Viele Lebensmittel in österreichischen Supermärkten - wie hier zum Beispiel Erdbeeren - sind mit Gütesiegeln versehen.

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Das ist bei Lebensmittel-Gütesiegeln zu beachten

Gütesiegel für Lebensmittel können Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkauf unterstützen. Welche Gütesiegel gibt es am österreichischen Markt? Und was sagen sie aus? „Österreich isst informiert“ gibt einen Überblick.

Lebensmittel-Gütesiegel – auch Gütezeichen oder Qualitätszeichen – finden sich auf einer Reihe von verpackten Produkten. Sie beziehen sich beispielsweise auf die Qualität, die Herkunft oder die Art der Produktion. Dabei ist zwischen gesetzlich geregelten beziehungsweise behördlich anerkannten (nationalen und europäischen) und privaten Gütesiegeln zu unterscheiden.

Kurz erklärt: Gütesiegel versus Prüfzeichen

Die Begriffe Gütesiegel und Prüfzeichen kommen oft in einem ähnlichen Kontext vor. Prüfzeichen haben jedoch eine andere Bedeutung: Sie setzen wissenschaftlich-technische Untersuchungen durch qualifizierte Institute voraus. Prüfzeichen betonen in der Regel sicherheitsrelevante Eigenschaften von Produkten und werden nach der erfolgreichen Überprüfung sicherheitstechnischer Anforderungen vergeben (z.B. TÜV-Zeichen).

Welche staatlich anerkannten Gütesiegel gibt es in Österreich?

Staatlich anerkannte Gütesiegel basieren in der Regel auf einem Gesetz, unterliegen einem geregelten System und müssen strenge Vorgaben erfüllen. Sie stehen für eine Herstellung nach bestimmten Spezifikationen, transparente Regelungen sowie Kontrollen durch unabhängige Kontrollstellen.

In Österreich gibt es drei staatlich anerkannte Gütesiegel:

  • Das AMA-Gütesiegel kennzeichnet verarbeitete Lebensmittel mit ausgezeichneter Qualität, nachvollziehbarer österreichischer Herkunft und unabhängigen Kontrollen vom Bauernhof bis zur Theke.
  • Das AMA-Biosiegel zeichnet qualitative biologische Lebensmittel mit hohen Umweltstandards aus. Beim rot-weiß-roten Siegel mit der Ursprungsangabe AUSTRIA stammen die landwirtschaftlichen Rohstoffe aus Österreich und das Produkt wurde im Inland be- und verarbeitet. Bei Fleisch und Fleischprodukten wurden die Tiere in Österreich geboren, gefüttert, geschlachtet und verarbeitet. Beim schwarz-weißen Bio-Siegel ohne Ursprungsangabe stammen die Bio-Rohstoffe aus unterschiedlichen Herkunftsländern.
  • Das AMA Genuss Region-Siegel steht für regionale landwirtschaftliche Spezialitäten. Diese stammen von bäuerlichen Direktvermarktern, kleinen Lebensmittelunternehmen oder Gastronomiebetrieben.

Die AMA-Gütesiegel basieren auf dem AMA-Gesetz von 1992 und werden von der  Marktordnungsstelle Agrarmarkt Austria im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrags vergeben. Die Kriterien, die den staatlich anerkannten Gütesiegeln zu Grunde liegen, müssen von der Behörde genehmigt werden. Zugelassene, unabhängige Kontrollstellen überprüfen laufend die Einhaltung dieser Richtlinien.

Weitere Gütezeichen

Darüber hinaus gibt es am österreichischen Markt zwei weitere Gütezeichen, deren rechtliche Grundlage in der Zwischenzeit ausgelaufen ist. Diese sind das ÖGE-Gütezeichen und das Austria Gütezeichen, die auf Basis der 2009 außer Kraft getretenen Gütezeichenverordnung 1942 entwickelt wurden:

  • Das ÖGE-Gütezeichen zeichnet nährstoffoptimierte Menülinien in der Gemeinschaftsverpflegung aus. Es wurde von der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) entwickelt.
  • Das Austria Gütezeichen steht für österreichische Herkunft und geprüfte Qualität. Für Lebensmittel hat das Austria Gütezeichen keine große Relevanz. Es gilt als Herkunftsangabe, für die entsprechende lebensmittelrechtliche Vorschriften einzuhalten sind.

Videotipp: Was steckt hinter dem AMA-Gütesiegel?

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Warum gibt es das AMA-Gütesiegel? Im Video erfahren Sie mehr zur Geschichte und den Zukunftsvisionen. Video: VerVieVas Erklärvideos

Welche gesetzlich geregelten Lebensmittel-Gütesiegel gibt es in der EU?

In der EU gibt es zwei bekannte gesetzliche Lebensmittel-Gütesiegel, das EU-Bio-Siegel und die Gütesiegel der geschützten geographischen Angaben, Ursprungsbezeichnungen und traditionellen Spezialitäten.

Das EU-Bio-Logo dürfen nur Lebensmittel tragen, die nach den EU-Regelungen für die biologische Produktion hergestellt wurden. Ist das der Fall, ist das EU-Bio-Logo zwingend auf der Verpackung von Bio-Lebensmitteln anzugeben, die in der EU erzeugt und verkauft werden.

Die sogenannten EU-Qualitätsregelungen schützen die Bezeichnung bestimmter Lebensmittel. Damit werden deren besondere Eigenschaften in Bezug auf den geografischen Ursprung oder traditionelle Verarbeitungsarten hervorgehoben. Diese Bezeichnungen sind in der EU zu beantragen und dürfen erst nach ihrer Zulassung verwendet werden. Österreich hat bis jetzt lediglich 16 geschützte Bezeichnungen und liegt damit im EU-Vergleich weit hinter Italien oder Frankreich zurück.

  • Die geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) stellt sicher, dass ein Lebensmittel in einem bestimmten Gebiet hergestellt, verarbeitet und zubereitet wird. Beispiele dafür sind Vorarlberger Bergkäse g.U., Waldviertler Graumohn g.U. oder Wachauer Marille g.U.
  • Die geschützte geografische Angabe (g.g.A.) bezeichnet Lebensmittel, bei denen zumindest eine Produktionsstufe in der Region erfolgt, beispielsweise Steirisches Kürbiskernöl g.g.A., Marchfeldspargel g.g.A. oder Tiroler Speck g.g.A.
  • Die garantiert traditionelle Spezialität (g.t.S.) steht für Erzeugnisse aus traditionellen Herstellungs- und/oder Verarbeitungsverfahren oder mit traditioneller Zusammensetzung, etwa Heumilch g.t.S.

Das EU-Bio-Logo basiert auf der EU-Verordnung (EG) Nr. 834/2007. Die geschützte Ursprungsbezeichnung, die geschützte geografische Angabe sowie die garantiert traditionelle Spezialität basieren auf der EU-Verordnung (EU) Nr. 1151/2012.

Das EU-Bio-Logo kennzeichnet alle verpackten Produkte, die in der EU biologisch produziert, erzeugt und verkauft werden.

Das EU-Bio-Logo kennzeichnet alle verpackten Produkte, die in der EU biologisch produziert, erzeugt und verkauft werden. Foto: ferkelraggae / Adobe Stock

Welche privaten Lebensmittel-Gütesiegel gibt es in Österreich?

Es gibt eine Vielzahl an privaten Lebensmittel-Gütesiegel. Diese sind nicht gesetzlich verankert, sondern beruhen auf Kriterien, die von der vergebenden Stelle selbst festgelegt und überprüft werden (zum Beispiel von Vereinen). Möchte ein Unternehmen diese Gütesiegel verwenden, muss es in der Regel der vergebenden Stelle beitreten, etwa als Vereinsmitglied, und einen Mitgliedsbeitrag sowie ein Nutzungsentgelt für das Gütesiegel nach Abschluss eines Lizenzvertrags bezahlen, die Kriterien erfüllen und die vorgesehenen Kontrollen einhalten.

Wir stellen hier drei in Österreich bekannte Beispiele vor:

  • Das BIO AUSTRIA-Siegel können Produkte aus biologischer Landwirtschaft tragen, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen, die über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehen. Das Gütesiegel wird vom größten Verband österreichischer Biobäuerinnen und Biobauern vergeben.
  • Das FAIRTRADE-Siegel findet sich auf vielen Lebensmitteln – von Kakao, Kaffee und Tee über Schokolade bis zu Bananen. Es steht für fair angebaute und gehandelte Produkte. Bei ihrer Herstellung müssen vorgegebene ökologische und ökonomische Kriterien eingehalten werden.
  • Die ARGE Gentechnik-frei vergibt das grün-weiße Kontrollzeichen „ohne Gentechnik hergestellt“. Es kennzeichnet Lebensmittel, die ohne den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen oder Teilen davon hergestellt wurden. Die Gütesiegel-Kriterien basieren auf dem österreichischen Lebensmittelbuch, dem Codex Alimentarius, zur Kennzeichnung der „Gentechnikfreiheit“.
Private Lebensmittel-Gütesiegel - hier das BIO AUSTRIA-Siegel - erleichtern die Orientierung beim Einkauf.

Private Lebensmittel-Gütesiegel – hier das BIO AUSTRIA-Siegel – erleichtern die Orientierung beim Einkauf. Foto: BIO AUSTRIA/Sonja Fuchs

Unterschied zwischen Gütesiegeln und Lebensmittelmarken

Häufig werden auch Lebensmittelmarken für Gütesiegel gehalten, da sie in vielen Fällen mit einer bestimmten Qualität oder Produkteigenschaft verbunden oder Gütesiegeln optisch ähnlich sind. Im Gegensatz zu einem Gütesiegel handelt es sich bei einer Lebensmittelmarke um ein Zeichen, das sich ein Unternehmen durch die Anmeldung beziehungsweise die Eintragung in ein Markenregister für ein Produkt oder eine Produktlinie schützen lässt. Diese Marken gilt es von staatlichen oder privaten Gütesiegel zu unterscheiden. Beispiele für Lebensmittelmarken von Einzelhandelsunternehmen sind etwa Ja! Natürlich, SPAR Natur pur oder Zurück zum Ursprung.

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