Eiweißpflanzen für die Lebens- und Futtermittelproduktion

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Soja enthält hochwertiges Eiweiß und spielt deshalb in der Lebens- und Futtermittelproduktion eine wesentliche Rolle. Video: BMLRT

Warum und woher importiert Österreich Soja?

Der Selbstversorgungsgrad mit Soja in der EU liegt bei rund 5 Prozent. Auch in Österreich kann der Sojabedarf bei weitem nicht mit heimischem Soja abgedeckt werden. Die Fläche, die in Österreich landwirtschaftlich genutzt werden kann, ist begrenzt. Dadurch steht Soja in Flächen- und Anbaukonkurrenz zu anderen Rohstoffen, wie etwa Mais, Weizen oder Zuckerrüben: Wird mehr landwirtschaftliche Fläche für den Sojaanbau genutzt, so wird die Anbaufläche für andere Rohstoffe kleiner.

Das meiste Soja importiert Österreich aus Brasilien (25 Prozent), gefolgt von Argentinien (20 Prozent) und den USA (14 Prozent). Das importierte Soja wird vor allem zur Fütterung von Nutztieren eingesetzt. Dabei wird in der österreichischen Milchvieh- und Geflügelhaltung im Rahmen des AMA-Gütesiegels 100 Prozent gentechnikfreies Soja verwendet. Lediglich bei der Fütterung von Schweinen ist im Rahmen des AMA-Gütesiegels die Fütterung mit gentechnisch verändertem, importiertem Soja noch erlaubt. Das soll in der nächsten Zeit auf gentechnikfreies Soja umgestellt werden.

Die österreichische Eiweißstrategie des Landwirtschaftsministeriums und der Landwirtschaftskammer hat das Ziel, den Selbstversorgungsgrad mit Soja in Österreich zu erhöhen und folglich die Menge des importierten Sojas bis 2030 im Vergleich zu 2021 zu halbieren.

Wie hängt der weltweite Fleischkonsum mit Soja zusammen?

Der Fleischkonsum ist seit dem Zweiten Weltkrieg rasant angestiegen. Das hat vor allem mit dem gestiegenen Wohlstand in unserer Gesellschaft zu tun. Je größer die Fleischnachfrage ist, desto mehr Anbauflächen müssen auch für Sojabohnen geschaffen werden. Denn weltweit werden fast 80 Prozent des angebauten Sojas für Futtermittel eingesetzt. In Österreich stagniert der Fleischkonsum seit einigen Jahren, wenn auch auf hohem Niveau. Soja spielt für die Tierfütterung eine wesentliche Rolle.

Wie wirkt sich der Anbau von Soja auf Lebensräume wie die Regenwälder aus?

Mehr als 80 Prozent der globalen Sojaernte stammen aus nur drei Ländern – USA, Brasilien und Argentinien. In diesen Ländern wirkt sich der Anbau von Agrarrohstoffen auf das Verschwinden des Regenwalds aus.

Der Verlust von Lebensraum hat negative Folgen für die Biodiversität und die dort beheimateten Pflanzen und Tiere. Auch werden dadurch Kohlenstoffemissionen freigesetzt, da Wälder große Mengen an CO2 binden und als Kohlenstoffsenke fungieren. Dazu kommen soziale Auswirkungen wie die Vertreibung indigener Völker.

Aktuell erarbeitet die EU-Kommission einen Gesetzesvorschlag, der das Inverkehrbringen von Rohstoffen, die mit Entwaldung oder Waldschädigung einhergehen, unterbinden beziehungsweise verringern soll. Viele Lebensmittelunternehmen gehen schon heute verantwortungsbewusst vor und halten sich beim Sojaanbau an ökologische und soziale Standards. Best Practice-Beispiele zum Umgang mit Agrarrohstoffen finden Sie hier: Agrarrohstoffe

Welche Standards gibt es für den nachhaltigen Anbau von Soja?

Es gibt noch kein einheitliches, international anerkanntes Gütesiegel, wohl aber Programme für einen nachhaltigen Sojaanbau. Um ökologische und soziale Mindeststandards für den Sojaanbau zu etablieren, wurde 2006 der Round Table on Responsible Soy (RTRS) gegründet. Die ProTerra Foundation zertifiziert Betriebe, Produzenten, verarbeitende Firmen und weitere Akteure, sofern sie die ProTerra-Standards für verantwortungsvollen Sojaanbau erfüllen – von der Einhaltung von Menschenrechten über ökologische Anbaukriterien bis hin zu Biodiversität.

Das nach den Richtlinien von Europe Soya zertifizierte Soja erfüllt bestimmte Anforderungen an nachhaltige Produktion (inklusive Pestizideinsatz) und ist gentechnikfrei. Für eine nachhaltigegentechnikfreie und regionale Eiweißversorgung setzen sich auch die Organisationen Donau Soja und Soja aus Österreich ein.