Kakaobohnen in zwei Händen: Sie bilden die Basis für die Herstellung von Kakao.

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Lebensmittel

Fein, dunkel, aromatisch: Wissens­wertes zum Kakao

Kakaopulver, Trinkschoko­lade oder Pralinen – Kakao ist die Basis für viele genuss­reiche Lebens­mittel. Erfahren Sie, was dahinter­steckt: vom Anbau der Kakao­bohne über die Sorten­vielfalt bis zur Geschichte.

Schon die Azteken verehrten die Kakaobohne als heilige Frucht. Im 18. Jahrhundert bezeichnete der Arzt und Botaniker Carl von Linné den Kakaobaum als „Speise der Götter“. Bis heute ist der Kakao ein beliebtes Genussmittel. Aus der Kakaobohne wird eine Vielzahl an Lebensmitteln und Getränken gewonnen.

Definition: Was ist Kakao?

Kakao ist weit mehr als die Grundlage von Schokolade – der Begriff umfasst die Pflanze selbst, ihre Früchte und die daraus hergestellten Produkte. Kakaoerzeugnisse werden aus Kakaobohnen – den Samen des Kakaobaums – gewonnen. Die Samen werden zumeist geröstet und nach der Reinigung und dem Schälen zu Kakaoerzeugnissen wie Getränkepulvern oder zu Schokoladenprodukten verarbeitet. Der ungeröstete Kakao wird als Rohkakao bezeichnet.

Gängige Produkte mit Kakao

Im Österreichischen Lebensmittelbuch werden folgende Kakaoerzeugnisse unterschieden:

  • Kakaomasse: Kakaomasse ist eine feine, in der Wärme flüssige Masse, die durch ein mechanisches Verfahren aus Kakaokernen ohne Entzug natürlicher Fettstoffe hergestellt wird. Der Gehalt an Kakaoschalenteilchen und Keimen beträgt höchstens 5 Prozent der fettfreien Trockenmasse.
  • Kakaobutter: Unter Kakaobutter versteht man den Fettanteil der Kakaobohne. Das Produkt ist gut haltbar, bei Raumtemperatur hart und hat eine gelbliche Farbe.
  • Kakaopulver: Kakaopulver wird aus gereinigten, geschälten und gerösteten Kakaobohnen durch mechanische Verfahren gewonnen. Es enthält mindestens 20 Prozent Kakaobutter (bezogen auf die Trockenmasse) und höchstens 9 Prozent Wasser.
  • Fettarmes Kakaopulver: Fettarmes Kakaopulver enthält weniger als 20 Prozent Kakaobutter (bezogen auf die Trockenmasse). Es wird auch mit den Hinweisen „mager“ oder „stark entölt“ versehen.
  • Gezuckertes Kakaopulver: Gezuckerter Kakao wird durch Mischung von Kakaopulver und Zuckerarten gewonnen. Er enthält mindestens 25 Prozent Kakaopulver.
  • Schokoladenpulver: Schokoladenpulver ist ein Mix aus Kakaopulver und Zuckerarten. Es enthält mindestens 32 Prozent Kakaopulver. 

Der Ursprung: Der Kakaobaum und die Kakaobohne

Kakao hat seinen Ursprung in Ecuador und Mittelamerika – heute wird er vor allem in Afrika angebaut. Die reifen Früchte des Kakaobaums werden bis zu 30 Zentimeter groß. Die Bestäubung der Blüten erfolgt durch Insekten oder händisch durch die Bäuerinnen und Bauern.

Danach dauert es fast ein halbes Jahr, bis die Früchte heranreifen. Sie schimmern in grünen bis rötlichen Farben und beinhalten neben dem Fruchtfleisch bis zu 50 Samen – die Kakaobohnen. Frisch geerntet sind diese Bohnen hell und sehr weich. Sie bestehen neben der Schale zu fast gleichen Teilen aus Kakaobutter und Kakaotrockenmasse. Ein Kakaobaum trägt jährlich bis zu 100.000 Blüten, aus denen sich bis zu 50 reife Früchte ergeben – das ist die Menge an Bohnen für rund 100 Tafeln Vollmilch-Schokolade.

Zwei gelb-goldene Kakaofrüchte hängen an einem Ast des Kakaobaums, im Hintergrund ein weiterer Ast und Blätter

Der Kakaobaum verdankt seinen Namen dem Naturwissenschaftler Carl von Linné, der ihn „Theobroma cacao“ nannte. Er wird bis zu 15 Meter hoch und trägt an Stamm und Ästen Blüten, die anschließend bestäubt werden. Foto: Kyle Hinkson / Unsplash

Vom Samen zur Bohne: Trocknung und Fermentation

Durch die hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme startet nach dem Ernten ein Gärprozess. Für eine gleichmäßige Fermentation werden die Samen jeden Tag durchgemischt. Während dieses Vorgangs löst sich das süßlich schmeckende Fruchtfleisch von den Samen und die eigentliche Kakaobohne mit dem typischen Aroma entsteht. Die Bitterstoffe und die Keimfähigkeit werden bei der Gärung abgebaut, wodurch die Bohnen haltbar werden.

Zum Abschluss werden die Kakaobohnen in der Sonne getrocknet, um restliche Feuchtigkeit und den säuerlichen Geruch zu reduzieren. Dabei werden sie regelmäßig von Hand gewendet, damit sie gleichmäßig trocknen. Währenddessen entsteht ihre typische dunkelbraun‑orange Farbe und die harte Schale. Nach einer letzten Qualitätskontrolle sind die Bohnen bereit für Verpackung und Export.

Eine in zwei Hälften geschnittene Kakaofrucht: Eine Hälfte mit Kakaobohnen

Im Inneren der frischen Kakaofrucht befinden sich die unbehandelten, hellen Kakaobohnen. Foto: Kristiana Pinne / Unsplash

Herstellung: So entsteht das fertige Kakaoprodukt

Auf dem Weg zum fertigen Kakaoprodukt werden die Kakaobohnen zunächst geröstet. Temperatur und Dauer der Röstung hängen davon ab, zu welchem Produkt die Kakaobohnen verarbeitet werden. Zur Herstellung von Kakaopulver werden lange Röstzeiten bei hohen Temperaturen benötigt. Hochwertiger Edelkakao hingegen wird kürzer und bei geringeren Temperaturen geröstet, um das Aroma zu schonen.

Durch die Röstung brechen die Bohnenschalen auf und es entstehen die sogenannten Kakaonibs mit dem typischen Schokoladengeruch. Diese werden anschließend gemahlen, wodurch sich Kakaobutter bildet – diese schmilzt im weiteren Prozess. Nach dem Herauspressen der Kakaobutter bleibt der Kakaokuchen, der mit weiteren Zutaten und weiterer Verarbeitung zur Schokoladen- und Kakaopulverherstellung verwendet wird. 

Geröstete braune Kaffeebohnen auf einem braunen Holztisch

Kakaobohnen haben einen scharfen und bitteren Geschmack. Sie werden geröstet, um unter anderem das Aroma zu verbessern oder die Bitterstoffe zu beseitigen. Foto: gate74 / Pixabay

Sortenvielfalt: Die Grundsorten des Kakaos

Man geht davon aus, dass alle heutigen Kakaosorten von den beiden Grundtypen Criollo („Einheimischer“) und Forastero („Fremder“) abstammen. Der in Venezuela heimische Criollo gilt als Edelkakao. Forastero wird auch als Konsumkakao bezeichnet und hat seinen Ursprung im Amazonasgebiet. Die in Trinidad verbreitete Kakaosorte – ein Hybrid aus Criollo und Forastero – wird als Trinitario bezeichnet. Diese Sorte ist noch relativ jung: Sie wird seit 1725 angebaut. Eine eigene Bezeichnung erhielt auch der Ecuador-Kakao, ein Forastero: er wird auch Nacional genannt.

Diese vier Sorten – Criollo, Forastero, Trinitario und Nacional – gelten heute als die vier Grundtypen von Kakao. Auch die Einteilung in Konsum- und Edelkakao ist gebräuchlich: Der Criollo hat einen milden Geschmack und reiche Aromen, der Forastero ist eher kräftig und bitter. Er macht durch seine hohen Erträge den größten Teil des Produktionsvolumens aus.

Das Bild zeigt vier verschiedene Kakaobohnen - die vier Grundtypen des Kakaos –  nebeneinander aufgereiht: Criollo, Forastero, Trinitario und Nacional.

Die vier Grundtypen des Kakaos: Nacional, Forastero Criollo und Trinitario. Foto: Paitoon / Adobe Stock

Nachhaltiger Kakaoanbau

In Zeiten von Klimawandel und begrenzten Ressourcen wird Nachhaltigkeit auch beim Kakaoanbau immer wichtiger. Nachhaltigkeitsmaßnahmen umfassen Arbeitsbedingungen, Umweltschutz und den Erhalt von Erträgen. Seit 2015 steigt der Anteil von fair gehandelten Kakaobohnen mit Fairtrade-Siegel in Österreich stetig an; auch Gütesiegel wie Rainforest Alliance oder UTZ sind wichtige Tools. Ihre Schwerpunkte liegen unter anderem auf nachhaltig gesicherten Lebensbedingungen durch veränderte Landnutzung und sozial verantwortlichem unternehmerischem Handeln. Auch Schulungsprogramme von Schokoladenunternehmen leisten einen Beitrag für mehr Wissen über Düngung, Pflege, Schädlingsbekämpfung und Ernte vor Ort. Regelungen wie die EU-Entwaldungsverordnung zielen auf einen intakten Kakaoanbau ab.

Die Geschichte des Kakaos

Bereits vor über 5.000 Jahren wurde aus der wilden Kakaopflanze, die in den Tieflagen des Amazonas wuchs, eine überall in den Tropen angebaute Kulturpflanze. In Mittelamerika ist der Kakaobaum schon seit Jahrtausenden bekannt: In den Anfängen wurden Fruchtfleisch sowie Bohnen verwendet. Später sollen die im heutigen Mexiko angesiedelten Olmeken ein Kakaogetränk zubereitet haben. Sie sprachen vermutlich bereits von „Kakao“ („kakawa“). Die Mayas tranken das Getränk aus schmalen Trinkgefäßen.

Kakao war vor allem im wohlhabenden Teil der Bevölkerung verbreitet. Im Jahr 1528 brachte Hernan Cortés die Kakaobohne nach Europa. Auch hier blieb das – damals noch teure – Getränk lange Zeit den gehobenen gesellschaftlichen Kreisen vorbehalten. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts entwickelte sich Kakao zu „chocolatl“ und später zu „chocolate“. Die Spanier mischten dem Getränk bereits Vanille, Zimt und Zucker bei. Aufgrund seines Geschmacks und der ihm zugeschriebenen gesundheitlichen Wirkungen trat der Kakao rasch seinen Siegeszug in ganz Europa an.

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