LKW beim Obsttransport: Damit die Versorgungskette funktioniert, müssen alle Schritte ineinandergreifen.

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Industrie

Versorgungs­kette: Alle ziehen an einem Strang

Auch in Krisenzeiten ist die Versorgung Öster­reichs mit Lebens­mitteln gesichert. Möglich macht dies der Einsatz der öster­reichischen Lebensmittel­hersteller: Sie reagieren auf Heraus­forderungen, damit die Versorgungs­kette weiterhin funktioniert.

Die Lebensmittelindustrie Österreichs garantiert täglich die sichere Versorgung von Millionen Menschen mit hochwertigen, qualitativen und leistbaren Lebensmitteln. Entlang der Versorgungskette wirken viele unterschiedliche Faktoren und Partner mit. Wie wichtig es ist, dass die einzelnen Schritte nahtlos ineinandergreifen, zeigt sich gerade in der Coronakrise.

Enge Kooperation mit Lieferanten und Kunden

Unmittelbar nach dem Ausbruch der Krise ist die Nachfrage nach manchen Grundnahrungsmitteln sowie Fertigprodukten stark angestiegen. Daher haben viele Unternehmen in Österreich ihre Produktion erhöht und auf Mehrschichtbetrieb umgestellt. „Wir haben bereits in den vergangenen Wochen umfangreiche Vorbereitungen getroffen, um unseren Kunden, Partnern und Mitarbeitern auch in den kommenden Wochen bestmöglichen Schutz, Sicherheit und eine möglichst unterbrechungsfreie Produktion bieten zu können“, sagt etwa Alfred Schrott, Marketingvorstand bei Manner. So wurden beispielsweise getrennte Schichten mit Extrateams eingeführt.

Um Lieferengpässen entgegenzuwirken, arbeiten die Lebensmittelhersteller eng mit den Partnern entlang der Lebensmittelkette zusammen. „Die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden ist mehr als je zuvor geprägt von großer Offenheit und Lösungsorientierung. Wir stehen im intensiven täglichen Kontakt mit all unseren Partnern, jeder gibt in dieser besonderen Situation sein Bestes“, sagt etwa Bernhard Ölz, Geschäftsführer von Rudolf Ölz Meisterbäcker. Auch Walter Scherb Junior, Geschäftsführer von Spitz, streicht die gute Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden heraus: „Vor allem in Hinblick darauf, welche Waren in welchen Mengen benötigt werden, erfolgt die Abstimmung sehr detailliert und effizient. Um entsprechend planen und produzieren zu können, ist das für uns derzeit absolut unabdingbar.“

Sie sichern die Versorgung auch in Krisenzeiten: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebensmittelunternehmen arbeiten vielfach im Mehrschichtbetrieb.

Sie sichern die Versorgung auch in Krisenzeiten: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebensmittelunternehmen arbeiten vielfach im Mehrschichtbetrieb. Foto: SeventyFour / iStock

Nachschub bei Rohstoffen und Verpackungsmaterial notwendig

Eine stärkere Lebensmittelnachfrage bedeutet, dass auch entsprechend mehr Rohstoffe und Verpackungsmaterial (Kartons, Glas, Verschlüsse usw.) in der erforderlichen Qualität und Menge verfügbar sein müssen. „Werden Rohstoffe und auch Packstoffe – etwa aufgrund der teilweisen Schließung von Binnengrenzen – erst verzögert angeliefert, kann sich das auf die gesamte Versorgungskette auswirken“, erläutert Experte Josef Domschitz vom Fachverband der Lebensmittelindustrie eine der Herausforderungen.

Dass überhaupt Rohstofflieferungen aus dem Ausland erforderlich sind, hängt mit dem Selbstversorgungsgrad Österreichs mit agrarischen Rohstoffen zusammen: Nur bei sehr wenigen Produkten – wie Kuhmilch, bestimmten Fleischarten oder Zucker – ist Österreich in der Lage, sich komplett selbst zu versorgen. In vielen Bereichen sind die Unternehmen jedoch auf Importe angewiesen. Die Lebensmittelhersteller haben so gut es ging vorgebaut: „Wir haben uns vorab rechtzeitig und ausreichend mit allen notwendigen Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, Verpackungen etc. eingedeckt, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten“, sagt etwa Gerald Hackl, Vorstandsvorsitzender der VIVATIS Holding.

Herausforderungen im Güterverkehr

Auch die Lager- und Lieferlogistik stößt in Krisenzeiten mitunter an Grenzen. So kann es sein, dass die Produktion bestimmter Waren in einem stark von der Coronakrise betroffenen Gebiet verringert oder eingestellt wurde. Fehlende LKWs bei Logistikpartnern, aber auch verstärkte Grenzkontrollen können Verzögerungen im Güterverkehr mit sich bringen. Dabei geht es nicht nur um Rohstoffe. Damit die Lebensmittel in den Supermärkten angeliefert werden können, braucht es beispielsweise auch entsprechende Mengen an Leergut, Paletten und Transportmitteln.

Die längerfristigen Auswirkungen sind noch nicht absehbar. „Ein Beispiel ist der Ausfall von systemrelevanten Partnerunternehmen entlang der Wertschöpfungskette“, sagt Experte Josef Domschitz vom Fachverband der Lebensmittelindustrie. „Das kann die Produktionsabläufe bei Lebensmitteln und Getränken, aber auch Futtermitteln mittelfristig erschweren.“ Dazu zählen nicht nur Lieferanten von Rohstoffen und Maschinen, Verpackungsmaterial oder Logistikanbieter. Auch viele weitere Bereiche spielen mit hinein – von der funktionierenden Energieversorgung oder Kühlkette bis hin zu einsatzfähigen Labors für die Qualitätskontrolle.

Notwendige Basis: Für die Lebensmittelherstellung müssen ausreichend agrarische Rohwaren in der passenden Qualität angeliefert werden.

Notwendige Basis: Für die Lebensmittelherstellung müssen ausreichend agrarische Rohwaren in der passenden Qualität angeliefert werden. Foto: SonerCdem / iStock

Auch Berufspendler sind betroffen

Reisebeschränkungen und Kontrollen an den Binnengrenzen wirken sich auch auf den Berufspendlerverkehr aus. Können etwa Arbeitskräfte aus dem benachbarten Ausland nicht mehr täglich nach Österreich ein- und wieder heimreisen, so fehlen den Unternehmen wesentliche Ressourcen. Dies betrifft zumeist die Drei-Schicht-Produktion, die Lagerverwaltung, aber auch Personal in den vorgelagerten Bereichen – wie zum Beispiel Erntehelferinnen und Erntehelfer.

Um dem Mangel an Arbeitskräften entgegenzuwirken, haben manche Unternehmen entsprechende Lösungen gefunden: „Wir haben für einige unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Wohnungen zur Verfügung gestellt, die täglich von ihrem Wohnort außerhalb Österreichs nach Wolkersdorf pendeln und in der Krise lieber am Arbeitsplatz bleiben wollten, sagt etwa Marketingvorstand Alfred Schrott von Manner.

Gastronomie-Sparte bricht weg

Neben der erhöhten Nachfrage in manchen Warengruppen haben viele Unternehmen der Lebensmittelindustrie auch entgegengesetzte Herausforderungen zu stemmen: Die Umsätze im Tourismus, in der Gastronomie und Hotellerie sowie in Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung sind weggefallen. Bereits produzierte und ausgelieferte Produkte (teils in Großgebinden und mit geringer Haltbarkeit) liegen in den Unternehmen beziehungsweise in der Gastronomie und Hotellerie auf Lager und finden derzeit keine Abnehmer.

Lebensmittelhersteller, die wirtschaftlich stark von den Absätzen in der Gastronomie und dem Tourismus abhängig sind, mussten bereits das Modell der Kurzarbeit in Anspruch nehmen. Ein Beispiel ist Wiesbauer Gourmet: „Unser Gastronomie-Unternehmen Wiesbauer Gourmet ist mit dem gesamten Absatz eingebrochen, von täglichen 3.000 auf derzeit 30 bis 50 Bestellungen. Dort steht fast die gesamte Produktion und viele Mitarbeiter mussten auf Kurzarbeit gehen – auch die gesamte Geschäftsleitung“, so Wiesbauer-Geschäftsführer Thomas Schmiedbauer.

Lebensmittelhersteller übernehmen Verantwortung

Nicht nur in Zeiten wie diesen kommt den Unternehmen der Lebensmittelindustrie eine hohe Verantwortung zu. Sie sind es, die rund um die Uhr produzieren, Rohstoffe sichern, Lieferketten prüfen, Personal und Verpackungsmaterialien organisieren und die Qualität der erzeugten Lebensmittel kontrollieren. Das lässt Martin Darbo, den Vorstandsvorsitzenden von Darbo, optimistisch in die Zukunft blicken: „Ich bin zuversichtlich, dass wir auch weiterhin sicher und zuverlässig unsere österreichischen und internationalen Abnehmer versorgen können. Unsere Zuverlässigkeit und die Qualität der Arbeit der Menschen, die bei uns arbeiten, haben sich in sicheren wie in unberechenbaren Zeiten bewährt.“

Den Stellenwert der Branche bringt Peter Buchauer, Geschäftsführer von Felix Austria, stellvertretend für viele Unternehmen der Lebensmittelindustrie auf den Punkt: „Diese Krise hat gezeigt, wie wichtig die Lebensmittelwirtschaft in Österreich ist. Ich hoffe nur, dass wir die Bedeutung unserer Lebensmittel und die damit verbundene Versorgungssicherheit nach der Krise nicht wieder vergessen.“

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