Mehrere Containerschiffe im Ozean

Foto: GreenOak / Shutterstock

Industrie

Iran-Krieg: Was heißt das für öster­reichische Lebens­mittel?

Der Krieg im Iran und im Nahen Osten wirkt sich auch auf die österreichische Lebensmittelindustrie aus. Welche Folgen haben steigende Energiepreise und eingeschränkte Seewege? Vertreter der Lebensmittel­branche und ein Experte geben Einblicke.

Der Iran-Krieg hat sich zu einem weitreichenden Konflikt im Nahen Osten ausgeweitet und trifft globale Lieferketten mit voller Wucht. Das setzt auch die österreichische Lebensmittelindustrie unter Druck. Exporte werden schwieriger, Energie-, Logistik- und Rohstoffpreise steigen, bei Verpackungsmaterial gibt es Engpässe. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Heimische Lebensmittel kommen nicht ans Ziel

Ob Getränke, Käse, Fruchtsäfte oder Schokoladenwaren: Lebensmittel „made in Austria“ sind im Nahen und Mittleren Osten geschätzt. In diese Region wurden 2025 Lebensmittel und Agrarprodukte im Wert von rund 188 Millionen Euro exportiert – das entspricht etwa 20 Euro pro Österreicherin und Österreicher. „Für den Export bleibt der Seeweg zentral, doch viele Unternehmen kämpfen derzeit mit gestörten Lieferketten und hohen Frachtkosten“, sagt Wirtschaftsexperte Josef Domschitz vom Fachverband der Lebensmittelindustrie.

Lebensmittelindustrie: Wichtige Exportgüter in die Golfregion

Exportgut

Warenwert
(in Millionen Euro)

Alkoholfreie Getränke (Energy-Drinks, Limonaden)43,4
Lebensmittelzubereitungen28,3
Käse24,9
Fruchtsäfte und -konzentrate18,8
Tierfutter15,3
Kindernährmittel6,5
Kaffee6,5
Würste3,6
Zuckerwaren3,0
Schokoladenwaren2,7
Fleischzubereitungen1,6

Zeitraum: 2025 (vorläufige Daten)
Quellen: Statistik Austria, Fachverband der Lebensmittelindustrie

Werden zentrale Routen wie die Straße von Hormus oder der Handelskorridor Suez Kanal-Rotes Meer behindert, geraten Lieferketten ins Stocken. Häfen sind nicht mehr erreichbar. Waren müssen in Ausweichhäfen in der Region oder beispielsweise in Indien umgeladen oder überhaupt nach Europa zurücktransportiert werden. Verlängerte Transportzeiten gefährden zudem das Mindesthaltbarkeitsdatum vieler Produkte und die Kühlkettenlogistik verteuert sich.

Viele Exporteure versuchen derzeit nach Jeddah (Rotes Meer) zu buchen und dann mit Inlands-Transporten weiter in die Vereinigten Emirate, nach Bahrain, Katar, Kuwait oder in den Oman zu liefern. Dies ist aber schwierig und kostenintensiv, da Jeddah nur begrenzt Kühlplätze für gekühlte Produkte wie etwa Käse, Würste und Fleischzubereitungen hat.

Statement eines Lebensmittelexporteurs

Teurere Transporte belasten Lieferketten

Der Konflikt im Nahen Osten treibt die Kosten für Transport und Logistik weiter in die Höhe – Beispiele sind die Preise für Diesel sowie die Bunkerpreise für Schiffstreibstoffe. Das wirkt sich unmittelbar auf die Rohstoffbeschaffung sowie die Auslieferung fertiger Produkte an den Lebensmittelhandel aus. Gleichzeitig haben sich die Frachtraten auf dem globalen Containermarkt merklich verteuert.

Beispiel: Wie wirken sich die hohen Dieselpreise aus?

Seit Beginn des Iran-Kriegs ist der Dieselpreis um rund 70 Cent pro Liter gestiegen. Bei 10.000 gefahrenen Kilometern und einem Verbrauch von rund 30 Litern auf 100 Kilometer entstehen rund 2.100 Euro Mehrkosten für einen LKW pro Monat. Bei einem Transporteur mit 50 LKWs bedeutet das monatliche Mehrkosten von 105.000 Euro.

Die Kosten für Logistik und Transport sind gestiegen. Weitere Mehrkosten entstehen im Export etwa durch Security Fees, Aufschläge für Standzeiten, Gebühren für Registrierung in ‚neuen‘ Zielhäfen oder zusätzliche Transportgebühren.

Statement aus der Brauwirtschaft

Vorderansicht eines Containerschiffs mit einer Ladung von Containern auf dem Meer

Gut geladen: Viele Lebensmittel werden international auf dem Seeweg transportiert. Foto: Suphanat Khumsap / iStock

Aktuell haben wir im Export mehrere Container auf See, die nicht zugestellt werden können. Nur Saudi-Arabien können wir beliefern, allerdings mit einem deutlich erhöhten Frachtpreis.

Feedback aus der Konfitürenbranche

Energiepreise setzen der Lebensmittelproduktion zu

Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) drohen weltweit eine höhere Inflation und schwächeres Wirtschaftswachstum. Im März stieg die Teuerung in Österreich laut Statistik Austria wieder auf 3,2 Prozent (Februar: 2,2 Prozent). Bei Nahrungsmitteln und Getränken lag sie zuletzt bei 2,3 Prozent. Haupttreiber sind die gestiegenen Treibstoff- und Heizölpreise.

Das trifft die Lebensmittelindustrie direkt. Verarbeitung, Lagerung und Transport von Lebensmitteln, Getränken und Futtermitteln sind energieintensiv – beispielsweise die Kartoffel-, Obst- und Gemüseverarbeitung, die Milch- und Fleischverarbeitung, die Herstellung von Zucker, Stärke, Backwaren oder Fertiggerichten. „Die Kostensteigerungen sind schon jetzt signifikant und werden durch den volatilen Energiemarkt weiter verstärkt“, erklärt Wirtschaftsexperte Josef Domschitz vom Fachverband der Lebensmittelindustrie. Viele Betriebe müssen sich – abhängig von Konfliktdauer und Seewegen – auf weitere Kostensteigerungen einstellen.

Durch die gestiegenen Energiekosten sind wir besonders stark betroffen. Das hat auch negative Folgen für die europäischen Märkte, die wir beliefern.

Einschätzung aus der Fruchtsaftindustrie

Verpackungen werden knapp – und deutlich teurer

Auch bei Verpackungsmaterialien schlagen die Folgen des Iran-Kriegs voll durch – besonders bei Kunststoffverpackungen etwa auf Basis von Polyethylen. Erdölbasierte Vorprodukte aus dem Golfraum, wie Naphta oder Propan, sind nur eingeschränkt verfügbar. Das verknappt das Angebot und treibt die Preise nach oben. Ein Beispiel: Laut betroffenen Unternehmen haben sich die Preise für Weich-Polyethylen (LDPE) und Folienmaterialien in kürzester Zeit verdoppelt. 

Nicht nur Kunststoff ist betroffen: Auch Karton, Gläser oder sonstige Folien werden teurer. Ihre Herstellung benötigt viel Energie, dazu kommen die höheren Transportkosten. Stark zeigt sich dieser Effekt auch bei Aluminium für Getränkeverpackungen. Weltweit kommen 10 Prozent der Aluminium-Primärproduktion aus der Golfregion. Die Alu-Preise, die seit 2025 bereits deutlich gestiegen sind, haben seit Kriegsbeginn nochmals um fast 50 Prozent zugelegt.

Für Kunststoffverpackungen und Folienmaterialien werden bereits Preisverdoppelungen innerhalb kürzester Zeit gemeldet, was zu einer unvorhersehbaren Mehrbelastung der Lebensmittel- und Getränkehersteller führt.

Josef Domschitz, Fachverband der Lebensmittelindustrie

Tomaten in Kunststofffolie verpackt in Draufsicht

Kunststoffverpackungen für Lebensmittel – hier beispielsweise für Tomaten – sind von Verknappungen betroffen. Foto: DutchScenery / Adobe Stock

Dünger wird zum knappen Gut

Der Krieg lässt auch die Preise für Düngemittel stark steigen: „Der Nahe Osten ist zentral für die weltweite Produktion von Stickstoffdünger, der aus Erdgas gewonnen wird“, erklärt Josef Domschitz. Rund ein Drittel der weltweiten Düngemittel passiert üblicherweise die Straße von Hormus, ebenso ein Viertel des Öls und ein Fünftel des Flüssigerdgases. Für Österreich ist 2026 noch keine Knappheit zu erwarten. Zeitverzögert könnten jedoch Preisspitzen auftreten, was sich auch auf die Lebensmittelverarbeitung auswirkt.

Fazit: Vielfältige Folgen für die Unternehmen der Lebensmittelindustrie

Der Krieg im Iran und im Nahen Osten trifft viele Hersteller von Lebensmitteln, Getränken und Futtermitteln schwer. Zu den Folgen zählen:

  • Höhere Kosten für Energie, Logistik und Transport
  • Knapper verfügbare und somit teurere Verpackungsmaterialien
  • Rohstoffknappheit und Preisschocks wegen erhöhter Düngemittelpreise
  • Behinderung der Exporte in den Nahen und Mittleren Osten

Die Branche steht unter erheblichem Kosten- und Versorgungsdruck. Ein länger andauernder Konflikt hätte weitreichende Folgen für die gesamte heimische Liefer- und Wertschöpfungskette von Lebensmitteln, Getränken und Futtermitteln und ließe laut Prognosen die Inflation bei Lebensmitteln wieder ansteigen.

  • Lageeinschätzung des Fachverbands der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich, April 2026

    Interview mit Josef Domschitz, Wirtschaftsexperte und stellvertretender Geschäftsführer des Fachverbands der Lebensmittelindustrie, April 2026 

    Input von österreichischen Lebensmittelherstellern, März 2026

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