Grüne Müllcontainer, die Abfälle zum Recyceln sammeln.

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Verantwortung

Abfallvermeidung in der Lebensmittel­produktion

Eine aktuelle Studie zeigt: Nur rund 1,4 Prozent der Lebensmittelabfälle in der Produktion sind vermeidbar. Wie entstehen diese? Und was unternehmen die Hersteller gegen Verschwendung? Alle Infos zum Thema.

Etwa 8,6 Mio. Tonnen Nahrungsmittel werden jährlich in Österreich produziert. Laut einer aktuellen Studie des Österreichischen Ökologie-Instituts sind nur rund 1,4 Prozent – oder 121.800 Tonnen – der dabei anfallenden Lebensmittelabfälle vermeidbar. Der größte Teil der nicht notwendigen Lebensmittelabfälle fällt in den privaten Haushalten an, gefolgt von der Außer-Haus-Verpflegung beispielsweise in der Gastronomie oder in Gemeinschaftsküchen.

Warum entstehen Lebensmittelabfälle in der Produktion?

Für die Lebensmittelabfälle in der Herstellung gibt es unterschiedliche Ursachen: Einerseits zählen die rohstoff- und energieintensiven Prozesse dazu. So gibt es zum Beispiel in getränkeproduzierenden Branchen der Lebensmittelindustrie deutlich weniger Abfälle oder organische Nebenprodukte als bei der Verarbeitung von Getreide, Milch und Fleisch. Andererseits tragen auch die Vorgaben der Abnehmer in Bezug auf die Qualität, Rezeptur oder Verpackung von Produkten zum Entstehen von Abfällen bei.

Über 51.000 Tonnen Backwaren jährlich in der Mülltonne

Aber auch Sortimentswechsel, Etikettierungsfehler oder Retourwaren sind dafür verantwortlich, dass Lebensmittelabfall in den Unternehmen anfällt. Den höchsten Anteil an vermeidbaren Lebensmittelabfällen – nämlich über 40 Prozent – haben Backwaren: Laut der Erhebung des Ökologie-Instituts landen jedes Jahr rund 51.700 Tonnen Brot und Gebäck in der Mülltonne. Mehr als zwei Drittel davon sind Retourwaren, die der Lebensmitteleinzelhandel an die Hersteller zurückschickt.

Häufige Gründe für vermeidbare Lebensmittel­abfälle

  • Qualitätsvorgaben bei Rohstoffen
  • Rechtliche Vorgaben und Anforderungen von Abnehmern
  • Sortimentswechsel
  • Etikettierungsfehler
  • Saisonwaren/Überproduktion/Lagerüberschuss
  • Retourwaren

Hersteller gegen Verschwendung

Die österreichischen Hersteller haben schon viel Vorarbeit geleistet, um Lebensmittelabfälle zu vermeiden. „Die Lebensmittelunternehmen denken und handeln seit jeher in Generationen. Und angesichts des heiß umkämpften Marktes kann es sich heute ohnehin kein Unternehmen mehr leisten, Lebensmittelabfälle im großen Stil zu produzieren“, erklärt Josef Domschitz vom Fachverband der Lebensmittelindustrie. Der Verband unterstützt die Initiative „Lebensmittel sind kostbar!“ des Ministeriums für ein lebenswertes Österreich. Das gemeinsame Ziel: den Wert von Nahrungsmitteln und die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs damit bewusstmachen.

Lebensmittel gehören auf den Teller und nicht in die Tonne

Viele Betriebe haben bereits wirkungsvolle Maßnahmen umgesetzt – von der Verbesserung der Bedarfsplanung über Mitarbeiterschulungen bis zur Vermeidung von Überproduktionen. Die Ergebnisse der Studie des Ökologie-Instituts zeigen, dass diese Maßnahmen schon erfolgreich zur Abfallvermeidung beigetragen haben. Verbesserungspotential ist dennoch gegeben. Einerseits in der Zusammenarbeit mit Partnern entlang der Lebensmittelkette und andererseits bei der Belieferung von sozialen Einrichtungen zur Versorgung von Bedürftigen. Denn: „Unsere Nahrungsmittel sind kostbar und gehören auf den Teller. Nicht in die Mülltonne.“

  • Domschitz, Josef: Abfallsituation entlang der Wertschöpfungskette österreichischer Lebensmittel. Projektpräsentation des Fachverbands der Nahrungs- und Genussmittelindustrie (27. Juni 2017)
  • Hietler, Philipp: Kostbare Lebensmittel – Abfallvermeidung in der österreichischen Lebensmittelindustrie. Herausgegeben von der Zeitschrift „Die Ernährung“, Volume 41 (Mai 2017)
  • Lebensmittel sind kostbar! Information des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft auf bmlfuw.gv.at (abgerufen am 22. September 2017)
  • Studie zur Abfallvermeidung in der österreichischen Lebensmittelproduktion. Herausgegeben vom Österreichischen Ökologie-Institut (2016-2017)