Das Kampagnenlogo von „Österreich-isst-informiert“, einer Initiative des Fachverbands der Lebensmittelindustrie.

Industrie

„Es braucht mehr Sach­dialog über Lebens­mittel!“

Seit drei Jahren bietet „Öster­reich isst informiert“ Fakten zu Lebens­mitteln und deren Herstel­lung. Katharina Koßdorff, Geschäfts­führerin des Fach­ver­bands der Lebensmittel­industrie, im Gespräch über Hinter­gründe und Zukunfts­visionen.

Seit Februar 2018 ist die Wissensplattform „Österreich isst informiert“ online. Der Anspruch: faktenbasiertes Wissen über Lebensmittel zu vermitteln und Einblicke in deren Herstellung zu geben. Katharina Koßdorff vom Fachverband der Lebensmittelindustrie blickt auf drei Jahre Aufklärung zurück und fordert mehr Sachlichkeit in öffentlichen Debatten.

Frau Mag. Koßdorff, „Österreich isst informiert“ hat drei erfolgreiche Jahre hinter sich. Welches Ziel verfolgen Sie mit dieser Wissensplattform?

Katharina Koßdorff: Seit dem Launch vor drei Jahren haben wir ein klares Ziel: Wir wollen mit „Österreich isst informiert“ darüber aufklären, wie Lebensmittel in unserer modernen Welt hergestellt werden und welche Vorgaben dahinterstehen. Wir möchten auch die Türen der Unternehmen öffnen, um Einblicke in die Herstellung von Lebensmitteln und Getränken zu gewähren. Besonders wichtig ist uns, jene Fragen zu beantworten, die die Verbraucherinnen und Verbraucher beschäftigen. Dabei setzen wir auf Fakten und wissensbasierte Information.

Was hat sich in den vergangenen Jahren geändert? Was waren und sind die Herausforderungen?

Koßdorff: Das Themenspektrum von „Österreich isst informiert“ ist mit der Zeit breiter geworden. Aktuell sind vor allem Themen wie Nachhaltigkeit, Umwelt und Klimawandel sehr wichtig. Darauf sind wir beispielsweise im Zuge unseres Schwerpunkts zu „Verpackung und Kreislaufwirtschaft“ eingegangen. Daher haben wir stets neue Aspekte, die uns beschäftigen. Das ist sicherlich eine Herausforderung – aber uns ist es wichtig, am Puls der Zeit zu bleiben. Dazu kommt: Lebensmittel gehören zu den am strengsten regulierten Produkten in Europa. Über komplexe rechtliche Hintergründe sachlich richtig und zugleich verständlich und ansprechend zu informieren, ist nicht immer einfach.

Woran liegt es, dass sich die Ansprüche an die Themen rund um Lebensmittel ständig ändern?

Koßdorff: Dass sich Anforderungen an Lebensmittel laufend ändern, hängt mit unserer gesellschaftlichen Entwicklung zusammen. „Lebens-Mittel“ sind sehr oft Projektionsfläche für die Metathemen, die eine moderne Gesellschaft wie unsere aktuell beschäftigen. Denken Sie an Umwelt- und Klimathemen, an Tier- und Naturschutz, Pandemiebekämpfung, Krisenresilienz und Versorgungssicherheit, aber auch an gesellschaftspolitisch drängende Themen wie Übergewicht (Adipositas), Bildung, Armut, Gerechtigkeit, Chancengleichheit oder Kinderarbeit in Drittländern. Die Folge ist: Wir stellen immer höhere ethisch-moralische Erwartungen an Nahrungsmittel und projizieren alle möglichen Wünsche in sie hinein.

Aber kann ein einzelnes Konsumprodukt all dem überhaupt gerecht werden? Die Antwort darauf ist ein klares Nein. Letztlich sind wir als Gesellschaft gefordert, uns den Fragen unserer Zeit zu stellen. Wir selbst müssen für die großen Themen, die uns beschäftigen, Lösungen entwickeln und dürfen uns nicht dem Irrglauben hingeben, dass wir unsere Metathemen und globalen Herausforderungen über Produkte wie Lebensmittel lösen werden. Da müssen wir schon selbst Verantwortung für unsere Zukunft übernehmen.

Das Themenspektrum von ‚Österreich isst informiert‘ ist mit der Zeit immer breiter geworden. Aktuell sind vor allem Themen wie Nachhaltigkeit, Umwelt und Klimawandel sehr wichtig.

Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, im Porträt.

Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie

Worauf sind Sie besonders stolz?

Koßdorff: In den letzten drei Jahren haben wir sehr viel positives Feedback erhalten – das macht mich und das Team hinter „Österreich isst informiert“ stolz und dankbar. Es bestärkt uns darin, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Für einen Verband mit beschränkten Ressourcen ist uns der Start sehr gut gelungen und wir haben eine solide Basis für unsere künftige Arbeit geschaffen.

Woraus schöpfen Sie die Expertise, um die Wissensplattform zu betreiben?

Koßdorff: Namhafte Expertinnen und Experten aus der Lehre, der Wissenschaft und Forschung sowie aus den Unternehmen selbst kommen auf „Österreich isst informiert“ laufend zu Wort und erläutern Themen rund um Lebensmittel. Zudem hilft uns das Know-how im Fachverband: Unsere Lebensmitteljuristinnen und -juristen geben fachlichen Input zu Rechtsfragen. Dass diese Strategie der faktenbasierten Information aufgeht, zeigt unter anderem die Nachfrage der Userinnen und User. Unsere Infografiken zu komplexen Themen wie Kennzeichnung oder Lebensmittelkette etwa haben sich bewährt.

Sie setzen mit „Österreich isst informiert“ auf die Vermittlung von Fakten zur Entstehung und den Inhaltsstoffen von Lebensmitteln. Warum ist das gerade heute so wichtig?

Koßdorff: In den letzten Jahren hat das Interesse am Essen und Trinken wieder stark zugenommen. Was und wie gegessen und getrunken wird, was dabei Freude und Genuss bereitet – das ist vielen Menschen wichtig. Andererseits bemerken wir, dass immer weniger Leute wissen, wann, wie und wo Lebensmittel tatsächlich wachsen oder hergestellt werden. Vor allem bei jüngeren Menschen nimmt dieses Wissen ab. Gleichzeitig gibt es unseriöse Informationen, vor allem im Web. Sie bilden den Nährboden für Mythen über Lebensmittel und führen dazu, dass Debatten über das Essen und Trinken vielfach ideologisch geprägt sind. „Österreich isst informiert“ wirkt dem mit Aufklärung entgegen – mit fundierten Informationen über Herstellung, Inhaltsstoffe und Kennzeichnung von Nahrungs- und Genussmitteln – und gibt Einblicke in die heimische Branche.

Beim Jahresempfang der Lebensmittelindustrie 2018 stellten Claudia Riedmann von der Schreibagentur und Hannes Schwarzenhofer vom Fachverband der Lebensmittelindustrie die Online-Wissensplattform „Österreich isst informiert“ vor.

Beim Jahresempfang der Lebensmittelindustrie 2018 stellten Claudia Riedmann von der Schreibagentur und Hannes Schwarzenhofer vom Fachverband der Lebensmittelindustrie die Online-Wissensplattform „Österreich isst informiert“ vor. Foto: Gregor Nesvadba

Welche Inhalte haben besonderen Anklang gefunden – und welche Themen möchten Sie in Zukunft verstärkt aufgreifen?

Koßdorff: Unsere Leserinnen und Leser interessieren vor allem die Informationen, die sie in ihrem Alltag anwenden können. Ein Beispiel ist die Kennzeichnung von Allergenen: Anhand des Zutatenverzeichnisses auf der Verpackung lässt sich herausfinden, welche Allergene in einem Produkt enthalten sind. Auch der richtige Umgang mit Lebensmitteln ist ein beliebtes Thema: Wie lagere ich sie richtig, wie interpretiere ich das Mindesthaltbarkeitsdatum und wie sorge ich für Lebensmittelhygiene in der Küche? Dazu kommt, dass mit solchen Informationen Lebensmittelverschwendung entgegengesteuert werden kann.

Und wie steht es um das Thema Nachhaltigkeit?

Koßdorff: Allgemein findet das Thema Nachhaltigkeit bei unseren Leserinnen und Lesern großen Anklang. Sie möchten sich als interessierte Konsumentinnen und Konsumenten darüber informieren und wissen, was die Branche unternimmt. Dies betrifft viele unterschiedliche Bereiche: von der Auswahl der Rohstoffe über die energieeffiziente Produktion bis zur klimaschonenden Verpackung eines Lebensmittels. Wir zeigen Best-Practice-Beispiele aus der Praxis. Auch die Vermeidung von Lebensmittelabfällen ist ein großes Thema. Zukunftsthemen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz, aber auch Qualität, Sicherheit und Genuss sind Gebiete, die wir bereits abdecken, jedoch noch weiter ausbauen wollen.

Hinter der Wissensplattform steht die heimische Lebensmittelindustrie, die damit auch ein Zeichen für mehr Sachlichkeit in der öffentlichen Debatte setzen möchte. Ist Ihnen das gelungen?

Koßdorff: Mit „Österreich isst informiert“ haben wir einen wichtigen Schritt für aktive Aufklärung und Sachinformationen aus der Praxis gesetzt. So schaffen wir ein Angebot für eine faktenbasierte Lebensmittelinformation. Wir sind nur erfolgreich, wenn wir glaubwürdig sind und fundiert arbeiten. Dass wir das tun, zeigt das positive Feedback, das uns erreicht.

Mit ‚Österreich isst informiert‘ haben wir einen wichtigen Schritt für aktive Aufklärung und Sachinformationen aus der Praxis gesetzt. So schaffen wir ein Angebot für eine faktenbasierte Lebensmittelinformation.

Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, im Porträt.

Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie

Was sind Ihre Ziele für die nächsten drei Jahre?

Koßdorff: Ein Ziel von „Österreich isst informiert“ ist, das Interesse am Sachdialog über Lebensmittel zu wecken und stärker in den Vordergrund zu rücken. Wir wollen Mythen und falschen Einschätzungen in Bezug auf Lebensmittel oder die Branche mit Vertrauen und Fachwissen entgegenwirken. Auch Ernährungsbildung wird immer wichtiger werden – darauf wollen wir uns künftig stärker fokussieren.

Gibt es abschließend noch eine Botschaft, die Sie den Leserinnen und Lesern mitgeben wollen?

Koßdorff: Der Grundsatz „Mit Wissen punkten“ zieht sich wie ein roter Faden durch „Österreich isst informiert“. Wir möchten aufklären und fundiertes Sachwissen weitergeben. In dem Sinne bedanke ich mich herzlich für das Vertrauen und die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser in den letzten drei Jahren. Ich freue mich darauf, ihnen gemeinsam mit meinem Team auch in Zukunft weiterhin spannenden Content zu liefern und Einblicke in die Lebensmittelherstellung zu geben.

Über Katharina Koßdorff

Mag. Katharina Koßdorff ist seit 2013 Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie in Österreich. Die gebürtige Grazerin setzt sich seit vielen Jahren für die Anliegen und Themen von rund 200 heimischen Lebensmittelherstellern ein. Die fachlichen Schwerpunkte der Juristin sind unter anderem das europäische und österreichische Lebensmittelrecht.

  • Interview mit Mag. Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie (März 2021)