Ob in Lebensmitteln, Kosmetika oder Treibstoff: Palmöl ist Bestandteil vieler alltäglicher Produkte. In puncto Nachhaltigkeit wird das tropische Öl jedoch oft kritisiert. Wie lässt sich ein nachhaltiger Anbau für Mensch und Natur fördern? Ist Palmöl im Essen ungesund? Und was geben andere Pflanzenzöle als Alternativen her? Wir gehen den wichtigsten Fragen rund um Palmöl auf den Grund.
Was ist Palmöl?
Palmöl ist ein pflanzliches Fett. Es wird aus dem Fruchtfleisch der Früchte der Ölpalme gewonnen. Davon zu unterscheiden ist das Palmkernöl aus den Kernen der Palmfrucht. Mit fast einem Drittel Marktanteil ist Palmöl das meistproduzierte Pflanzenöl der Welt vor Sojaöl.
Woher stammt Palmöl?
Sie wird bis zu 30 Meter hoch und hat es gerne tropisch warm: Die Ölpalme zählt zu den wichtigsten Ölpflanzen der Welt. Heute wird die Ölpalme in vielen tropischen Regionen kultiviert – vor allem in Asien, Afrika und Südamerika: Über 80 Prozent des weltweit produzierten Palmöls kommen aus Indonesien und Malaysia.
Wie wird Palmöl hergestellt?
Auf einer Ölpalme wachsen bis zu 6.000 Früchte. Das Palmöl wird aus ihrem Fruchtfleisch gewonnen. Dafür werden die Palmfrüchte in Mühlen gepresst. Früchte und Öl haben wegen ihres hohen Gehalts an Beta-Carotin eine rötliche Färbung. Diese geht beim späteren Raffinieren verloren. Aus den Kernen der Ölfrüchte wird zudem Palmkernöl und Palmkernmehl gewonnen. Dafür werden die Kerne getrocknet, gemahlen und dann gepresst.

Aus den reifen Früchten der Ölpalme wird Palmöl und aus den Kernen Palmkernöl und Palmkernmehl gewonnen. Bild: Anna Nelidova / iStock
Wo wird Palmöl hauptsächlich verbraucht?
Der größte Teil des produzierten Palmöls wird in den Anbauländern selbst und in benachbarten Regionen Asiens verwendet. Jährlich liegt die globale Palmölproduktion bei rund 80 Millionen Tonnen (siehe Deutsches Bundesinformationszentrum Landwirtschaft). Die EU-Importe sind in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Das ist zum einen auf neue EU-Vorgaben für entwaldungsfreie Lieferketten zurückzuführen, zum anderen lässt die EU die Nutzung von Palmöl als Biokraftstoff im Rahmen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) bis 2030 schrittweise auslaufen.

In welchen Produkten ist Palmöl enthalten?
Kaum ein Rohstoff lässt sich so vielseitig einsetzen wie Palmöl. In Europa landet rund ein Drittel des Palmöls in Lebensmitteln, weltweit sind es etwa zwei Drittel. Darüber hinaus wird es vor allem für Energie (Biokraftstoff), Kosmetik, Reinigungsmittel, Pharmazie oder Futtermittel verwendet.
Warum wird Palmöl in der Lebensmittelherstellung verwendet?
Aufgrund seiner positiven technologischen Eigenschaften hat raffiniertes Palmöl in der Lebensmittelindustrie seit über 100 Jahren einen festen Platz: Es ist ein hochwertiges Fett für die Herstellung von Lebensmitteln. Palmöl ist tierischen Fetten wie Butter oder Schmalz überlegen. Es lässt sich einfach verarbeiten, ist hitzestabil, geschmacksneutral und lange haltbar. Im Gegensatz zu tierischen Fetten wie Butter wird Palmöl nicht so rasch ranzig. So bleiben Produkte wie Backwaren, Kekse oder Streichfette länger genießbar.
Wie erkennt man Palmöl in einem Produkt?
Ob ein Lebensmittel Palmöl enthält, steht in der Zutatenliste auf der Verpackung. Raffinierte pflanzliche Öle können als „pflanzliches Öl“ oder „pflanzliches Fett“ bezeichnet sein. Unmittelbar danach muss auch der Rohstoff vermerkt werden – etwa durch Bezeichnungen wie „Palmöl“, „Palmfett“ oder „Pflanzenfett“ (Palm) (EU-Lebensmittelinformationsverordnung).
Beispiele für Lebensmittel mit Palmöl
- Süßwaren wie Schokolade, Kekse oder Eis
- Salzige Snacks wie Chips, geröstete Nüsse oder Pommes
- Backwaren
- Margarine und Fettprodukte wie Backfette
- Fertiggerichte und Brotaufstriche
Im Check: Ist Palmöl gesundheitlich sicher?
Ja. Produkte mit Palmöl sind sicher – und somit für Konsumentinnen und Konsumenten unbedenklich genießbar. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) arbeiten laufend an Risikobewertungen bei Lebensmitteln, so auch bei Fetten wie Palmöl. Für die unerwünschten Fettsäureester oder Transfettsäuren sind in der EU Grenzwerte vorgeschrieben, die nicht überschritten werden dürfen (Verordnung (EU) 2024/1003 oder Verordnung (EU) 2019/649).
Nachhaltiger Anbau von Palmöl
In der österreichischen Lebensmittelherstellung kommt zunehmend Palmöl aus nachhaltigem und zertifiziertem Anbau zum Einsatz. Damit werden der Naturschutz, faire Rahmenbedingungen für Arbeiterinnen und Arbeiter in den Anbauländern sowie der Schutz bedrohter Tierarten gefördert und kontrolliert. Zu bekannten Nachweisen zählen unter anderem die RSPO-Zertifizierung, ESPOAG (European Sustainable Palm Oil Advocacy Group) oder FONAP (Forum nachhaltiges Palmöl). Darüber hinaus gibt es internationale Vorgaben wie die EU-Entwaldungsverordnung.
EU-Entwaldungsverordnung: Neue Richtlinien für den Anbau von Ölpalmen
Die EU-Entwaldungsverordnung soll das Roden von Waldflächen zur Gewinnung von landwirtschaftlicher Nutzfläche – etwa für den Anbau bestimmter Rohstoffe wie Palmöl – verhindern. Palmöl darf in der EU nur dann in Verkehr gebracht werden, wenn nachgewiesen ist, dass es „entwaldungsfrei” hergestellt wurde, also kein Wald gerodet oder geschädigt wurde.
Lässt sich Palmöl durch andere Öle ersetzen?
Bis 2050 werden laut Schätzung der Vereinten Nationen etwa 9,7 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Um die wachsende Bevölkerung weiterhin mit der bestehenden Lebensmittelvielfalt zu versorgen, ist ein Ersatz von Palmöl derzeit schwierig umzusetzen. Denn Öle aus Sonnenblumen, Kokos oder Raps benötigen im Schnitt drei Mal so viel Anbaufläche für die gleiche Ölmenge. Wir bräuchten also um ein Vielfaches größere Anbaugebiete, um den Bedarf zu decken. Nachhaltig angebaut, ist Palmöl ressourcenschonender als andere Öle – ein wichtiger Aspekt in Hinblick auf schrumpfende Agraranbauflächen.

Warum ist es wichtig, den nachhaltigen Anbau von Palmöl zu fördern?
Der komplette Verzicht auf Palmöl in der Lebensmittelherstellung ist differenziert zu betrachten – sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher und sozialer Sicht. Denn Ölpalmen haben den höchsten Flächenertrag im Vergleich zu anderen Ölpflanzen. Gleichzeitig ist die Palmölproduktion für viele Länder ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und sichert Einkommen und Arbeitsplätze vieler Menschen. Das Ziel muss daher sein, den nachhaltigen Anbau zu fördern.
Faktencheck Palmöl. Artikel in der Fachzeitschrift DIE ERNÄHRUNG, Volume 42, 01/2018
Glatter-Götz, Helene/WWF Österreich: Palmöl – ökologische Aspekte. Veranstaltung des forum. ernährung heute (f.eh): „f.eh im Dialog: Reden wir über Palmöl“, 19. April 2018
Palmöl: Ein nachhaltiger Anbau ist wichtig. Information des deutschen Bundesinformationszentrums Landwirtschaft vom 30. Oktober 2024. Auf landwirtschaft.de (abgerufen am 9. März 2026)
Palmölimporte der EU weiter rückläufig. Grafik der Woche (46 2025) der UFOP (Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V.). Auf ufop.de (abgerufen am 9. März 2026)
Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 (Lebensmittelinformationsverordnung): Verordnung betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel. Vom 25. Oktober 2011. Auf eur-lex-europa.eu (abgerufen am 9. März 2026)
Verordnung (EU) 2019/649: Verordnung zur Änderung des Anhangs III der Verordnung (EG) Nr. 1925/2006 betreffend andere Trans-Fettsäuren als solche, die auf natürliche Weise in Fett tierischen Ursprungs vorkommen. Vom 24. April 2019. Auf eur-lex.europa.eu (abgerufen am 9. März 2026)
Verordnung (EU) 2023/915: Verordnung über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln. Vom 25. April 2023. Auf eur-lex.europa.eu (abgerufen am 9. März 2026)
Verordnung (EU) 2023/1115: Verordnung über die Bereitstellung bestimmter Rohstoffe und Erzeugnisse, die mit Entwaldung und Waldschädigung in Verbindung stehen, auf dem Unionsmarkt und ihre Ausfuhr aus der Union. Vom 31. Mai 2023. Auf eur-lex.europa.eu (abgerufen am 9. März 2026)
Verordnung (EU) 2024/1003: Verordnung zu Höchstgehalten für die Summe aus 3-Monochlorpropandiol (3-MCPD) und 3-MCPD-Fettsäureestern in Säuglingsanfangsnahrung, Folgenahrung und Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke für Säuglinge und Kleinkinder sowie in Kleinkindnahrung. Vom 4. April 2024. Auf eur-lex.europa.eu (abgerufen am 9. März 2026)
Was ist Palmöl? Information des Forum Nachhaltiges Palmöl FONAP e.V. auf forumpalmoel.org (abgerufen am 9. März 2026)
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